Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter

Das Für und Wider des Infinite Scrolls
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Die Usability einer Website ist entscheidend für die User Experience des Besuchers und damit auch für ihren Erfolg – immerhin will niemand mit einer wenig benutzerfreundlichen Seite herumhantieren. Das Design der Website ist darum ein wichtiger Faktor der Usability, und Design Patterns wie Infinite Scrolling können dazu beitragen, die User Experience zu verbessern – wenn sie richtig angewandt werden. 

Doch wann ist Infinite Scrolling gut umgesetzt, und wann sollte man lieber auf den Einsatz verzichten? Christian Leeds erklärt das Für und Wider des unendlichen Scrollens.

Infinite Scroll, ein bodenloses Fass

Infinite Scrolling ist ein Design Pattern, das auf allerhand Websites – gerade auch auf Social-Media- und Bilder-Portalen – seine Anwendung findet. Allerdings ist es nicht nur eine einzige Seite, deren gesamter Inhalt in der Homepage hinterlegt ist und deren Navigationslinks zu Bookmarks innerhalb der Seite leiten.

Stattdessen werden Inhalte asynchron aus einer Datenbank oder einer Masterdatei geladen und dem Nutzer zur Verfügung gestellt, während er durch die Website scrollt, ohne jemals an das Seitenende zu gelangen.

Die Vor- und Nachteile des Infinite Scrolls

Nun ist Infinite Scroll wie die meisten Design Patterns nicht „gut“ oder „schlecht“ per se; es kommt eher darauf an, wie es in einer Website implementiert wird. Dementsprechend bietet Infinite Scroll insbesondere, was die User Experience angeht, sowohl einige Vor-, als auch Nachteile.

Schauen wir also zuerst mal auf die Argumente, die für eine Nutzung von Infinite Scroll sprechen. Dazu gehört einerseits, dass Website-Besucher nichts anderes tun können, als weiter zu scrollen, was dazu führt, dass sie besser auf der Seite gehalten werden können. Genauso kann es die Bedienung der Seite vereinfachen, immerhin gibt es keine aufwändige Navigation, die eine Instruktion des Nutzers nötig macht.

Stattdessen soll Infinite Scroll sogar die Navigation und Accessibility verbessern; zudem nimmt das Design Pattern keinen Einfluss auf die an der Seite vorgenommen SEO-Maßnahmen und lässt sich beispielsweise mittels eines jQuery-Plug-ins leicht in ein Projekt implementieren.

Trotzdem gibt es genauso einige Gegenargumente zur Nutzung von Infinite Scroll, allen voran die Auswirkungen auf die Performance der Applikation. Da diese konstant auf Scroll-Events achten muss, muss deren Abfrage möglichst effektiv sein, da sie sonst schnell sehr CPU-intensiv wird. Genauso wird während des Scrollens immer mehr Content in den Arbeitsspeicher geladen, was – je nach Länge der Seite – die Seitenladezeit enorm herunterbremsen kann.

Dazu kommt, dass Infinite Scroll häufig keine gute User Experience bietet, wenn nicht direkt mit dem Content interagiert und dieser direkt beim Auftauchen geöffnet oder geteilt wird, um ihn später wiederzufinden. Da die Scroll-Position nicht als State aufgezeichnet wird, ist es fast unmöglich, mithilfe des Back-Buttons des Browsers an die vorige Stelle zurückzukommen – es sei denn, man fängt noch mal von oben an, zu scrollen. Auch gibt es viele Seiten, bei denen sich Content nicht aus der Seite heraus als Lesezeichen setzen lässt, was bei vielen Usern für Frustration sorgt.

Genauso problematisch ist es, Websites mit Infinite Scroll mithilfe von Analyse-Tools auszuwerten, denn das Einfügen von Analytics-Code bringt meistens nicht viele Erkenntnisse. Allerdings sind diese oft nötig, um die Website zu optimieren.

Infinite Scroll, ja oder nein?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Vielleicht. Die Entscheidung für oder gegen die Implementierung von Infinite Scroll sollte immer projektabhängig sein und man sollte im Vorfeld analysieren, wen man mit der Seite erreichen will und wofür sie voraussichtlich genutzt werden wird.

Es gibt genug Beispiele im Netz, bei denen Infinite Scroll so umgesetzt ist, dass die User Experience und User-Interaktion deutlich verbessert wird – allerdings gibt es auch genug Beispiele, bei denen die Nutzer die Seite frustriert verlassen haben. Es kommt also auf die richtige Mischung des Designs mit dem Inhalt des Projekts an, bevor man sagen kann: Happy Scrolling.

Aufmacherbild: Empty sewer channel dark interior von Shutterstock / Urheberrecht: Peter Gudella

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