Ein Gerät, vier Meinungen

Das Surface und ich – ein zweiter Eindruck
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Schon seit einigen Monaten dreht sich die Microsoft-Welt fast ausschließlich um Windows 8 und das Surface. So konnte auch ich es kaum abwarten, dieses Gerät endlich in der Hand zu halten und das neue Betriebssystem auszuprobieren. Von meinen Erfahrungen mit unserem Redaktions-Surface möchte ich Ihnen nun berichten.

Als ich das Surface RT zum ersten Mal sah, stand es mit angeschlossener Tastatur auf einem Tisch – wie ein kleiner Laptop. Ganz intuitiv legte ich meine Finger auf das Touchpad. Ich klickte Apps an, durchstöberte den Windows Store und schrieb einige Zeilen in Word. Dass das kleine Gerät ja auch Touch kann, fiel mir erst später ein. Und so probierte ich auch diese Bedienmethode aus: Das UI lässt sich flüssig bedienen, nichts hakt und siehe da, die Charms-Leiste aufzurufen, war plötzlich gar nicht mehr so schwer. Also alles einwandfrei.

Doch dann, mitten im Zuge meines Touch-Testes, kam ich wieder zu Microsoft Word zurück und nahm resignierend den Finger vom Bildschirm. Sind diese kleinen Symbole nicht viel besser mit dem doch deutlich präziseren Mauszeiger zu bedienen als mit dem Finger? Selten habe ich mich so ungeschickt gefühlt wie bei dem Versuch, per Touchscreen mein Word-Dokument in den eigenen Dateien abzuspeichern. Wenn Microsoft die neusten Produkte der Office-Reihe echt Touch-fähig machen möchte, gibt es noch Einiges zu tun. Den viel angepriesenen Knopf zum Umschalten in den Touch-Modus habe ich übrigens nicht gefunden – zumindest nicht auf den ersten, zweiten oder dritten Blick.

So, wie es jetzt ist, wirkt Office RT jedenfalls vielmehr wie ein Eindringling denn wie ein integraler Bestandteil des Betriebssystems – genauso wie der Desktop-Modus an sich. Überhaupt ist mir schleierhaft, wieso dieser Einzug in Windows RT finden musste, sind doch die einzigen kompatiblen Desktop-Anwendungen die der Office-Reihe. Wäre es nicht viel konsequenter gewesen, Windows RT auf die neue Kachel-Oberfläche zu beschränken und hierfür im Windows Store Touch-optimierte Office Apps bereit zu stellen? Auf dem PC, ja eventuell sogar noch auf dem Surface Pro, mag diese Dualität der Umgebungen Sinn ergeben, auf dem mobilen Consumer Device Surface RT hingegen wirkt sie umständlich und nur halb durchdacht – so, als ob man zu viel gewollt hätte. Dabei wäre dieser verzweifelte Versuch doch gar nicht nötig gewesen, schließlich laufen auch auf dem iPad keine Mac-Anwendungen. Auch andere Tablets, wie beispielsweise der Kindle Fire HD, kommen mit einer einheitlichen Oberfläche und versuchen nicht, etwas zu sein, was sie nicht sind.

Bei all dieser Kritik schwingt aber doch ein kleiner Wehmutstropfen mit, denn an sich ist das Surface RT ein schönes Gerät mit nettem Design, hochwertiger Ausstattung und klasse Accessoires. Ich kam auch dazu, die beiden andockbaren Tastaturen zu testen – das Touch Cover mit angedeuteten Tasten, die auf pure Berührungen reagieren und das Type Cover mit echten physischen Tasten. Das Touch Cover fühlte sich zuerst ungewohnt an – schließlich ist man einfach daran gewöhnt, Tasten nach unten zu drücken anstatt sie nur zu berühren – funktioniert aber im Praxistest erstaunlich gut. Beim Type Cover handelt es sich um einen vollwertigen Tastatur-Ersatz, der seinen großen Brüdern in nichts nachsteht und mit dem man im Alltag durchaus produktiv sein kann.

Nach meinen ersten Gehversuchen mit dem Surface RT kann ich nun sagen, dass Microsofts Vorstoß in die Hardware-Welt zwar durchaus Potential birgt, aber noch einiger Überarbeitungen bedarf. Besonders das Konzept Windows RT wirkt noch sehr undurchdacht und inkonsequent. Nun ja, warten wir auf kommende Updates, die zweite Geräte-Generation und wir werden sehen, was Microsoft aus der bestehenden Chance machen kann.

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