BASTA! Countdown

App-Entwicklung unterwegs per Fingerzeig: Touch Develop für Windows Phone
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Auf dem Phone für das Phone entwickeln, diese Idee steckt hinter Touch Develop, einem Projekt von Microsoft Research. Auf der BASTA! 2013 wird Christian Jacob (Top Technologies Consulting GmbH) diese Technologie vorstellen – wir sprachen bereits im Vorfeld mit ihm.

Windows Developer: Herr Jacob, auf der BASTA! 2013 halten Sie eine Session zu Touch Develop, die mit dem Versprechen „Entwicklung direkt auf dem Windows Phone“ das Interesse weckt. Klären Sie uns doch kurz auf, was genau hinter dem von Ihnen präsentierten Projekt steckt.

Christian Jacob: Microsoft hat uns die letzten Jahre über immer wieder mit neuen Möglichkeiten begeistert, mit denen sich noch ein bisschen einfacher Visionen in Lösungen transformieren ließen. Diese Strategie („Developers, Developers, Developers, Developers“) brachte u.a. zahlreiche Generatoren für Code und Oberflächendesign, Assistenten und immer ausgefeiltere Frameworks hervor. Daher war es nur logisch, dass Microsoft irgendwann auch ein Konzept anbietet, mobil auf kleinsten Devices Software zu entwickeln. Touch Develop ist das Ergebnis jahrelanger Forschung durch Microsoft Research und hat sich das heroische Ziel gesetzt, eine einfach zu bedienende Entwicklungsumgebung buchstäblich überall zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet im Klartext: Es ist unerheblich, ob Sie Touch Develop auf dem Windows Phone, einem Tablet, Ihrem PC oder dem Notebook benutzen. Als mittlerweile native HTML5-Anwendung steht Touch Develop auf allen Formfaktoren zur Verfügung – eine aktuelle Browsertechnologie natürlich vorausgesetzt.

Windows Developer: Ist die App-Entwicklung auf dem Smartphone nicht sehr mühsam? Was hat Touch Develop aufzubieten, um beispielsweise das mühsame Tippen auf der Touch-Tastatur zu erleichtern?

Christian Jacob: Das „Touch“ im Namen macht den Unterschied. Die Oberfläche von Touch Develop wurde gezielt dafür entwickelt, die Struktur einer Software einfach durch Berührungen des Bildschirms zu bearbeiten. Beispielsweise müssen Sie im Visual Studio die Namen von Variablen immer wieder in Ihre Tastatur eingeben. In Touch Develop gibt es stattdessen kontextabhängige Kacheln, die verfügbare Variablen einfach kennen. Tippen Sie die jeweilige Kachel einfach an und schon wird die Variable im Programm benutzt. Gleichzeitig ändert sich der Kontext und die Kacheln bieten alle Möglichkeiten an, die Sie mit dieser Variablen haben. Handelt es sich beispielsweise um eine Variable vom Typ Web, so könnte das eine Funktion „Download“ sein, um den Inhalt einer Website herunterzuladen, oder auch eine Funktion „Feed“, die einen RSS Feed versteht und die einzelnen Einträge direkt als eine Message Collection zurückgibt. Dadurch, dass an jeder Stelle die Hilfe direkt integriert ist, findet man sich auch sehr schnell zurecht. Die Entwicklung ist daher alles andere als mühsam. Nicht zuletzt aber auch dadurch, dass man seine Skripte auch nahtlos auf z.B. seinem Surface weiterbearbeiten kann oder dem Notebook.

Windows Developer: Braucht man dank Touch Develop wirklich nichts weiter als ein Smartphone, um Apps zu entwickeln?

Christian Jacob: Eine zuverlässige Internetverbindung ist ebenfalls Voraussetzung. Es gab vor kurzem einen Versionssprung von 2.x auf 3.0. Dabei hatten die Entwickler von Microsoft Research hauptsächlich die Harmonisierung der unterschiedlichen Plattformen als Ziel. Zugegeben, es sind auch unzählige Features hinzugekommen, aber leider auch einige gestrichen worden. Das hatte zur Folge, dass aus der zuvor nativen Windows Phone App eine auf HTML5 basierende Anwendung wurde, die an vielen Stellen einfach eine Internetverbindung benötigt, um zu funktionieren. Der Vorteil liegt aber auf der Hand: Die User Experience ist auf allen Geräten weitestgehend identisch. Darüber hinaus: Nein. Sie benötigen nichts weiter als das. Fertige Skripte können sogar direkt aus Touch Develop heraus in einem integrierten „Market Place“ bereitgestellt und somit von allen Benutzern, die Touch Develop installiert haben, heruntergeladen und ausgeführt werden. Was die Sache aber wesentlich spannender macht, ist, dass Sie Ihre Skripte sogar exportieren können. So ist es möglich, daraus HTML5-Seiten zu generieren, oder – am langen Ende – die Skripte sogar als native Windows Phone oder Windows 8 Apps in die jeweiligen Stores zu bringen. Dann benötigt der Endanwender nicht einmal mehr Touch Develop, sondern kann die Apps einfach so installieren und benutzen.

Windows Developer: Würden Sie Entwicklern empfehlen, komplett auf Technologien wie Touch Develop umzusteigen oder handelt es sich hierbei nur um eine nette Spielerei für unterwegs?

Christian Jacob: Ich persönlich glaube, dass die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt und noch weit mehr möglich ist, als bisher umgesetzt wurde. Mithilfe von Touch Develop lassen sich Ideen sehr schnell umsetzen, der Entwickler ist darüber hinaus frei in der Wahl der Umgebung und kann über die verschiedenen Stores sogar eine große Verbreitung seiner Skripte erreichen. Allerdings steht Touch Develop damit überhaupt nicht in Konkurrenz zur klassischen Anwendungsentwicklung. Es ist nun einmal die Natur der Sache, dass eine auf Touch optimierte Entwicklungsumgebung nicht ohne Einschränkungen daherkommen kann, denn ansonsten wäre sie sehr schnell überfrachtet. Auf der anderen Seite wiederum ist es tatsächlich sogar möglich, Bibliotheken für Touch Develop zu entwickeln, um so den Funktionsumfang zu erweitern. Der Zugriff auf die Sensoren der jeweiligen Geräte rundet die Möglichkeiten schließlich ab, daher würde es mich nicht wundern, in Zukunft immer mehr und spannenderen Apps zu begegnen, die ihren Ursprung in Touch Develop haben. Verstehen Sie Touch Develop eher als eine konkurrenzlose, zusätzliche Möglichkeit, Ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Windows Developer: Wie schätzen Sie das Potential solcher Entwickler-Apps ein, besonders in Hinblick auf die vermeintliche Post-PC-Ära? Wird die Softwareentwicklung weiterhin vornehmlich auf dem Desktop stattfinden oder deutet sich hier ein neuer Trend an?

Christian Jacob: Der Trend deutet sich nicht an, er ist aus meiner Sicht längst da. Nur muss man zwischen den verschiedenen Zielgruppen differenzieren. Es gab schon immer die Möglichkeit, Anwendungen und auch Spiele nach dem Baukastensystem zu entwickeln. Microsoft selbst hat sogar eine Software veröffentlicht, mit der sich das Verhalten von Robotern visuell definieren lässt (um das Wort „programmieren“ nicht überzustrapazieren). Nichtsdestotrotz wird es auch immer komplexe Anforderungen geben, die sich nur mit speziellen Technologien oder auch stark kontextbezogener Softwareentwicklung abbilden lassen. Insofern bin ich sicher, dass mit Produkten wie Touch Develop zunächst einmal die Einstiegshürde für die kommende Generation von Softwareentwicklern ein wenig niedriger geworden ist und alle anderen eine Möglichkeit finden werden, ihre Profession auch mal auf anderen Geräten einzusetzen und letzten Endes auch eine andere Zielgruppe zu bedienen.

Windows Developer: Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns auf der BASTA!

© Christian Jacob

Christian Jacob leitet den Geschäftsbereich Softwarearchitektur und -entwicklung bei der TOP TECHNOLOGIES CONSULTING GmbH. Er greift auf zehn Jahre Erfahrung aus Kundenprojekten sowohl im mittelständischen als auch im Enterprise-Segment zurück und konzentriert sich mittlerweile maßgeblich auf .NET-Training und Technologieberatung im Application-Lifecycle-Management-Umfeld.

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