Qualität durch weltweites Teamwork

Wie verteilte Teams die Softwarequalität erhöhen
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Qualität ist wichtig in der Softwareentwicklung. Aber wie erreicht man dieses Ziel am Besten? Jedes Team hat mit Sicherheit eigene Strategien dafür, die es mit der Zeit entwickelt und verbessert hat. Andere Ansätze wie die agile Softwareentwicklung versprechen außerdem, genau dabei zu helfen. Aber was ist, wenn das Team nicht gemeinsam in einem Büro sitzt, sondern sich um die ganze Welt verteilt? Kann agile Arbeit dann gelingen?

Für manche mag es überraschend sein, aber wenn es gut läuft, kann gerade die Arbeit in „Remote“ bzw. verteilten Teams ein echter Vorteil in Bezug auf die Softwarequalität sein. Denn dadurch werden viele Probleme, die lokale Teams häufig haben, von Anfang an vermieden. Damit das klappt und das Team sogar trotzdem agil arbeiten kann, muss aber einiges beachtet werden.

Verantwortung & Motivation

Einer der größten Vorteile der Arbeit in weit verteilten Teams ist, dass eine direkte Kontrolle der Mitarbeiter gar nicht möglich ist. Das mag aus Sicht eines Managers erst einmal problematisch klingen; am Ende trägt es aber doch dazu bei, dass jeder Mitarbeiter sich verantwortlich für seine Aufgabe fühlt und genau weiß, was er zu tun hat. Anders geht es nämlich gar nicht, wenn nicht nebenan die nächsten drei Kollegen eh das gleiche machen. Genau das sind aber Faktoren, die die Motivation von Mitarbeitern hoch halten, wodurch die Softwarequalität steigt.

Trotzdem müssen Mitarbeiter aber immer genau wissen, wo das Projekt gerade steht. Das ist schwierig, wenn es keinen persönlichen Austausch gibt. Kommen noch unterschiedliche Zeitzonen dazu, wird ein gutes Kommunikationssystem besonders wichtig. Ein Messengersystem, das sowohl einen allgemeinen Kanal für alle Beteiligten anbietet, als auch eine direkte, davon getrennte Kommunikation zwischen einzelnen Mitarbeitern ermöglicht, ist hier ein guter Ansatz. Es kann sogar die täglichen Meetings der agilen Arbeitsweise ersetzen. Das Ziel dieser Treffen ist ja, dass alle Mitarbeiter gut informiert sind. Das geht auch virtuell.

Um darüber hinaus einen guten Kontakt zwischen allen Mitarbeiter zu ermöglichen, kann es sinnvoll sein, regelmäßige Videocalls einzuführen. Die Möglichkeiten dazu hängen aber auch davon ab, wie sich das Team zusammensetzt: Mit Mitarbeitern, die in einer anderen Niederlassung des gleichen Unternehmens arbeiten, ist das einfacher als mit Freelancern, die vielleicht im Café sitzen.

Vorsprung durch Internationalität

Die Diversität eines multinationalen Teams kann einen ganz direkten positiven Einfluss auf das Projekt haben. Kommunikativ wird es zwar eine Herausforderung sein, die verschiedenen kulturellen Einflüsse unter einen Hut zu bekommen (die Deutschen sind eher direkt, die Amerikaner nicht so sehr und die Asiaten sagen nicht „Nein“ zum Chef). Aber wenn das gelungen ist, können alle dazu beitragen, ein Produkt zu erschaffen, das weltweit angenehm nutzbar ist.

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Die Frage, ob denn jemand asiatische Namen beim Entwerfen der Formulare für das Projekt bedacht hat, stellt sich einfach nicht mehr. Natürlich wird daran gedacht – und an das abweichende Nutzungsverhalten in verschiedenen Ländern, die typischen Werbestile der jeweiligen Industrie sowie Design-Stolperfallen. Denn nicht jeder erwartet einen Button an der gleichen Stelle. Die Leserichtung einer Sprache beeinflusst nämlich auch das Design.

Angepasste Agilität

Viele Ansätze aus der agilen Methodik können in verteilte Teams übernommen werden. Genauso, wie große Unternehmen einige Anpassungen an agilen Standards vornehmen müssen, ist das auch in diesem Fall möglich. Ein virtuelles Board kann das Whiteboard ersetzen und die ständige Kontrolle des Fortschritts ist in verteilten Teams eh unabdingbar. Um nämlich den Überblick über den Arbeitsfortschritt zu behalten, muss die eine oder andere Art von Softwarelösung eingesetzt werden. Und die hilft dann auch gleich dabei, Bottlenecks zu erkennen. Dauert ein Arbeitsschritt länger als gewöhnlich, fällt das viel schneller auf.

Außerdem brauchen verteilte Teams auf jeden Fall ein gutes Quellcode-Management. Bei lokalen Teams geht die Bedeutung dieser Tools oft unter, man sieht sich ja eh und kann den Kollegen fragen, wie weit er ist. Wird dieser Kollege dann aber einmal krank, kann es schwierig werden, die entsprechenden Dateien auf seinem PC zu finden. Wer aber nicht im gleichen Büro arbeitet wie seine Kollegen, muss seinen Code automatisch auf einer allen zugänglichen Plattform verwalten.

Talent statt Wohnort

Nicht zuletzt eröffnet die Entwicklung in verteilten Teams eine große Chance. Auf diesem Weg können Talente aus aller Welt am Projekt mitwirken; es wird möglich, ausschließlich nach den am Besten qualifizierten Mitarbeitern zu suchen, ohne sich dabei räumlich einzuschränken. Denn nicht immer sitzen die besten Kandidaten gleich um die Ecke vom Auftraggeber. Gerade in der IT-Branche sollte das heutzutage aber keine Hürde mehr sein.

Von all diesen Anpassungen der Arbeitsweise profitieren darüber hinaus auch alle Mitarbeiter gleichermaßen, egal wo sie sitzen. Die Arbeit in verteilten Teams ist und bleibt natürlich trotzdem in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung, immerhin ist dadurch es nicht so einfach möglich jeden Kollegen jederzeit um Rat zu fragen. Sie kann aber auch sehr dazu beitragen, dass die Softwarequalität am Ende deutlich steigt. Und manche dieser Ansätze, beispielsweise die Überwachung der benötigten Zeit oder das Quellcode-Management helfen am Ende jeder Art von Entwickler-Team.

Aufmacherbild: Group of Business People with Jigsaw Puzzle Forming in World Map von Shutterstock / Urheberrecht: Rawpixel

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