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Goedendag, Serverless Architecture Conference 2019

Serverless Architecture Conference 2019 eröffnet: „Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Softwareentwicklung“
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Der Begriff Serverless ist, wie wir alle wissen, irreführend. Server gibt es nach wie vor – auch im Serverless-Paradigma. Doch was genau ist Serverless dann eigentlich? Dieser und weiteren Fragen gehen wir auf der gerade eröffneten Serverless Architecture Conference 2019 auf den Grund. Mit ersten Unklarheiten wurde im Eröffnungspanel mit Nikhil Barthwal, Niko Köbler, Sebastian Meyen, Ory Segal und Christian Weyer aufgeräumt.

Nach über 10 Jahren sind wir zurück in den Niederlanden, und eine passendere Location als das zu dieser Jahreszeit neblige Den Haag hätten wir uns nicht aussuchen können. Das Nordseewetter passt deswegen so gut, weil wir, und die Welt der IT mit uns, noch immer ein wenig im Trüben fischen, wenn es um die Definition von Serverless geht. Eine einheitliche Definition ist auch deswegen so schwierig, weil Serverless für jeden etwas Anderes ist.

Einigkeit, so führte der Programm-Verantwortliche Sebastian Meyen in seiner kurzen Einführungskeynote aus, herrscht aber darüber, dass keinesfalls über Bare-Metal-Server mit all ihren Limitierungen gesprochen wird, wenn von Serverless die Rede ist. Auch virtualisierte Server sind mit dem Begriff nicht gemeint – es geht ja nicht um Virtualisierung, die ebenfalls mit einem Preis kommt und starken Einschränkungen unterliegt, z.B. müssen auch virtuelle Server gemanagt werden.

Worum es bei Serverless wirklich geht

Worum geht es dann wirklich? Nun, grob gesagt geht es um die Cloud, bzw. die unterschiedlichen Möglichkeiten, die uns die Cloud-Anbieter heutzutage eröffnen. Die Serverless Architecture Conference 2019 handelt aber nicht nur von den verschiedenen Cloud-Anbietern und ihren Tools. Es gab zwar eine Zeit, da die Antwort auf die Frage, was Serverless denn eigentlich sei, immer „AWS Lambda“ lautete. Doch dieses Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Jeder Cloud-Anbieter, der etwas auf sich hält, bietet heute die Möglichkeit, Serverless-Architekturen zu bauen.

Auf der Konferenz spielen Themen wie Backend as a Service (BaaS) genauso eine Rolle wie das Container-Universum, bestehend aus Docker, Kubernetes, Knative & Co. Dabei steht meist der Entwickler im Fokus, nicht die Operations/Admin-Seite, auch wenn der neue Ansatz auch für Operator und Admins neue Herausforderungen und Probleme mit sich bringt.

Fakt ist, so das Fazit der kleinen Konferenz-Einführung von Sebastian Meyen, dass der Einsatz von Serverless-Methoden es ermöglicht, nicht alles neu erstellen zu müssen. Entwickler werden nicht mit redundanten Aufgaben belästigt (etwa das 200. Payment-System zu bauen), stattdessen erstellen sie in einer Serverless-Architektur nur diese Services neu, die wirklich noch nicht existieren und „kleben“ dann die verschiedenen Services für die eigene Anwendung zusammen (Stichwort: Glue Code).

Dabei sollte man nicht dem Irrtum aufsitzen, dass das Erstellen einer Backend-Logik etwa obsolet würde. Es wird, so Sebastian Meyen, nur sehr sehr viel leichter. So oder so, das Serverless-Paradigma wird, da sind sich Speaker und Community einig, einen großen Einfluss darauf haben, wie wir in Zukunft Software erstellen werden.

Sebastian Meyen, Niko Köbler, Nikhil Barthwal, Ory Segal, Christian Weyer (v.l.n.r.)

„Die Ära von DevOps ist vorüber“ – wirklich?

Direkt im Anschluss an die Eröffnung folgte die Panel-Diskussion mit Nikhil Barthwal (Google), Niko Köbler (www.n-k.de), Ory Segal (Puresec) und Christian Weyer (Thinktecture). Das erste Thema, das dabei im Fokus stand, drehte sich um die Relevanz von DevOps. Niko Köbler stellte die These auf, dass die Ära von DevOps vorüber sei, was allerdings nicht bedeute, dass DevOps tot sei.

Im Gegenteil, in der Welt von Serverless würden die kulturellen Ideen und Ansätze von DevOps gnadenlos gelebt und umgesetzt. Dem schloss sich auch Nikhil Barthwal an, der bestätigte, dass die Prinzipien, auf denen DevOps basiert, bestehen bleiben. „Serverless hilft dabei, die wahre Bedeutung von DevOps herauszudestillieren. Denn im Zusammenhang von Serverless wird alles, was bei DevOps unwichtig war, abstrahiert“, fasste Ory Segal diesen Punkt zusammen.

NoOps?

