Interview mit Robert Douglass - Ein Auszug

„Come for the Code, Stay for the Community“
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Pünktlich zum Umzug in die neuen Büroräume hatten wir einen interessanten Gast in der Redaktion: Robert Douglass von Acquia, dem Unternehmen von Dries Buytaert, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Enterprise-Kunden im Umfeld des Open-Source-CMS Drupal zu beraten. Zwischen Umzugskartons und Bergen von Altpapier haben wir ein wenig Ruhe gefunden, um mit dem charismatischen Wahl-Kölner zu reden und ihm neben Aussagen zur Zukunft von Drupal auch interessante Statements zum Thema PHP zu entlocken.

Robert Douglass

Für Ausgabe 3.2012 (die am 14. März erscheint) hat uns Robert Douglass besucht, sich vorgestellt und von Drupals Zukunft erzählt.

PHP Magazin: Können Sie uns etwas über Ihren Hintergrund sagen und wie Sie zu (Open-Source-)Content-Management-Systemen kamen?

Robert Douglass: Für Open Source bin ich ganz früh schon entflammt. 2002 habe ich Sourceforge.net entdeckt und dabei festgestellt, dass es die Arbeit eines Java-Programmierers wie mir erleichtern kann, die richtige Bibliothek oder das richtige Projekt zu finden. 2003, als ich von JSP-basierter Entwicklung so langsam genug hatte, bin ich auf Drupal gestoßen und bin seither nicht mehr davon abgekommen. Die beiden Dinge, die mich ursprünglich an Drupal interessierten, waren das flexible Taxonomy-System und die Leichtigkeit, mit der man das Kernsystem mithilfe von Hooks und Callbacks beeinflussen kann.

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PM: Aus der Community kommen großartige Beiträge. Sie sind zum Beispiel verantwortlich für das Apache-Solr-Modul und das Memcache-Modul. Wie stark ist die Communitybeteiligung am Drupal Core?

Douglass: Wir haben da noch ein anderes Motto: „Come for the code, stay for the community.“ Das Drupal-Projekt ist die Community. Das ist ein regelrechtes Unterscheidungsmerkmal zwischen uns und vielen anderen Open-Source-Projekten und sicherlich eines zwischen uns und den anderen Web-Content-Management-Systemen im Bereich Enterprise. Für uns ist jede Person, die Drupal herunterlädt, ein potenzieller Contributor, und wir unterstützen jeden dabei, eine eigene Nische innerhalb der Community zu finden. Mit an Bord sind Coder, Tester, Schreiber, Projektmanager, Übersetzer und praktisch jeder, der gewillt ist, dazu zu stoßen. Der Communitygedanke spielt auch im geschäftlichen Ökosystem von Drupal eine Rolle. Die meisten Unternehmen, die sich auf Drupal spezialisieren, stehen gerne als Contributor zur Verfügung und kommunizieren das auch Ihren Kunden. Durch die positive Rückkopplung zwischen den Projekten und den Geschäftskunden, die für die Entwicklung neuer Features aufkommen können, kann Drupal besser auf die Bedürfnisse der Unternehmen eingehen.

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PM: Wenn man einmal in die Zukunft blickt: Es gibt viele Initiativen wie Mobile, Multilingual und HTML5. Wie sehen Drupals Zukunftspläne aus?

Douglass: Sehr vielversprechend. Für den Drupal-8-Releasezyklus haben wir sechs Kerninitiativen, in die viel Aufmerksamkeit und sehr gut aufeinander abgestimmte Bemühungen investiert werden. Neben Mobile, Multilingual und HTML5 gibt es auch noch die Initiativen Web Services, Configuration Management und Core Design. Innerhalb dieser Liste an Initiativen gibt es viele spannende Dinge zu berichten. Beispielsweise bietet Drupal mittlerweile native Unterstützung für Universally Unique Identifiers für alle Entitäten (UUID). Das vereinfacht die Synchronisation des Inhalts und der Konfiguration zwischen verschiedenen Seiten, zum Beispiel zwischen einem Backend, an dem Content editiert wird, und einer Production Site. Drupal wird auch zu 100 Prozent aus HTML5 bestehen, mit nativem Support für alle neuen Elemente und Features (Video, Audio, Canvas etc.). Die mobile Verwendung von Drupal Sites wird von Responsive Design und von Webservice-basiertem Support für native mobile Apps profitieren.

Der mögliche Zugang zu allen Drupal APIs und Daten über Web Services wird der Kitt sein, der das Projekt zusammenhält. Wir möchten uns ideal positionieren, um in den Genuss von Vorteilen aufkommender Technologien wie node.js und neuer Programmierparadigmen zu kommen. Die Abkehr vom Page-Building-Modell zugunsten eines Datenabrufmodells wird Drupal anpassungsfähig machen.

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PM: Drupal 7 erfordert PHP 5.2.5, empfohlen wird 5.3. Wird Drupal 8 auf PHP 5.4 basieren?

Douglass: Drupal wird PHP 5.3 voraussetzen, was bereits viele spannende Möglichkeiten eröffnet. PHP 5.4 muss zunächst der De-facto-Standard für Mid- und High-end Hosts werden, bevor wir es voraussetzen können – also vielleicht dann bei Drupal 9.

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PM: Stichwort „Roadmap“: Wie wichtig sind Roadmaps für Open-Source-Projekte im Allgemeinen?

Douglass: Das kommt aufs Projekt an. Anfangs hatte Drupal gar keine Roadmap. Als jemand ein Patch eingereicht hat, wurde er evaluiert und möglicherweise committet. So hat Drupals Evolution vor allem eines gelehrt: wie man eigene Wunden versorgt. Jetzt, da das Projekt größer und komplexer ist, funktioniert das für uns nicht mehr. Also halten die Vorhaben der Initiativen quasi als Roadmaps her. Man darf noch immer die eigenen Wunden versorgen, aber es wird auch viel Mühe in die gemeinsamen Initiativen gesteckt.

PM: Welche aufregenden Neuigkeiten hat Drupal in der Pipeline?

Douglass: Die DrupalCon. Zuerst in Denver, im März, dann im August in München. Wenn Sie noch nie auf einer waren, kann ich es nur empfehlen. Man kann den Sinn der „Drupal-Community“ nicht erfassen, wenn man noch nie dort gewesen ist. Egal, ob man Coder, Designer, Entscheider im geschäftlichen Umfeld oder ein idealistischer Open-Source-Hippie ist, der gern mit coolen Geeks zu tun hat: Die DrupalCon hat für jeden etwas zu bieten.

PM: Mr. Douglass, vielen Dank für das Gespräch.

*(Das Interview in voller Länge erscheint am 14. März in der Ausgabe 3.2012 des PHP Magazins.)

Robert Douglass studierte Informatik an der University of Massachusetts, Lowell. 2003 vom Drupal-Projekt angelockt, wurde er schnell ein fester Bestandteil des Teams und etablierte sich als Freelancer mit dem Schwerpunkt auf Drupal. Als Senior Drupal Advisor bei Acquia arbeitet er daran, das System einsteigerfreundlicher und einem breiten Spektrum an Nutzern zugänglich zu machen. Robert liebt klassische Musik und Open-Source-Software und betrachtet beides als Quelle für Motivation und Optimismus.
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