Die Konzepte hinter AngularJS 2.0 fordern ein erstes Opfer

AngularJS-Core-Entwickler gibt auf
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Als das Team hinter dem JavaScript-Framework AngularJS 2.0 auf der ng-europe Ende Oktober ihre Vision des – dem Anschein nach drastisch veränderten – Frameworks präsentierten, war die Ratlosigkeit in der Community groß. Viele der in Angular 1.x eingeführten Konzepte wurden über Bord geworfen, was einem nicht unerheblichen Cut gleichkam.

Jetzt verlässt einer der Core-Entwickler das Team; offenbar aus persönlichen Gründen ebenso wie aus Unbehagen über die Entwicklung, die AngularJS 2.0 durchläuft. Dabei handelt es sich um keinen geringeren als Rob Eisenberg, der vor kurzem noch mit einem mehr als ausführlichen Artikel wichtige Design-Entscheidungen in AngularJS 2 erklären wollte.

Core-Entwickler zieht sich zurück

Wie bereits erwähnt, kam es nach der Sneak Preview von AngularJS 2.0 auf der ng-europe Ende Oktober zu einigem Unbehagen in der Angular-Community.

Rob Eisenberg, der einem Teil der Community vor allem wegen seines Single Page Application Frameworks Durandal bekannt sein dürfte, versuchte sich noch Anfang November daran, der Community einen Einblick in die neuen Konzepte – und die Design-Entscheidungen dahinter – zu vermitteln. All About Angular 2.0 war dabei weder leichte Kost noch eine Lektüre, die man in kurzer Zeit hätte überfliegen können; allerdings wurde darin bereits deutlich, dass Eisenberg sich mit vielen Entscheidungen nicht identifizieren konnte.

Jetzt hat er einen Schlussstrich gezogen und seinen Rücktritt aus dem AngularJS-2-Team erklärt.

Begründeter Abschied

Seinen Abschied begründet er in seinem Blogpost Leaving Angular wie folgt:

Several months ago the general direction of Angular 2.0 began to change in critical ways. I found myself fundamentally at odds with certain aspects of the proposed design. Still, I tried to keep an open mind and explore the various possibilities. Unfortunately, I haven’t been satisfied with how things have progressed since then. At this point, there are too many irreconcilable differences.

Wichtig ist es ihm jedoch zu betonen, dass AngularJS 2.0 keinesfalls ein schlechtes Framework werden würde – es habe sich nur in eine andere als die ursprünglich geplante Richtung entwickelt.

Ursprünglich war er vor zehn Monaten aufgrund seines Prototypen des Next-Generation-SPA-Frameworks eingestellt worden. Doch während die Ziele und Vorstellungen in den ersten Monaten seiner Arbeit im Angular-2-Team noch mit seinen Vorstellungen und Zielen konform gingen, hatte sich das in der letzten Zeit grundlegend geändert.

Die AngularJS-Situation

AngularJS zählt in seiner aktuellen Version 1.3 zu einem der beliebtesten JavaScript-Frameworks überhaupt. Vor allem im Enterprise-Umfeld findet es durch seine integrierten Unit-Testing-Funktionalitäten und die Möglichkeiten der tief im Core verankerten Dependency-Injection-Features zahlreiche Anhänger.

Dabei ist das Framework, das für viele als erstes JavaScript-Framework für richtiges Frontend-Engineering gilt, nicht frei von Kritik: Das Dynamic Scoping und die auf dem Namen des Parameters basierende Dependency Injection sind nur einige der schlechten Ideen, die AngularJS innewohnen. Hinzu kommt, dass Konzepte wie das Data Binding in den Händen unerfahrener Entwickler schnell zu Performance-Killern verkommen können.

Eisenberg hatte gehofft, die Konzepte seines eigenen Frameworks in AngularJS 2.0 unterbringen zu können:

When I started out down this path I felt that sacrificing Durandal’s independence as a framework would be worth it if Angular 2.0 could adopt its good ideas and bring them to a wider audience.

Diese Hoffnung allerdings sei im Nachhinein betrachtet naiv gewesen. Deswegen möchte er sich jetzt wieder Durandal widmen und seine eigenen Vorstellungen eines „Next Generation SPA Frameworks“ verwirklichen.

Die Kommentare unter seinem Post zeigen, dass er viele Anhänger um sich geschart hat, die ihm bei seinem Weg zurück die Treue halten werden.

Ob seine Visionen aus AngularJS 2 ein besseres Framework gemacht hätten, werden wir wohl nie erfahren. Auch nicht, ob es nun verletzter Stolz war, der ihn zum Verlassen des Teams geführt haben – oder doch eine tief sitzende, innere Überzeugung. Die Zeit wird nun zeigen müssen, ob er mit seiner Nachfolge-Version von Durandal ein zugänglicheres Framework schaffen kann als das Team von Google.

Aufmacherbild: old typewriter with text good bye von Shutterstock / Urheberrecht: Juan R. Velasco

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