"… die Schwierigkeit, die Firmenkultur von Oracle mit Open Source zu verbinden."
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Als Kaj Arnö Anfang des Monats seinen Rückzug aus dem Unternehmen Oracle publik machte, dürften nur wenige wirklich überrascht gewesen sein. Nachdem mit David Axmark (2008) und ein Jahr darauf auch

Als Kaj Arnö Anfang des Monats seinen Rückzug aus dem Unternehmen Oracle publik machte, dürften nur wenige wirklich überrascht gewesen sein. Nachdem mit David Axmark (2008) und ein Jahr darauf auch Michael Widenius (2009) sich die beiden MySQL-Gründer von Sun verabschiedet hatten und spätestens nach der Oracle-Übernahme der Ton rauher (und die verbliebenen Mitarbeiter weniger) wurden, da war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis auch Kaj seinen Hut nehmen würde.

Like all the many former colleagues who resigned before me, I did so with mixed feelings. Kaj Arnö, 2010

Mixed feelings also im Zusammenhang mit Oracle, damit dürfte der MySQL-Botschafter vielen Beobachtern aus der Seele sprechen. Was genau ihn letztendlich zu seinem Schritt bewegt haben könnte, dazu äußert sich Kaj jetzt in einem Interview mit Daniel Dubsky auf itespresso.de.

Ich kann nur für mich selbst sprechen und nicht für andere MySQL AB-Mitarbeiter, aber aus meiner Sicht geht es um die Schwierigkeit, die Firmenkultur von Oracle mit Open Source zu verbinden. Kaj Arnö, 2010

Im Gespräch deutet Kaj Arnö an, dass man bei Oracle nicht recht auf seinen Rat hat hören wollen. Das mag an der räumlichen Trennung gelegen haben (Kaj wohnt in München, Oracle hat seinen Firmensitz in den USA), er vermutet jedoch, der wesentliche Grund sei das (trotz guter Absichten) noch immer herrschende Unverständnis gegenüber Open Source. Er habe den Eindruck, dass Oracle und Open Source einfach nicht zusammenpassen würden.

MySQL in Gefahr?

Vor dem Hintergrund finanzieller Interessen stelle Oracle tatsächlich eine Gefahr für MySQL dar, so Kaj weiter im Gespräch. Allerdings, und das sei ausdrücklich betont, wohl nur eine geringe. Die breite Nutzerbasis, die Loyalität gegenüber den MySQL-Entwicklern (und nicht etwa gegenüber Oracle), die GPL als Sicherheitsnetz und nicht zuletzt auch das Engagement der MySQL-Gründer würden langfristig für MySQL sprechen.

Ausblick

Und wie wird es nun weitergehen? Kaj Arnö ist als Executive Vice President Products dem Unternehmen SkySQL beigetreten, das neben technischer Lösungen wie dem MySQL Server und DB-Monitoring Tools auch Consulting, Training und Support rund um die MySQL-DB anbietet und dazu auch mit Monty Program zusammenarbeitet, dem von Michael Widenius gegründeten Unternehmen.

Einen Markt neben Oracle sieht Kaj durchaus. Sicherlich nicht ganz ohne Eigeninteresse stellt er fest, dass Oracle sicherlich noch lange MySQL-Kunden haben [werde], deren Entscheidungsträgern es in erster Linie um politische Sicherheit geht. Wer jedoch auf Betriebssicherheit und auf technische Sicherheit setze, werde das Unternehmen wählen, dass die besten Experten zum Thema beschäftige. Aber die wenden Oracle ja mitunter den Rücken zu. Gemischte Gefühle …?

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