A Fractal of Bad MySQL: Die beliebteste, aber schlechteste Wahl?
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Update: Nachdem sein Artikel so große Wellen geschlagen hatte, haben wir uns mit dem Autoren Owen Jacobson unterhalten. Überrascht von dem Impact, den er mit seiner Absage auf MySQL bewirkt hat, zieht

Update: Nachdem sein Artikel so große Wellen geschlagen hatte, haben wir uns mit dem Autoren Owen Jacobson unterhalten. Überrascht von dem Impact, den er mit seiner Absage auf MySQL bewirkt hat, zieht er für uns eine Bilanz aus der Diskussion.

PHP Magazin: Hast du erwartet, dass dein Artikel so abhebt?

Owen Jacobson: Nein, nichts dergleichen. Er sollte nur der persönlichen Reflexion dienen. Teile daraus kamen in vielen vorangegangenen Diskussionen in meinem Arbeitsalltag vor. Dass daraus eine öffentliche Diskussion erwachsen ist, ist das beste, was man sich erhoffen konnte.

PM: Wie beurteilst du die Reaktionen generell?

Jacobson: Die meisten Antworten waren sehr bemessen und gut durchdacht. Viele verlangten von mir Tipps zu bestimmten Alternativen zu MySQL. Doch denke ich, dass MySQL-Probleme ein eigenes Sachgebiet sind, und die Vorstellung von Alternativen in einer „Warum ist A besser als B“-Schlammschlacht ausarten würde. Außerdem glaube ich, dass Entwickler zu besseren Entscheidungen über Alternativen kommen, wenn sie sich unvoreingenommene Informationen einholen.

PM: Gibt es einen Punkt der Debatte, der dir besonders aufgefallen ist?

Jacobson: Wiederholte Male hieß es: „MySQL ist doch gut genug.“ Dieser Einstellung kann ich ganz und gar nicht zustimmen. MySQL hat, wie so viele Tools der Sorte „gut genug“, versteckte Kosten in Form von Arbeitsstunden der Entwickler und Sysadmins: Unerwartete Fehler kosten Zeit und Nerven, und trotzdem sind sie – jeder für sich genommen – nie gravierend genug, um das ganze Projekt zum Scheitern zu verdammen.

Aber insgesamt glaube ich, durch die ganze Diskussion die sozialen Kräfte erkannt zu haben, wegen welcher MySQL weiterhin Fürsprecher findet.

Owen Jacobson hat in seiner bisherigen Karriere sowohl als Software-Entwickler als auch als Systemadministrator gearbeitet. Einige Zeit hat er damit verbracht, anderen Entwicklern effizientere Werkzeuge für ihre Ziele zu zeigen. Er ist fasziniert davon, wie die Software-Industrie mit Hilfe von Quellcode und den daraus wachsenden Projekten zwanzig Jahre alte Träume wahr werden lässt.

Nebenberuflich arbeitet er als MySQL-Datenbank-Administrator. Dabei zeigt er Entwicklern, wie sie trotz der Mängel dieser Datenbank effektiv damit arbeiten können.


Mit seinem jüngsten Blogeintrag „Do Not Pass This Way Again“ hat der Kanadier Owen Jacobson die Entwicklerwelt mächtig aufgewühlt. In über 5.000 Wörtern schildert er schlechte Erfahrungen mit MySQL, um zu erklären, warum die Datenbank für jeden Anwendungszweck ungeeignet ist.

Dabei zählt er vier Hauptbereiche auf, bei denen MySQL besonders starke Unzulänglichkeiten aufweisen soll:

  • Storage

  • Datenverarbeitung
  • Design
  • Schlechte Pro-Argumente

Wie ein Buschfeuer verbreitet sich der Link zum Blog-Posting via Twitter und die Kommentare häufen sich. In ihnen wird kritisiert, dass Jacobson sehr konkrete Beispiele wählte und offensichtlich nur aus Frust heraus diesen Blogeintrag so bitter formuliert habe.

Inzwischen ist auch eine Antwort erscheinen, in der Web-Entwickler Jeremy Morgan zehn Punkte zugunsten von MySQL aufzählt. Dazu zählt auch, dass MySQL allgegenwärtig und leicht zu erlernen ist. Und auch die Feature-Armut der beliebten Datenbank bedeutet für Morgan lediglich, dass die Arbeit mit MySQL entsprechend weniger Wartungsaufwand bedeutet.

Erst vergangene Woche haben zahlreiche Linux-Distributionen angekündigt, dass man MySQL abstoßen möchte — jedoch aus anderen Gründen. Dort befürchtet man, dass Oracle (der Konzern, der sich die Rechte an der Vermarktung der freien Datenbank gesichert hat) den offenen Charakter des relationalen Datenbanksystems gefährdet.

MySQL ist knapp 20 Jahre alt und hat sich als Industriestandard durchgesetzt. Doch in den vergangenen Tagen haben sich einige angestaute Ressentiments gegen den Platzhirsch offenbart, die an der Zukunft der Datenbank zweifeln lassen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass man sehr unproblematisch zu manchen Alternativen (MariaDB) wechseln kann, sollte man sich eventuell schon jetzt mit Abstraktionsschichten und anderen Datenbanken auseinandersetzen.

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