Im Interview mit Peter Pohmann (dataWeb)

C++ ist einfacher und sicherer geworden – über die Zukunft einer Programmiersprache
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Mit Windows 8, Windows RT und dem neuen COM rückt eine mittlerweile über 30 Jahre alte Programmiersprache wieder in den Fokus. Was das zu bedeuten hat und inwieweit sich C++ im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat, erzählt uns BASTA!-Speaker Peter Pohmann im dot.NET-Interview.

dot.NET: Herr Pohmann, auf der BASTA! 2012 halten Sie eine Session mit dem Titel „C++ heute“. Im Jahre 2012 über eine über 30 Jahre alte Sprache zu berichten, ist doch eher ungewöhnlich. Können Sie uns einige Gründe nennen, aus denen C++ in letzter Zeit wieder verstärkt im Kommen ist?

Peter Pohmann: Zum einen war C++ nie weg. Ich habe gerade erst eine Statistik gesehen, wonach C++ hinter Java die am zweithäufigsten geforderte Programmiersprache in aktuellen Stellenanzeigen ist. Und das war auch die ganzen letzten Jahre so. Es wurde immer viel C++ programmiert, nur nicht mehr soviel davon gesprochen.

Zum anderen gerät die Sprache mit Windows 8, WinRT und dem neuem COM
wieder verstärkt in den Fokus der Windows-Programmierung. Bei neuen Projekten müssen wir uns nach zehn Jahren plötzlich wieder die alte Frage stellen, ob wir mit C# oder C++ arbeiten wollen. Das ist zwar nicht das Thema meiner Session, aber der Grund, warum viele Windows-Entwickler sich wieder mit dem aktuellen Stand von C++ vertraut machen wollen.

dot.NET: Welchen Vorteil haben Programme, die in C++ geschrieben sind?

Peter Pohmann: Einerseits natürlich den Vorteil der höheren Ausführungsgeschwindigkeit. Dieses Argument wird zwar auch oft missbraucht, ist aber ein wichtiger Grund, warum C++ immer bedeutend geblieben ist, gerade auch bei Microsoft-eigenen Entwicklungen. Andere Vorteile sind natürlich die einfachere Kompatilbilität mit bestehenden C++-Programmen, die unübertroffene Mächtigkeit der Sprache, die sehr differenzierte Designs ermöglicht, sowie eine Portierbarkeit auf andere Betriebssysteme, die es in dieser Weise woanders nicht gibt.

dot.NET: Angesicht der Vorteile stellt sich doch die Frage: Wieso hatte man sich in den letzten Jahren überhaupt von C++ entfernt?

Peter Pohmann: C++ ist ganz bestimmt nicht die optimale Programmiersprache für alle Einsatzzwecke, sondern eher der ganz große Hammer, wenn alles andere nicht ausreicht. Meiner Meinung nach wird sich daran in den nächsten Jahren auch nichts ändern. Eine komplexere Programmiersprache als C++ wird wohl nicht mehr entwickelt werden.

Die Entwicklungen der letzten Jahre, also insbesondere C# und die Skriptsprachen, gehen ja eher dahin, durch intelligentere Konzepte die Komplexität von Programmiersprachen zu reduzieren und potentielle Fehlerquellen zu eliminieren.

dot.NET: Inwiefern hat sich C++ weiterentwickelt, um die Standards der Gegenwart zu erfüllen?

Peter Pohmann: Genau darum geht es in meiner Session. C++ hat inzwischen Sprachmerkmale und Standard-Klassen erhalten, mit denen aktuelle Konzepte zur Ereignisbearbeitung, zum Multi-Threading, zur Speicherverwaltung und vielen anderen Themen eleganter und direkter umgesetzt werden können. Dadurch wird der Einsatz von C++ wieder ein Stück einfacher und sicherer.

dot.NET: Ist C++ nun wieder zur Programmiersprache der Zukunft mutiert?

Peter Pohmann: Wie gesagt, C++ ist sicher nicht DIE Programmiersprache der Zukunft. Ich erwarte eher, dass sich die Sprachvielfalt vor allem auf dem Gebiet der spezialisierten Sprachen noch erhöhen wird. Als umfangreichste, performanteste, am besten standardisierte und portabelste Sprache wird es C++ aber noch lange geben und es wird sich sicher auch weiterhin fortentwickeln und an neue Software-Konzepte anpassen. Wie es speziell mit WinRT weitergeht, steht in einem anderen Blog. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Windows-Entwickler die neuen Möglichkeiten annehmen werden.

dot.NET: Vielen Dank für das Interview!

Peter Pohmann arbeitet seit 15 Jahren als Softwareentwickler, Projektleiter, Architekt und Coach sowohl in der eigenen Firma dataWeb GmbH als auch für Kundenprojekte. Sein besonderes Interesse gilt dem Entwurf stabiler und verständlicher Softwarearchitekturen, hauptsächlich im Bereich technischer Software. Seine bevorzugte Entwicklungsumgebung ist seit vielen Jahren Delphi, in der letzten Zeit kam C# hinzu. Als großes und wichtiges Versprechen für die Zukunft der Softwareentwicklung sieht Peter die ALM-Strategie von Borland, also die Integration des gesamten Entwicklungsprozesses von Definition über Entwurf und Implementierung bis hin zu Test und Auslieferung in einem einzigen Werkzeug.
Peter Pohmann auf der BASTA! 2012
  • Session: C++ heute
    20.09.2012 | 14:00 – 15:15 Uhr | Zagrebsaal
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