Über IT-Dinosaurier und deren Nachfolger

Agilität auf allen Ebenen: Bausteine für eine 'Next Generation IT'
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Nichts Geringeres als eine „Next Generation IT“ steht im Zentrum der Business Technology Days 2014 (3. bis 6.11. in München). Wie die nächste Generation von IT aussehen könnte, und warum innovationsferne Unternehmen Gefahr laufen, bald das traurige Schicksal der Dinosaurier zu teilen, haben wir mit Program Chair Sebastian Meyen besprochen.

 

Die Business Technology Days sind von der Idee einer „Next Generation IT“ inspiriert – einer IT, die als innovationstreibende Kraft zentral für den Erfolg eines Unternehmens ist. Was ist die Gefahr, wenn man die IT weiterhin als reinen Dienstleister und Kostenfaktor begreift?

Sebastian Meyen: Die kurze Antwort lautet: Es besteht das Risiko, dass die klassische Unternehmens-IT eines Tages das Schicksal der Dinosaurier erleidet – zu groß, zu schwerfällig, nicht für die neuen Herausforderungen gewappnet. Was auf die Dinosaurier folgte, waren Populationen kleinerer, wendigerer Tierchen mit deutlich höherer Anpassungsleistung.

Auf die IT übertragen bedeutet das: von den modernen Internet-Firmen lernen. Studiert man zum Beispiel die Arbeitsweisen von Google, Amazon, Netflix oder auch SoundCloud, kann man feststellen, dass mit erheblich geringeren Ressourcen erheblich mehr erreicht wird.

Ein weiteres Phänomen, das zu beachten ist, ist die rapide und ständige Veränderung aller Märkte – Beispiele: ein Computerhersteller (Apple) hat die Mobilfunkbranche aufgemischt; ein kalifornisches Startup (Tesla) führt eine uralte Industrie, nämlich die weltweite Automobilbranche, vor; Amazon krempelt den Einzelhandel und mit dazu die Verlagswelt und die IT-Branche um. Dabei sind es immer die hocheffizient und strikt digital ausgerichteten Unternehmen, die zu solchen Angriffen auf ganze Branchen in der Lage sind. Wer nicht auf eine hochoptimierte, agile und sich selbst ständig hinterfragende IT setzt, wie diese, geht angesichts der beschriebenen Entwicklungen ein hohes Risiko ein.

 BT DaysDie Business Technology Days 2014 finden vom 3. bis 6. November parallel zur W-JAX 2014 in München statt. Tipp: Bis nächsten Donnerstag, 19. Juni, profitieren Sie für beide Konferenzen noch von den Frühbucherrabatten. Infos unter http://btdays.de/2014/ bzw. www.jax.de

Kannst du skizzieren, welchen Prinzipien eine solche neue IT verpflichtet ist?

Sebastian Meyen: Agilität auf allen Ebenen. Das ist das, was uns diese genannten Internet-Unternehmen vorleben. Beispiele: Arbeiten in kleinen, am besten cross-funktionalen Teams. Einsatz moderner Werkzeuge für ein Höchstmaß an Automatisierung bei gleichzeitiger Wahrung von Flexibilität. Fokussierung auf die Produktentwicklung statt auf Projekte – denn das impliziert eine langfristige Verantwortung für eine Software seitens des Entwicklerteams, ganz im Sinne von DevOps. Einbeziehen der Entwickler in den Business Development Prozess – für eine optimale Produktentwicklung.

Mit dem letzten Punkt berühren wir eine zweite sehr wichtige Sphäre: Unternehmen sollten prüfen, ob sich agile Prinzipien nicht auch vom Marketing übernehmen lassen, von Sales, in der Geschäftsleitung, und so weiter. Das ist gemeint mit „Agilität auf allen Ebenen“.

