Warum ältere Programmierer unterschätzt werden
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Wie sieht eigentlich ein typischer Programmierer aus? Jung, männlich, Hornbrille? Dazu spielt er überwiegend World of Warcraft und führt eine Liebesbeziehung mit einer animierten Frau aus dem Internet?

Spätestens jetzt dürfte der Ein oder Andere energisch mit dem Kopf schütteln, denn dass es sich hierbei um eine klischeehafte Verallgemeinerung handelt, die nicht zuletzt durch Nerds aus Sendungen wie „Big Bang Theory“ propagiert wird, dürfte den meisten von uns klar sein. Doch auch in Fachkreisen hält sich ein Mythos hartnäckig: Ein Programmierer muss jung und innovativ sein, denn Menschen über 50 können mit der Entwicklung einfach nicht Schritt halten.

Ein klarer Fall von „Denkste!,“ wie der 1933 geborene Informatik-Veteran Gerald M.- Weinberg in seinem Blog aufzeigt. Unterstützt werden seine Thesen dabei von einer Studie der North Carolina State University, die herausgefunden hat, dass ältere Programmierer nicht nur über eine höhere Erfahrung und einen Schatz an verstaubten Anekdoten aus der Urzeit der Personal Computers verfügen, sondern bezüglich neuer Entwicklungen auf mindestens dem gleichen Stand sind wie ihre jüngeren Kollegen.

Auch Emerson Murphy-Hill, Assistenzprofessor für Computer Science und Co-Autor der Studie, zeigte sich von dem Ergebnis der Tests überrascht. Dass die Veteranen in einigen Fällen sogar einen Vorteil gegenüber ihren jüngeren Kollegen hatten, was den Umgang mit neueren Entwicklungen betrifft, habe man vor Beginn der Studie nicht erwartet. So schnitten die älteren Fachleute bei Tests, die das Wissen über die mobilen Betriebssysteme iOS und Windows Phone 7 unter Beweis stellen sollten, statistisch besser ab als Programmierer jüngerer Altersgruppen. Auch bei anderen untersuchten Technologien ließen sich keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Probanden feststellen. „Die Daten unterstützen keinesfalls die Voreingenommenheit gegenüber älteren Programmierern“, so Murphy-Hill. „Wenn überhaupt, belegen sie genau das Gegenteil der gängigen Meinungen.“

Wie kommt es zu diesen Vorurteilen?

Weinberg sieht den Grund für die geringeren Erwartungen an ältere Programmierer in dem verbreiteten Glauben, dass nur wenige Programmierer sich bis ins höhere Alter mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen wollen würden und aus diesem Grunde ihren Beruf aufgeben. Tatsächlich, so Weinberg, entsteht der Eindruck, ein guter Programmierer dürfe vor allem nicht zu alt sein, durch die vorherrschende Praxis, die Fachbesten zu befördern und ins Management oder in andere Bereiche zu transferieren, wodurch der Anteil älterer Programmierer augenscheinlich abnimmt. Übrig bleiben die weniger qualifizierten Fachleute, die so auch das Vorurteil des altersbedingten Kenntnisrückstands bestärken.

Aus diesem Grund empfiehlt Weinberg den Software-Firmen und Unternehmen ihre Personalpolitik zu überdenken, da immer noch zwei Trugschlüsse das Handeln vieler Unternehmensführungen bestimmten. Zum einen gehen viele Manager und Personalchefs davon aus, dass ein guter Programmierer auch ein guter Manager sei, wodurch die Teams von Entwicklern und Programmierern unter Umständen eines wichtigen Mitglieds beraubt werden, obwohl im Managementbereich die umfassenden Programmierfähigkeiten nicht voll zum Tragen kommen. Sinnvoller wäre es daher, auch erfahrene Programmierer weiterhin an der Entwicklung teilhaben zu lassen.

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