Interview mit Tim Roes

Android versus iOS – was Entwicklern Spaß macht!
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Eine Mobile-App kommt selten allein – und zwar typischerweise in Form einer iOS- und einer Android-Version. Mobile-Entwickler stehen deshalb vor der Situation, beide Systeme kennen zu müssen bzw. Apps von der einen Plattform auf die andere zu übertragen. Auf der MobileTech Conference (17. bis 20. März in München) beschreibt Tim Roes den typischen Weg einer Mobile-App, der immer noch vorwiegend von iOS nach Android verläuft. Welche Unterschiede zwischen den beiden Plattformen gilt es zu beachten? Wo liegen die Fallstricke? Wie helfen Cross-Plattform-Frameworks weiter?

Der vorherrschende Weg vieler Mobile-Apps ist noch immer von iOS zu Android. Weshalb ist das so?

Tim Roes: Das erste iPhone erschien im Juni 2007 und damit etwas mehr als ein Jahr vor dem ersten Android-Gerät. In der Anfangszeit war das iPhone den damaligen Androidgeräten jedoch in vielerlei Hinsicht überlegen.

Somit hat iOS einen gewissen zeitlichen Vorsprung, und viele Entwickler, die in den mobilen Markt einsteigen wollten, haben in der Anfangszeit auf das reifere System gesetzt. Viele dieser Entwickler, welche heute beide Betriebsysteme abdecken wollen, entwickeln immer noch zuerst für das für sie vertrautere System, was somit oft iOS ist, und portieren Anwendungen anschließend auf Android.

Ein anderer Punkt, welcher häufig erwähnt wird, sind die besseren Verdienstmöglichkeiten unter iOS. Hier gibt es einige Studien, die zeigen, dass man mit Apps unter iOS nach wie vor besser verdienen kann als unter Android. Jedoch gibt es auch Entwickler, welche genau den umgekehrten Effekt beobachten konnten.

Ich denke, das hängt stark von der Zielgruppe der App und dem investierten Aufwand ab. Oft werden solche finanziellen Entscheidungen mit recht hoher Priorität behandelt und somit durch die Vielzahl der Studien zuerst für iOS entwickelt.

Wo liegen – außer der offensichtlichen Sprachgrenze zwischen Objective-C und Java – die Hauptunterschiede zwischen iOS und Android Entwicklung?

Tim Roes: Der zweite offensichtliche Punkt ist natürlich auch, dass ich bei Android die freie Wahl des Betriebsystems habe, mit dem ich entwickeln will. Daneben gibt es aber natürlich auch noch eine Reihe weiterer Unterschiede, von denen ich mal die zwei meiner Meinung nach wichtigsten raussuche.

Android ist ein sehr viel offeneres System als iOS. Dies zeigt sich nicht nur darin, dass der Android-Quellcode als Open Source zur Verfügung steht (oder die oben erwähnte freie Wahl des Entwicklungssystemes), sondern auch durch die Community-Bemühungen der Android-Entwickler. Neben den regelmäßigen Podcasts aus diversen Bereichen (wie Usability, Android-Design, Entwicklung) bei YouTube findet man auf Google+ sehr schnell Kontakt zu anderen Entwicklern und vor allem direkt zu Kernentwicklern von Android. Ein Dialog direkt mit verantwortlichen Entwicklern und Hilfe aus erster Hand ist somit recht problemlos möglich.

Dafür hat iOS eine sehr viel geringere Fragmentierung. Es gibt eine fest überschaubare Anzahl an Geräten mit erwartungskonformen Verhalten. Unter Android ist es quasi unmöglich, für jedes Gerät zu testen – Google Play kennt momentan ca. 5300 verschiedene Geräte. Dass Entwickler und Designer hier mehr Zeit investieren müssen, um saubere Konzepte zu erstellen und an möglichst viele Eventualitäten zu denken, liegt auf der Hand.

Was hältst du von Cross-Plattform-Entwicklung mit Frameworks wie PhoneGap oder Sencha Touch?

Tim Roes: Es gibt für alles einen Anwendungsfall. Wenn man seine Webpräsenz mit möglichst wenig Aufwand um eine mobile Präsentation erweitern will, sind solche Frameworks sicher eine Lösung. Um profesionelle Anwendungen zu schaffen, die Kunden und vor allem Endbenutzer zufriedenstellen, sind sie meiner Meinung nach nicht geeignet. Die oft in solchem Zusammenhang erwähnten Geschwindigkeitsprobleme würde ich dabei nicht mal als das Hauptproblem sehen. Die Frameworks, welche ich bisher in Projekten verwendet habe (PhoneGap bzw. Cordova und Sencha Touch), haben alle noch nicht die nötige Softwarereife und bieten nicht ausreichend technische Möglichkeiten (als ein Beispiel: die Verarbeitung von Daten im Hintergrund). Leider habe ich oft Firmen gesehen, welche sich von solchen Frameworks eine schnellere Entwicklung erhoffen und anschließend über die mangelnde Qualität enttäuscht sind, was der ausschlaggebende Grund für meinen Vortrag auf der MTC ist.

Was sollte Apple deiner Meinung nach dringend ändern, um die Entwicklung für iOS zu erleichtern?

Tim Roes: Neben den oben angesprochenen Community-Bemühungen würde ich mich bei iOS über ein verbessertes Tooling freuen. Die Werkzeuge zur iOS-Entwicklung sind verglichen mit denen unter Android stark verbesserungswürdig.

Ein paar Beispiele sind der schwache Refactoringsupport oder fehlende Tools für z.B. automatisches Skalieren benötigter Grafiken.

Und was wünscht du dir aus Entwicklersicht bei Android?

Tim Roes: Bei Android würde ich mir – auch aus Benutzersicht – ein verbessertes Rechtesystem wünschen. Momentan heißt es, entweder ich finde mich mit jeder Berechtigung ab, die eine Anwendung habenwill, oder ich installiere sie nicht. Ich würde dem Benutzer gerne die Wahl geben, welche Berechtigungen er geben will und somit nur entsprechende Features in der Anwendung zur Verfügung stellen. Damit könnte ich dem Benutzer mehr Freiheiten geben, was sich momentan nur über das Bereitstellen verschiedener Anwendungen lösen lässt.

Und da du ja beides kennst: Was macht dir mehr Spaß – Android- oder iOS-Entwicklung?

Tim Roes: Android!

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Tim Roes arbeitet als Anwendungsentwickler für die inovex GmbH am Standort Karlsruhe. Seine Schwerpunkte sind die Entwicklung von mobilen Anwendungen sowie modernen Webanwendungen mit Java, HTML5 und JavaScript. Zu seinen Interessen zählen außerdem die Bereiche User Interfaces, User Experience und die Entwicklung und Mitarbeit an Open-Source-Projekten. Sessions auf der Mobile Tech Conference 2014 (17. bis 20. März): Von iOS zu Android – der Weg eines App-Designs Der vorherrschende Weg vieler Mobile-Apps ist noch immer von iOS zu Android. Anhand eines Beispiels sollen die Möglichkeiten und Fallstricke der Transformation einer nativen App von iOS zu Android im Hinblick auf Struktur, Design und Navigation aufgezeigt werden.

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