Wenn agile Verfahren dazu taugen, Softareentwicklungsprozesse zu organisieren, die nach herkömmlichen Kriterien praktisch unplanbar sind, dann gilt das ganz offensichtlich auch für das Geschäftsleben. Bis zu welchem Grade ist das Business in der digitalen Sphäre noch langfristig planbar? Man sieht, die Erkenntnisse der Softwareentwicklung eignen sich gut als Leitfaden für die moderne Businessentwicklung.

Wir müssen uns daran gewöhnen, „auf Sicht zu fahren“.

Stichwort „Lean Innovation“ – was ist damit gemeint? Wie unterscheidet sich „Lean Innovation“ von herkömmlichen Innovationsstrategien in Unternehmen?

Sebastian Meyen: In einem Umfeld, in dem langfristige Planung immer schwieriger wird, müssen wir uns daran gewöhnen, „auf Sicht zu fahren“. Kurzfristiges Umsteuern sollte von vornherein eingeplant und als eine Selbstverständlichkeit angesehen werden. Es ist keine Schande mehr, seine Pläne zu ändern, sondern eine Tugend; vorausgesetzt, die gesamte Organisation bleibt dabei zielstrebig.

Eine wichtige Erkenntnisquelle sind dabei immer Zahlen und Metriken, und damit verbunden ausführliche Tests. Wie verhält sich dein User, wie verhält sich dein System?

Das berühmte Buch von Eric Ries „The Lean Startup“ hat dazu wichtige Impulse gegeben. Sicherlich sind nicht alle Vorschläge direkt anwendbar, aber die Ideen sollten jeden, der sich mit Produktentwicklung beschäftigt, inspirieren.

Wie spiegelt sich diese „Next Generation IT“ im Programm der Business Technology Days wider?

Sebastian Meyen: Die Vorträge der Business Technology Days sind gemacht für „IT Leader“ – damit meinen wir klassische Führungskräfte ebenso wie andere Leute, die willens oder in der Lage sind, „etwas in ihrem Unternehmen zu bewegen“. Ich denke tatsächlich, dass ein wichtiger Faktor darin besteht, dass digitale Transformation nicht immer nur „von oben“ verordnet werden kann oder sollte, sondern auch von unterschiedlichen Stakeholdern innerhalb einer Organisation.

So gibt es Speaker aus Unternehmen, die auf die verschärften digitalen Anforderungen mit besonders schlagkräftigen agilen Entwicklungsteams antworten und die das agile Denken jetzt in die übrigen Bereiche tragen. Es wird Vorträge geben, die sich bei bekannten europäischen Marken mit den organisatorischen Auswirkungen konsequenter Continuous Delivery Methoden beschäftigen, mit dynamischen „DevOps-Kulturen“, mit Design Thinking und vielem anderen mehr.

Das Markenzeichen der Business Technology Days ist aber ihr konsequenter und konkreter Praxisbezug. Darauf legen wir besonderen Wert. Denn auch Führungskräfte und Manager haben ein Recht darauf, nicht mit theoretischen Abhandlungen abgespeist zu werden, sondern verdienen ehrliche Informationen – aus der Praxis, für die Praxis.

Wir sind mit einer Reihe sehr interessanter Speaker im Gespräch und werden schon demänchst mehr verkünden können.

 Sebastian Meyen verantwortet als Chief Content Officer den Geschäftsbereich Magazine und Konferenzen bei Software & Support Media. Als Journalist begleitet er die IT-Industrie bereits seit über fünfzehn Jahren und hat zahlreiche Einblicke in die unterschiedlichen Technologiebereiche. Er beschäftigt sich mit dem Aufspüren neuer Trends in Technologie und Medien und interessiert sich dabei immer auch für die pragmatischen Erfolgsfaktoren: Technologien, Werkzeuge und Methoden, durch die Entwicklungsteams noch bessere Ergebnisse erzielen können. Bevor er zu Software & Support Media kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.

Aufmacherbild: next generation latest model von Shutterstock / Urheberrecht: Dirk Ercken

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