Ein Gerät, vier Meinungen

Das Surface und ich – ein erster Eindruck
Kommentare

Das Surface ist da und ganze vier Wochen ließ uns Microsoft hier in der Redaktion auf ein Testgerät warten. Aber nun gut: Microsofts erster eigener PC erfreut sich eben der Neugierde der gesamten IT-Welt – da wundert es weder, dass das Surface schnell ausverkauft war, noch, dass es auch als Rezensionsobjekt heiß begehrt ist. Nun also liegt es auf dem Redaktionstisch und will ausprobiert werden.

Zunächst sei gesagt: Ich bin privat kein Tablet-Nutzer. Ich brauche meinen Laptop mit Tastatur, der mir das Cockpit-Gefühl vermittelt – die Tablet-Brettchen mit Touch-Funktion erinnern mich eher an das Magic Etch-a-Sketch aus Kindheitstagen. In diesem Sinne kann das Surface bei mir unmittelbar punkten, denn mit der ausklappbaren Tastatur komme ich zum Laptop-Feeling. Der Nachteil an der Sache ist, dass ich zunächst gar nicht auf die Idee komme, das Windows-8-UI per Touch zu bedienen, sondern ich hangele mich munter per Touchpad über die Tiles. Nur: So richtig fast and fluid ist das UI über die Tastatur leider nicht zu bedienen. Die Tastatur ist zwar dabei, eignet sich aber nicht wirklich für den Windows 8 Style; da ist Touch das einzig Wahre.

Ein Swipe von links und man kann zwischen den offenen Apps, wie alle Programme jetzt heißen, blättern. Ein nettes Feature, könnte man meinen, nur dass es auf dem Surface nicht so ganz funktionieren will: Der „Wisch“ aus der oberen linken Ecke bewirkt gar nichts, der Wisch von links lässt die Apps direkt in den Vollbildmodus wechseln – Übersicht aller offenen Apps: Fehlanzeige! Wer sich also nicht durch alle offenen Apps wischen will, der muss erst einmal rumprobieren. Des Rätsels Lösung: Ein laaaangsamer Wisch von links, sodass die nächste App nur ganz leicht heraustritt. Wenn man diese dann wieder langsam zurück schiebt, öffnet sich die Switch List mit der Übersicht aller offenen Apps: Logisch? Nein! Intuitiv? Absolut nicht!

Die Switch List mit der Übersicht aller offenen Apps © S&S Media

Klickt oder toucht man irgendwo auf die Leerfläche des Interfaces, soll sich ein Ribbon öffnen, über den man sich alle auf dem Windows 8 Desktop befindlichen Apps noch einmal etwas überschaulicher anzeigen lassen kann. Der Test mit dem Surface ergibt: Touch bleibt erfolglos, auch mit dem Cursor kommen wir nicht weiter, nur Str + Z lässt den Ribbon dann erscheinen.

Die Tiles zu personalisieren, ist auch so eine Sache: Will man sie größer oder kleiner dargestellt haben oder ganz deinstallieren, muss man sie antouchen, leicht nach unten ziehen und dann kommt man über ein kleines Häkchen oben rechts in die Einstellungen – viel zu umständlich! Immerhin: Allgemein kann jede Tile via Drag and Drop verschoben werden – und das funktioniert ausnahmsweise wirklich wie geplant. Ein Swipe auf den Tiles, der etwas zu weit rechts angesetzt ist, lässt ungewollt die Charm Bar erscheinen, über die man sowohl App- als auch allgemeine Einstellungen vornehmen kann – nun ja, so 100% intuitiv und reibungslos wie versprochen verläuft mein Surface-Touch-Experiment noch nicht, aber Benutzerführung muss man sich zu einem gewissen Grad erst aneignen, das steht außer Frage. Trotzdem: Zwischen noch nicht angeeigneter Benutzerführung und einer schlichtweg nicht funktionierenden Benutzerführung besteht ein Unterschied. Und auch wenn ich meine eigenen Defizite bei der Tablet-Nutzung einkalkuliere, steht das Surface unterm Strich recht unresponsive dar.

Das Surface kommt mit Preview-Versionen von MS Office 2013 inklusive Word, Excel, PowerPoint und OneNote daher. Was mich wirklich positiv überzeugt, ist der einfache Wechsel vom Tile-UI auf den klassischen Desktop: Ich kann die Office-Programme auf beiden Oberflächen starten und dann wie gewöhnlich damit arbeiten. Es sei jedoch bemerkt, dass auch hier die Responsivität hin und wieder zu wünschen übrig lässt, manchmal hakt es eindeutig mit den Eingaben. Ansonsten alles beim Alten und Altbewährten. Das gefällt!

Viele Programme und Apps für das Tile-UI scheinen bisher noch mehr der Veranschaulichung von Touch und Design zu dienen denn der wirklichen Funktionalität. Apps, die man auf iPad und Android-Tablets schon quasi als Standard empfindet, sind im Windows Store mitunter noch nicht zu finden, aber gerade das könnte und sollte Entwicklern doch Motivation sein: Hier sind noch Kapazitäten frei!

Was mich am Surface aber wahrlich enttäuscht hat, ist die Kamerraauflösung. Zwar sehe ich mich selbst nicht mit einem Tablet Erinnerungsfotos schießen, aber: Ein kürzlicher Trip nach Paris hat mich gelehrt, dass andere ihr Tablet herumtragen, um damit ihre Urlaubserinnerungen festzuhalten. Dies also mag zwar nicht mein persönlicher User-Case sein, doch der vieler anderer und wenn dann das Gerät mit einer derart schlechten Auflösung (maximale Auflösung von einem Megapixel. Zum Vergleich habe ich Bilder mit dem Redaktions-iPad 3 geschossen, das 5 Megapixel schafft) daher kommt, kann das zum KO-Kriterium werden.

Der Fotovergleich: links das iPad 3, rechts ein Ausschnitt aus dem Surface-Foto (beide ohne Zoom) © S&S Media

Aufmacherbild: © Microsoft

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -