Interview mit Tobias Zander und Michael Ryvlin

"Bei JavaScript-Frameworks und -Technologien stehen wir gerade erst am Anfang."
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Das Jahr neigt sich dem Ende und wir blicken zusammen mit Experten aus allen Bereichen der IT zurück: Was waren 2013 die heißen Themen, was wurde Hype und was dürfen wir für 2014 erwarten? Diesmal geben uns Tobias Zander und Michael Ryvlin ihren persönlichen Jahresrückblick und einen Ausblick auf 2014.

PHP Magazin: Was war eurer Meinung nach das heißeste Thema 2013?

Tobias Zander: HipHop hat dieses Jahr definitiv einen riesigen Schub nach vorne bekommen, und man hört an allen Ecken und Enden davon. Gerade im Magento-Umfeld, in dem ich mich bewege, ist das sehr interessant, da wir doch immer wieder noch mit massiven Performanceproblemen zu kämpfen haben, die dadurch wenigstens etwas eingedämmt werden.

Michael Ryvlin: Genau, aber auch als PHP-Entwickler, der sich meistens im Backend aufhält, darf man die Client-Seite nicht außer Acht lassen – und bei den JavaScript-Frameworks und -Tools gab es eine beachtliche Weiterentwicklung. So wurde zum Beispiel AngularJS aktiv von Google unterstützt und weiterentwickelt, und der Ansatz von asm.js fand auch viel Zuspruch und Aufmerksamkeit. Es gab auch eine sehr gute Weiterentwicklung der Test-Frameworks für JacaScript. Es bietet für die weitere Entwicklung der Tools und Frameworks sehr gute Möglichkeiten, die Qualität stets auf einem hohen Niveau zu halten.

PM: … und welches Thema wurde dem Hype nicht gerecht?

Zander: Der TDD-Zug ist für mich inzwischen abgefahren. Es gibt sehr gute Gründe Tests zu schreiben, wer es aber heute nicht macht, wird auch denke ich durch den nächsten Blog-Artikel oder Talk nicht mehr davon überzeugt werden, denn Informationen dazu gibt es mehr als genug. Wobei ich hier selber etwas zwiegespalten bin und gerade in unserem Agentur-Alltag eine volle Testabdeckung nicht immer der pragmatische Ansatz ist, das Problem liegt hier aber an einer anderen Stelle.

Ryvlin: Obwohl Zend Framework 2 bereits Ende 2012 herausgekommen ist, so gab es doch eine große Hoffnung, dass 2013 ein Jahr großer Verbreitung und Verwendung für ZF2 sein soll. Leider war dieses Thema meiner Meinung nach in den Publikationen, auf Konferenzen und auch in der Blogger-Szene deutlich weniger präsent als ursprünglich erhofft.

PM: Was glaubt ihr, welche Technik oder Technologie wurde 2013 besonders unterschätzt?

Ryvlin: Das ganze Thema Qualität fand ich in den Diskussionen und Vorträgen zu Unrecht unterrepräsentiert. Unit Tests und TDD gehört ohne Zweifel mit dazu, es umfasst aber noch weitaus mehr: Technische Dokumentation, Code Reviews, Akzeptanztests, CI, Security Tests – aber auch andere Maßnahmen sind ohne die nötige Aufmerksamkeit geblieben. Gerade bei der aktuellen rasanten Entwicklung ist es beinahe fahrlässig, die Qualität so niedrig zu priorisieren und die Entwicklung neuer Features vor die Qualität des bestehenden Codes zu stellen.

Zander: Da hast du Recht Michael, ich habe mir ja selber das Thema Security etwas auf die Fahne geschrieben, da es dazu meiner Meinung nach in den letzten Jahren zu wenig Informationen gab, zumal es auf der Angreiferseite doch einige neuen Techniken gibt, die auch uns Entwickler dazu zwingen weiter zu denken und auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Eine schöne Ausnahme war hier sicherlich der Web Security Day auf der IPC.

PM: Abschließend natürlich die Frage: Was wird 2014 besonders heiß? Was müssen wir besonders im Auge behalten?

Zander: Auch wenn es dieses Jahr schon ein großes Thema war, denke ich, dass wir bei JavaScript-Frameworks und -Technologien gerade erst am Anfang stehen. Dort erwarte ich noch einiges an Weiterentwicklungen und vorallem auch die regelmäßige produktive Nutzung von Canvas oder sonstigen Erweiterungen, die man aktuell eher noch selten antrifft. Wir haben gerade selber erst mit WebGL in einem Projekt gearbeitet – nicht nur hat es unglaublich Spaß gemacht auch sind die Ergebnisse wirklich beeindruckend.

Ryvlin: Ja, ich sehe auch ein sehr großes Wachstumspotenzial in JavaScript und freue mich sehr auf die Entwicklung in 2014. Aber als Magento-Entwickler habe ich die Hoffnung auch noch nicht verloren, dass Magento 2 doch schon 2014 in einer stabilen Version herauskommt. Dies wird e-Commerce wahrscheinlich nicht revolutionieren, ich sehe es aber als einen großen evolutionären Schritt in die richtige Richtung. Auch die Oro-Plattform von ehemaligen Magento-Entwicklern ist ein sehr interessanter und viel versprechender Ansatz. Wenn hier alles wie erwartet weitergeht, wird sich ein großes lebendiges Ökosystem um Oro-Plattform entwickeln.

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