Serverless klingt zunächst einmal, als wären Operator und Admins in Zukunft unwichtig, dem widersprachen die Panelisten vehement: Abgesehen vom Fokus auf das Mindset, das die DevOps-Bewegung etablierte und das – so sieht es auch Christian Weyer – nach wie vor wichtig ist, haben Operator schon allein deswegen eine Existenzberechtigung, weil viel mehr Arbeit in Bereiche wie Monitoring gesteckt werden muss.

Auch Nikhil Barthwal mag den Begriff NoOps nicht wirklich, wie er zugab: Es werde maximal die Art und Weise geändert, wie Operator arbeiten, aber die Ops-Seite werde immer existieren und wichtig bleiben. Ory Segal ergänzte dies durch die Aussage, dass Ops allein deswegen niemals aussterben, weil kein Dev sich um irgendwas rund um die Infrastruktur wirklich kümmern will, egal wie diese aussieht oder liegt.

Die Zukunft der Container

Auch die Zukunft von Containern stand in der Diskussion auf dem Prüfstand. Für alle Fans von Docker, Kubernetes und Co. gibt es gute Nachrichten: Die Experten waren sich einig, dass Container für die nächste vorhersehbare Zukunft wichtig bleiben werden. Allerdings gibt Niko Köbler zu bedenken, dass dies für vielleicht nur 5 oder 7 Jahre noch so bleiben wird. Mittelfristig werde sich kein Entwickler mehr dafür interessieren. Denn auch wenn Container noch sehr lange im Einsatz bleiben dürften, so würden sie meist irgendwo unter einer Abstraktionsschicht versteckt werden und einfach „sein“. Wir sollten in Containern eher so etwas wie Bauklötze sehen, aus denen wir ein großes Ganzes zusammensetzen, so Köbler.

Einen interessanten Vergleich zog Ory Segal, der Container mit CPUs und Servern verglich: Auch sie werden weiterhin eingesetzt, aber keiner macht sich wirklich Gedanken darüber, weil sie einfach funktionieren. Ähnlich werde es, stimmte Nikhil Barthwal zu, auch mit Containern ablaufen. Christian Weyer warf an dieser Stelle noch ein, dass Docker, Container und Kubernetes nicht stellvertretend für eine Microservices-Architektur stehen. Diesen Fehler machen offenbar noch viele Entwickler, doch Container und Microservices sind nicht untrennbar miteinander verbunden, sodass man durchaus auch monolithische Anwendungen in Container packen kann oder Microservices ohne Container betreiben kann.

Vendor Lock-in? Im Moment noch uninteressant

Die Angst vor dem Vendor Lock-in macht auch und gerade in Zeiten von Serverless die Runde. Niko Köbler ist der Meinung, dass sich bislang für 99% der Nutzer die Frage nach Multi-Cloud-Strategien und damit nach einem möglichen Lock-in noch gar nicht stellt.

Nikhil Barthwal, als Vertreter von Google wenig überraschend, vertrat die Auffassung, dass ein Lock-in nicht so schlimm sei, sofern die Technologie Zukunft hat. Er gibt aber auch zu, dass jede Einschränkung einen Preis hat. Leicht grundlegender sieht Christian Weyer das Problem, das bereits damit starte, wenn man überhaupt eine Plattform nutze, auf der die eigenen Daten gespeichert werden.

Wann der Einsatz von FaaS Sinn ergibt – und wann nicht

Bezogen auf die Frage, wann Function as a Service als Ansatz nützlich ist, rief Ory Segal noch einmal das grundsätzliche Prinzip von Serverless in Erinnerung. Dieses besagt, dass man sich nicht über die Infrastruktur den Kopf zerbrechen soll. Nikhil Barthwal führte den Gedanken weiter und gab zu bedenken, dass Microservices eher ungeeignet für den Einsatz in sehr stabilen Produkten sind.

Das größte Problem, so Niko Köbler, sei heutzutage die Latenz. Daher würde er dringlichst davon abraten, Serverless für heftige 24/7 Workloads zu verwenden. Überall dort, wo keine Interaktionen mit dem Nutzer stattfinden, sei Serverless aber eine gute Wahl.

Und was ist mit den Entwicklern?

Für Entwickler verändert sich das Leben mit Serverless ebenfalls, nicht nur für Admins oder Operators. Ory Segal ist aber davon überzeugt, dass es nie verkehrt ist, guten Backend-Code schreiben zu können. Er verglich Serverless mit Machine Learning: Nur weil jemand alle Tools und Zugriff auf die Daten hat, kann er noch lange keine relevante Machine Learning Software schreiben. Es ginge vielmehr darum, die Dinge zu einem großen Ganzen zusammenzupacken – womit er den Kreis zur Frage, was Serverless eigentlich ist, schloss.

Christian Weyer fasste die großen Herausforderungen für Entwickler zum Schluss kurz und knackig zusammen. Die wichtigsten Bereiche, mit denen sich Entwickler befassen müssen sind: Quality und Time to Market.

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