Work-Life-Balance und die Urlaubsfrage: Offene- oder Mindesturlaubs-Policy?
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Die Urlaubsfrage kann in vielen Unternehmen schnell zur Streitfrage werden, wenn es keine eindeutigen Richtlinien für den Urlaubsanspruch gibt. Doch während es vielen Chefs sicher sehr recht wäre, würden ihre Mitarbeiter möglichst wenig Urlaub nehmen und selbst während ihrer freien Tage abrufbereit sein, ist die Work-Life-Balance immens wichtig für die Gesundheit der Mitarbeiter.

Matthias Meyer erklärt, wo die Probleme bei einer vollkommen uneingeschränkten Urlaubs-Policy liegen können und warum eine Mindesturlaubs-Policy viele Vorteile für alle Beteiligten birgt.

Gefahrenstelle „Offene-Urlaubs-Policy“

Eigentlich klingt es nach einer sinnvollen Idee, Mitarbeiter nicht dabei einzuschränken, wie viel Urlaub sie in Anspruch nehmen. Doch diese „Offene-Urlaubs-Policy“ birgt gleich mehrere Gefahrenstellen, die sich im schlimmsten Fall negativ auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken können.

Zwei Probleme kristallisieren sich dabei besonders heraus: zum einen wird „vergessen“, den Urlaub in Anspruch zu nehmen, zum anderen sind sich viele Mitarbeiter unsicher, wie viele Urlaubstage überhaupt in Ordnung sind. Allerdings ist keines dieser beiden Szenarien wünschenswert, denn Burn-Out und ein Konkurrenzkampf innerhalb des Teams sind vorprogrammiert.

Gerade die Unsicherheit, wie viele Urlaubstage okay sind, führt dazu, dass Mitarbeiter zögern, Urlaub zu nehmen, weil sie nicht derjenige im Team sein wollen, der den meisten Urlaub nimmt. Oder, wie Matthias Meyer sagt:

It’s a race to the bottom instead of a race towards a well rested and happy team.

Genauso sorgt dies dafür, dass einige Mitarbeiter den Urlaub als Privileg ansehen und im Glauben, dass das Projekt ohne die eigene Mitarbeit nicht weiterläuft, auf den wohlverdienten Urlaub verzichten. Dementsprechend entscheiden sich viele Mitarbeiter auch dafür, während des Urlaubs abrufbereit zu sein, anstatt die freien Tage zur Erholung und zum Abschalten zu nutzen. Im Umkehrschluss führt dies dazu, dass auch andere Teammitglieder das Gefühl haben, während ihrer Abwesenheit erreichbar sein zu müssen – eine ungesunde Work-Life-Balance ist meist die Folge.

Nun ist diese Offene-Urlaubs-Policy in Deutschland eher weniger verbreitet, und die meisten dürften Arbeitsverträge kennen, in denen der Urlaubsanspruch genau festgelegt ist. Allerdings gibt es auch da Ausnahmen, gerade in der Start-Up-Szene im IT-Bereich – immerhin geht es hier oft darum, das Unternehmen und die Projekte überhaupt erstmal am entsprechenden Markt zu etablieren. Dementsprechend wird dort oft mit einer Offenen-Urlaubs-Policy geworben und der Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben hintenangestellt.

Problemlösung: Mindesturlaubs-Policy

Wie aber lässt sich das Problem lösen? Zum einen sollten die Teamleiter und Manager auch in der Urlaubsfrage ein gutes Vorbild sein. Wenn es eine Offene-Urlaubs-Policy gibt, sollte sie von allen – auch den Chefs – eingehalten und nicht einfach auf den Urlaub verzichtet werden. Genauso kann das Einführen einer Mindesturlaubszeit dazu dienen, dem gesamten Team zu ihrem verdienten Urlaub zu verhelfen.

Natürlich ist damit mehr Aufwand verbunden, immerhin müssen die Urlaubstage der einzelnen Mitarbeiter dokumentiert werden. Am Ende dürfte sich dies jedoch lohnen, denn:

Your job as a company isn’t to coerce your people into taking as little time off as possible, it’s to make sure they have a good balance between work and life.

Aufmacherbild: work and life balance of your choice von Shutterstock / Urheberrecht: viviamo

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