Algorithmen und Datenstrukturen
Kommentare

Algorithmen und Datenstrukturen – dies gehört (hoffentlich) zum Grundwissen eines jeden Informatikers. Und so gibt es zu diesem Thema Bücher wie Sand am Meer. Was, so fragen die Autoren, könne denn ein so gewichtiger Grund sein, ein weiteres Buch zu dieser Thematik zu schreiben? Der scheinbar naheliegende Grund, dass Professoren in ihren Vorlesungen gerne die eigenen Werke einsetzen, wird von den Autoren Karsten Weicker und Nicole Weicker nicht als mögliche Antwort zu Protokoll gegeben. Ihre Motivation sei vielmehr, einen ungewöhnlichen, praxisbezogenen Ansatz zu schaffen, der einen anderen Zugang zum Thema erlaube.

Und so schaffen sie eine Rahmenhandlung zum Buch: eine Programmiererin, die auf der Suche nach Lösungen von einfachen Ansätzen zu komplexen gelangt. Dabei geht es um einige grundlegende Problematiken, insbesondere Menge, Sortierung, kürzeste Wege, Rundreise und Flussproblem. Dabei bieten die Autoren nicht zu jedem Thema die passenden Algorithmen und Datenstrukturen, sondern kreisen eher spiralförmig um die Probleme, fangen mit einfachen bis naiven Algorithmen für Problemstellungen an und kommen später mit fortschrittlicheren, aber auch komplexeren Algorithmen nebst den erforderlichen Datenstrukturen immer wieder zu einzelnen Problemen zurück.

Auch wenn die Autoren ihre Protagonistin als Praktikerin beschreiben, die mit wenig Informatikkenntnissen in den Beruf eingestiegen ist, so stellen sie die Algorithmen nicht nur aus praktischer Sicht verbunden mit Beispielen in „bekanntem“ Pseudocode (nach Wirth) oder einer gängigen Programmiersprache dar. Vielmehr nutzen sie zur Darstellung einen eigenen Pseudocode, der zwar auch ohne die dedizierte Erläuterung im Anhang verständlich ist, dennoch erst einmal verstanden werden will. Insbesondere, weil die Darstellung von Zuweisungen und Variablennamen (el, el‘, el“) eher mathematisch denn programmiersprachlich gestaltet ist. Der Pseudocode kommt – wie leider allzu oft – in reinstem Denglisch daher: englische Schlüsselbegriffe gemischt mit deutscher Benennung. Zu viele Studierende lernen dies so und müssen sich später oftmals mühevoll angewöhnen, englische Schlüsselbegriffe konsistent mit englischer Benennung zu nutzen.

Auf die Darstellung der Algorithmen folgen häufig die passenden Beweise. Das bietet fundiertes theoretisches Wissen, ist für reine Praktiker jedoch stellenweise dröge zu lesen. Für diese gibt es andere Bücher, die die praxisnahe Anwendung der Algorithmen ausführlicher beschreiben und die Beweise eher in den Hintergrund drängen. Die tatsächliche Zielgruppe dürfte sich daher mehr oder weniger deutlich von der Protagonistin unterscheiden: Das Buch ist primär für Studierende der Informatik geeignet. Oder für Menschen, die ihre Programmierpraxis mit ausgeprägtem theoretischen Hintergrund verbinden möchten.

Beleuchtet man das Buch unter dem Gesichtspunkt dieser Zielgruppe, so ist der Ansatz, die einzelnen Problemfelder nicht nacheinander abzuhandeln, sondern immer wieder darauf zurückzukommen – sei es mit mehr Struktur, mit Teile-und-Herrsche-Ansätzen, mit gierigen Algorithmen – durchaus reizvoll und trägt das Seine zum Verständnis bei. Insgesamt bietet das Buch einen durchaus soliden Überblick über grundlegende Algorithmen und Datenstrukturen.

 

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -