Cloud-basierte IDEs – Die Zukunft des Developer-Tooling
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Weltweit setzen Entwickler auf traditionelle Entwicklungsumgebungen. Anwendungen werden auf Systemen gecoded, kompiliert und gedebugged, die die jeweilige Entwicklungsumgebung oder das IDE unterstützen. Was Flexibilität und Kollaborationsmöglichkeiten betrifft, muss man bei Desktop- oder OS-spezifischen IDEs allerdings mit gewissen Einschränkungen leben. Doch warum eigentlich? Angesichts schneller Breitbandverbindungen können Web-Dienste heutzutage nahezu alle Aufgaben, die bisher Desktop-Software vorbehalten waren, ebenso zuverlässig erledigen.

Deshalb verlagert sich Softwareentwicklung in den letzten Jahren zunehmend ins Web und in die Cloud. Die ersten Gehversuche im Bereich der Browser- und Cloud-basierten IDEs waren noch vom Versuch geprägt, eine Desktop-Experience nachzuahmen. Schon länger ist man allerdings dazu übergegangen, eine auf die Möglichkeiten des Webs angepasste Arbeitsumgebung anzubieten. Und weil mit der Zeit die Ansprüche der Nutzer gestiegen sind, handelt es sich bei Cloud-basierten IDEs heutzutage in der Regel um umfangreiche Web-Applikationen, sprich voll funktionsfähige Rich-Client-Anwendungen, inklusive eines ansprechenden User Interfaces.

Viele Vorteile

Die Vorteile von Browser- und Cloud-basierten IDEs liegen auf der Hand:

  • Entwickler haben einfachen und schnellen Zugriff auf Code und Bibliotheken.
  • Durch die Verlagerung in die Cloud wird der Arbeitsplatz der Entwickler an einem zentralen Platz in der Cloud angesiedelt: mehrere Entwickler können in Echtzeit an unterschiedlichen Orten an einem Projekt coden, kompilieren oder debuggen.
  • Der Entwickler wird mobil und kann von überall und mit jedem geeigneten Gerät und Browser arbeiten – zuhause, im Büro, im Zug oder im Café. Hauptsache eine Internetverbindung ist vorhanden.
  • Begrenzungen aufgrund von Betriebssystemen werden aufgehoben. Egal ob man beispielsweise einen Mac-, Windows-, Linux-Rechner nutzt: was zählt ist ein moderner Browser.
  • Insbesondere bei der Webentwicklung wird das Testen und Deployen erheblich vereinfacht, weil man in der Lage ist, beim Live-Coding Fehler zu identifizieren.

Der Markt bedient den Bedarf

Von umfangreichen Entwicklungsumgebungen wie Cloud9, CodeAnywhere und Koding über schnelle Experimentier- und Bastel-Werkzeuge wie jsfiddle und JS Bin bis hin zur Eclipse-Entwicklung im Browser mit Orion – auf dem Markt tummeln sich heutzutage zahlreiche Anbieter und Lösungen, die nahezu jeden Bedarf abdecken.

Im Eclipse-Umfeld schickt sich darüber hinaus ein neues Projekt namens Flight an, das Konzept des Cloud-basierten Toolings weiter zu entwickeln und die Lücke zwischen traditioneller und Browser-DIE zu schließen. Die Begründer Martin Lippert und der Orion-Entwickler John Arthorne, beide Mitglieder der Eclipse-Community, sind überzeugt, dass man Desktop-IDEs nicht eins zu eins im Browser abbilden sollte. Allerdings ist es ebenfalls suboptimal, wenn man die Entwicklung einer Cloud-basierten DIE völlig losgelöst von den Desktop-Pendants vorantreibt. So riskiert man den Verlust von wichtigen Funktionalitäten. Mehr zu Projekt Flight können Sie im Beitrag „Neuer Überflieger bei Eclipse? – Projekt Flight eint Desktop und Browser“ bei den Kollegen von jaxenter.de lesen.

Wo sind die Haken?

Potenzielle Showstopper, die gegen die Nutzung Cloud-basierter IDEs sprechen, gibt es kaum. Allerdings existieren diverse Gründe, die in bestimmten Fällen das Offline-Coden in der Desktop-Umgebung sinnvoller und/oder praktikabler erscheinen lassen. Dazu zählen unter anderem Projekte bei denen große Datenmengen transferiert oder bearbeitet werden müssen. Der Browser ist in so einem Fall nicht die beste Lösung.

Der für viele entscheidende Grund ist jedoch der Sicherheitsaspekt. Die Frage wie gut der Online-Code und sensible Daten vor unerlaubten Zugriffen geschützt sind, ist legitim. Auch wenn die Anbieter diesen Aspekt sehr ernst nehmen – eine absolute Sicherheit kann niemand garantieren. Hier muss jeder selbst einschätzen, wie schwer ein Code- oder Datenklau wiegen könnte.

Trotz solche Bedenken sind die Tage des Offline-/Desktop-Codens gezählt. Der Zugriff auf den Code an jedem Ort und die großartigen Möglichkeiten der Echtzeitkollaboration sind nur zwei der zahlreichen Vorteile, weswegen Cloud-basierte IDEs die Effizienz und Transparenz von Software-Lösungen steigern können.

 

Aufmacherbild: Cloud computing concept design Foto via Shutterstock / Urheberrecht: monicaodo

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