Auch die JVM-Welt horcht auf

Apples Objective-C-Nachfolger Swift: Willkommen im 21. Jahrhundert
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Apple „begräbt“ Objective-C und betritt mit der neuen Programmiersprache Swift das 21. Jahrhundert. Das ist die Quintessenz der gestrigen WWDC-Keynote, zumindest aus Entwicklersicht. Yet another programming language oder tatsächliche Revolution? Ein kleiner Exkurs.

Wenn Apple spricht, dann hört die Entwickler-Welt zu. Immer noch. Gestern war es wieder soweit: zwei Stunden dauerte die Keynote der Apple Worldwide Developers Conference (WWDC) in Cupertino. Für den Endverbraucher weitgehend uninteressant, brachte sie vor allem viele Neuigkeiten für Entwickler. Die Twitterverse implodierte in dem Moment, als Apple seine neue hauseigene Objekt-orientierte Sprache Swift vorstellte: das neue Objective-C ohne C für Cocoa und Cocoa Touch.

Verwechslungsgefahr

Aber Vorsicht: Apple Swift ist nicht zu verwechseln mit Swift, der Scripting-Sprache für die Multicore-Programmierung. Offensichtlich war die Analogie mit dem „flinken Turmschwalben“ (je nachdem wie man „swift“ übersetzen möchte) für Apple wichtiger als die Kollision mit bereits existierenden Sprachen gleichen Namens.

Swift: endlich zeitgemäß

Abgesehen davon kommt Swift aber auf Anhieb gut an. Zu groß ist der Leidensdruck der iOS-Entwickler, die sich die letzten Jahre mit Objective-C herumschlagen mussten. Swift soll Standards implementieren, die in anderen Programmiersprachen schon längst vertreten sind, wie Closures, Generics, Tuples, Nested Functions oder funktionale Programmiermuster. Viele Standards, die uns aus der JVM- und Java-Welt schon vertraut sind (Apropos funktional: morgen erscheint das neue Java Magazin mit Clojure-Schwerpunkt). [Update: Wir wollen Objective-C nicht unrecht tun – Closures sind seit einigen Jahren implementiert. Danke an unseren Leser Markus Möller für den Hinweis!]

Swift kann Objective-C ersetzen, läuft aber auch parallel, damit Entwickler ihre Anwendungen Schritt für Schritt portieren können. Es soll auch dramatisch schneller sein als sein Vorgänger. Im Idealfall erreicht Apple mit Swift eine neue Gruppe von Entwicklern, für die Objective-C bislang eine unüberwindbare Hürde war, und kann so seine Reichweite ausbauen. Bereits wenige Stunden nach der Keynote tauchen die ersten Swift-Repositories auf GitHub auf. Auf Reddit ist die Diskussion über die neue Sprache in vollem Gange. Auch für ausreichend Dokumentation ist bereits gesorgt, es existiert sogar schon ein eBook über Swift im iTunes Store.

Swift inspiriert von Groovy?

Auch die Java-Welt hat sich stante pede mit dem Neuankömmling beschäftigt. Guillaume Laforge findet auf Anhieb Parallelen zur Groovy-Sprache. Beide machen sich das Script-Konzept zu Eigen und beide haben die gleiche Syntax für Listen und Maps. Guillaume gibt in seinem Blog einige schöne Beispiele für den Vergleich zwischen Swift und Groovy. Vielleicht schreibt er bald sogar eine eigene Swift-Anwendung für iOS, meint Guillaume am Ende. „It sounds like a nice and elegant language.“

Apples Walled Garden

Bei aller Euphorie darf man nicht vergessen, dass Apple sich hier nicht in die Karten schauen lässt. Genau wie die Programmiersprachen der anderen Big Player, sei es Googles Dart und Go oder Facebooks Hack ist auch Swift hinter verschlossenen Türen entwickelt worden. Trösten kann man sich aber eventuell mit anderen positiven Neuigkeiten der gestrigen Keynote, wie beispielweise dem Support von WebGL, SPDY und JavaScript Promises in Safari. So oder so hat die Community wieder ein neues Thema, über das sie ausgiebig diskutieren kann.

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