Interview mit Jan Wolter

Crowdtesting: Wie das Testen durch die Masse Euch helfen kann
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Habt Ihr eine eigene Testabteilung für eure Anwendungen? Ist diese immer gleichmäßig ausgelastet? Können die Tester zu Peak-Zeiten schnell Ergebnisse liefern? Wenn Ihr diese Fragen nicht mit einem eindeutigen Ja beantwortet, dann könnte das Konzept des Crowdtesting interessant für euch sein. Jan Wolter betreibt die Plattform testhub, auf der über 20.000 Tester bei Bedarf gebucht werden können. Auf der anstehenden MobileTech Conference wird Jan die Plattform im Detail vorstellen. Wir sprachen vorab mit ihm über die Funktionsweise von Crowdtesting und klären, für welche Zwecke das Testen in der Masse am besten geeignet ist.

Hallo Jan. Du bist Geschäftsführer der Crowdtesting-Plattform testhub. Was genau ist Crowdtesting?

Jan Wolter: Crowdtesting ist eine innovative Methode des Softwaretestings, welches auf dem Prinzip des Crowdsourcings basiert. Anstatt die Software in-house mit eigenen Ressourcen und Mitarbeitern zu testen, wird dieser Prozess auf eine große Gruppe von externen Crowdtestern ausgelagert. Diese testen mit ihren eigenen Geräten von zu Hause aus. Bei Tests in der Entwicklungsphase lassen sich insbesondere zwei Methodiken abgrenzen: einerseits der Usability-Test, um die Benutzerfreundlichkeit eines Produktes zu überprüfen, und andererseits das Bug Testing, um Fehler zu identifizieren.

Worin liegen die Vorteile?

Jan Wolter: Durch die Auslagerung des Testprozesses kann eine Firma erheblich an den eigenen Ressourcen – wie Budget, Mitarbeiter, Geräten und Zeit – sparen, erhält eine deutlich höhere Flexibilität und kann sich vor Betriebsblindheit schützen. Vor allem in der App-Entwicklung muss die große Anzahl an unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen berücksichtigt werden. Die meisten Firmen haben weder das Geld, um einen Gerätepark anzulegen, noch die Zeit, um Apps in allen möglichen Umgebungen zu testen. Crowdtesting bietet eine ideale Lösung dafür: Echte User testen mit ihren eigenen Geräten das Produkt. Das spart Zeit, weil die Tests gleichzeitig durchgeführt werden können, sogar übers Wochenende und über Nacht. Es verhindert Betriebsblindheit, weil die Personen nicht mit dem Projekt vertraut sind und unvoreingenommen das Produkt testen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass die Entwickler echtes Feedback von echten Nutzern erhalten und somit das Produkt perfekt auf ihre Zielgruppe abstimmen können.

Wie funktioniert Eure Plattform testhub?

Jan Wolter: Die Durchführungen von Crowdtests bedürfen keiner langwierigen Vorbereitung, sondern lediglich einer klaren Zielsetzung. Es muss also vorher überlegt werden, was überprüft werden soll, damit ein geeignetes Testkonzept erstellt werden kann. Diese können dann entweder mit der Hilfe von Test-Consultants oder selbstständig erstellt und auf der Plattform eingestellt werden.

Bei Usability-Tests versucht man, Probanden die Nutzung möglichst realitätsnah simulieren zu lassen. Diese Benutzung wird per Video aufgezeichnet, die Kommentare der Probanden dienen als Audiospur. Für eine möglichst realitätsnahe Abbildung wählt man bei dieser Methodik die Teilnehmer nach der eigenen Zielgruppe aus. Die Ausführungszeit beträgt inklusive einer Analyse der Videos in der Regel 4-5 Tage.

Um bei der Qualitätssicherung ideale Resultate zu erhalten, sollten die technischen Anforderungen an das jeweilige Testobjekt eindeutig definiert sein. Die Testpersonen werden nach ihren verfügbaren Testsystemen ausgewählt. Nach erfolgtem Teststart melden die Tester innerhalb von 2-3 Tagen alle gefundenen Bugs, welche von einem Testmanager verifiziert werden.

Wie kann man sich als Tester auf testhub bewerben?

Jan Wolter: Tester können sich einfach auf my.testhub.com anmelden. Wichtig ist dabei, dass sie möglichst wahrheitsgetreu ihre Angaben im Profil vervollständigen, damit wir sie der richtigen Zielgruppe zuordnen können. Besonders wichtige Informationen sind etwa das Alter, die Interneterfahrung und welche Geräte die Person besitzt. Insgesamt können wir anhand von 43 Datenpunkte die passende Zielgruppe auswählen.

Nach der Anmeldung muss der Tester zunächst zwei Probetests (ein Usability Test, ein Bug Test) absolvieren, um für die richtigen Tests freigeschaltet zu werden. Mit fortschreitender Testerfahrung können Tester auch zu Protokollanten, Auswertern oder Testmanagern ausgebildet werden und übernehmen dann fortgeschrittenere Aufgaben.

Welche Technologien sind derzeit auf testhub anzutreffen?

Jan Wolter: Wir testen vor allem Mobile- und Web-Anwendungen. Einen Technologietrend lässt sich hier nicht identifizieren, da quasi jedes Testobjekt, das digital verfügbar ist, getestet werden kann. Der Fokus liegt allerdings ganz klar auf B2C-Anwendungen und B2B-Anwendungen, die für einen größeren Anwendungskreis bestimmt sind.

Welche Art von Projekten eignen sich gut, welche weniger gut für Crowdtesting?

Jan Wolter: Crowdtesting eignet sich besonders gut für digitale Produkte für Endkunden. Dazu zählen Webseiten, Online Shops, Games, Apps und sonstige Software, wo die Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund steht. Weniger gut geeignet sind komplexe Systeme wie z.B. ERP-Lösungen.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

MobileTech Conference 2014Jan Wolter ist Geschäftsführer der testhub GmbH, der größten Crowdtesting-Plattform in Deutschland mit Zugriff auf mehr als 20 000 Tester. Er ist bei testhub in erster Linie für den Bereich Quality Assurance und die Entwicklung der testhub-Plattform und testhub-Tools verantwortlich und damit ständig mit der Optimierung von Testprozessen beschäftigt. Vor seiner Zeit bei testhub sammelte er Berufserfahrung in Projekten mit den Schwerpunkten IT und Telekommunikation bei mehreren internationalen Beratungsunternehmen. Sessions auf der Mobile Tech Conference 2014 (17. bis 20. März): Crowdtesting: Ein neuer Ansatz um User in die Entwicklung einzubinden

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