Interview zum .NET Architecture Camp

Apps fordern selbst die .NET-Desktop-Entwicklung heraus
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Christian Weyer und Jörg Neumann gelten als langjährige Experten im Bereich der Softwarearchitektur und .NET-Entwicklung. Im Rahmen des .NET Architecture Camps veranstalten sie einen Workshop mit dem Titel „Flexible Smart-Client-Architekturen für .NET-Desktop-Entwickler“. Wir haben ihnen schon im Vorfeld einige Fragen zur modernen Desktop-Entwicklung gestellt.

Windows Developer: Die Technologiewelt befindet sich im Umschwung und auch im Bereich der Anwendungsarchitekturen gelten neue Anforderungen, wie ihr in eurem Workshop darlegt. Um welche neuen Anforderungen handelt es sich hierbei?

Christian Weyer: Eine der härtesten Anforderungen ist, dass heute und auch künftig nicht mehr nur die klassische Windows-Desktop-Anwendung gefragt ist. Das Ziel von Software-Entscheidern – getrieben vom Endanwender – sind hier auch Windows-Store-Anwendungen, genauso wie Apps auf Fremdplattformen wie iOS oder Android. Daraus ergeben sich prinzipielle Ausrichtungen für eine Basisarchitektur.

Windows Developer: Wie lassen sich diese Anforderungen mit Hilfe von Technologien wie ASP.NET Web API und SignalR erfüllen?

Christian Weyer: Eine mentale Grundidee ist das Schneiden (also Modellieren) von fachlichen Services und das Bereitstellen dieser Services für die konsumierenden Anwendungen. Dabei kommt es auf architekturelle Muster und nicht unbedingt primär auf konkrete Technologien an. Doch irgendwann muss auch man die tollste Architektur auf die Straße bringen – hier können Web APIs mit ASP.NET Web API und Push Services mit ASP.NET SignalR helfen, mit relativ wenig Aufwand die ersonnenen Ideen Realität werden zu lassen – für potentiell jede Art und Ausprägung von Client-Anwendung.

© Software & Support Media

Windows Developer: In eurem Workshop kommen sowohl das „Composite Application“- als auch das MVVM-Pattern zum Einsatz. Was versteht man darunter?

Jörg Neumann: Bei „Composite Applications“ geht es darum, die Anwendungen in fachliche Module zu unterteilen, die von einer generischen Infrastruktur verwaltet werden. Hierbei versucht man, alle Teile möglichst autonom zu entwickeln um Abhängigkeiten zu vermeiden. Das MVVM-Pattern unterstützt die Testbarkeit der Anwendung, da es eine klare Trennung von Oberfläche und Code erzwingt.

Windows Developer: Welche Vorteile bringen diese beiden Patterns?

Jörg Neumann: Der modulare Aufbau hilft vor allem bei der Weiterentwicklung. So können mehrere Entwickler an unterschiedlichen Modulen arbeiten, ohne sich in die Quere zu kommen. Die Isolation der Module bewirkt hierbei, dass Fehler in einem Modul nicht auf andere „abstrahlen“ können. Zudem können alle Teile unabhängig voneinander versioniert werden, was vor allem das Deployment vereinfacht.

Das MVVM-Pattern ermöglicht automatisierte Oberflächentestes, bei dem die Testklassen typische Benutzerinteraktionen simulieren, ohne jedoch direkt auf die Oberflächen zuzugreifen.

Windows Developer: Abseits der bekannten Desktop-Anwendungen existieren ja mittlerweile auch die Windows Store Apps. Inwiefern hat deren Existenz die klassische Entwicklung für den Desktop beeinflusst?

Jörg Neumann: Vor allem bei der Oberflächengestaltung. In Zukunft werden die Grenzen zwischen Geräteklassen und Anwendungsarten zunehmen verschwimmen. So laufen beispielsweise auf allen Windows-8-Pro-Geräten gleichermaßen Store- und Desktop-Apps. Daher müssen auch Desktop-Apps zukünftig per Touch oder Pen bedienbar sein.

Windows Developer: Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zum .NET Architecture Camp gibt’s hier >>

© Jörg Neumann

Jörg Neumann ist Principal Consultant bei der Acando GmbH in Hamburg, Associate bei thinktecture und Microsoft MVP im Bereich Client App Dev. Er entwickelt seit über zehn Jahren Software im Microsoft-Umfeld und berät Firmen im Bereich Client- und Datenbanktechnologien. Sein Wissen vermittelt er regelmäßig in Artikeln, Büchern und als Referent auf Entwicklerkonferenzen. Sie erreichen ihn über www.Acando.de, www.thinktecture.com oder seinen Blog headwriteline.blogspot.com.

© Christian Weyer

Christian Weyer besitzt jahrelange Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung verteilter Anwendungsarchitekturen. Mit seiner Firma thinktecture unterstützen er und seine Kollegen Architekten und Entwickler im Projektumfeld von Windows, .NET, Cloud-, Web- und mobilen Lösungen. Seine pragmatischen Ansichten über Architektur und verteilte Anwendungen werden in der internationalen Community im Rahmen von Konferenzvorträgen, User-Group-Treffen, Podcasts oder Blogeinträgen geschätzt. Viele Kunden haben sich bereits in seine helfenden Hände begeben. Christian Weyer ist u. a. Microsoft Most Valuable Professional (MVP) für Windows Azure [Architecture].

Aufmacherbild: Concept of build new business von Shutterstock / Urheberrecht: alphaspirit

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