Drop-in Replacement? Wikipedia macht allen vor, wie man von MySQL loskommt
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Als Oracle im Jahr 2009 Sun gekauft hat und MySQL von heute auf morgen quasi proprietär wurde, hat MySQL-Vater Monty Widenius schnell Reißaus genommen: Er forkte MySQL, benannte die Kopie in MariaDB

Als Oracle im Jahr 2009 Sun gekauft hat und MySQL von heute auf morgen quasi proprietär wurde, hat MySQL-Vater Monty Widenius schnell Reißaus genommen: Er forkte MySQL, benannte die Kopie in MariaDB um und entwickelte sie mit ein paar alten Kollegen und eifrigen Helfern aus der Open-Source-Welt weiter. Seitdem läuft kontinuierlich die parallele Entwicklung, sodass stets ein Drop-in Replacement möglich sein soll, also eine Migration von MySQL mit besonders wenig Aufwand.

Da Oracle aber nach wie vor — wenn auch mit vermindertem Tempo — eine kostenlose Version von MySQL anbietet und aktualisiert, ist selbst dieser geringe Aufwand dem durchschnittlichen Entwickler noch zu groß. Doch das könnte sich jetzt ändern, hat doch Wikipedia nun bekanntgegeben, die Migration zu wagen. Der Grund sei, dass man nicht einverstanden damit sei, dass Enterprise- und Open-Source-Kunden wie in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft behandelt werden:

Equally important, as supporters of the free culture movement, the Wikimedia Foundation strongly prefers free software projects; that includes a preference for projects without bifurcated code bases between differently licensed free and enterprise editions. We welcome and support the MariaDB Foundation as a not-for-profit steward of the free and open MySQL related database community.

Asher Feldman

Doch auch die Performance-Ansprüche der bedeutendsten Online-Enzyklopädie fallen bei der Entscheidung ins Gewicht: Alleine die englischsprachige Wikipedia-Datenbank habe zu Spitzenzeiten 50.000 Zugriffe pro Sekunde, wie es in dem Blog-Artikel heißt, in dem Wikimedia Site Architect Asher Feldman den bisherigen Migrations-Aufwand skizziert.

Auch wenn Wikipedia bisher auf einem optimierten MySQL-Fork läuft, den Facebook von MySQL 5.1 angelegt hatte, verspricht man sich von Widenius‘ Zögling noch mehr Leistung. Erste Messungen lassen eine Steigerung von bis zu 15 Prozent erahnen. Gemessen wird dies bisher in MariaDB-Replicas von Wikipedia, die mit dem Percona Toolkit untersucht werden.

Erst wenn sämtliche Tests erfolgreich waren, und keine weiteren Regressionen auftreten, wolle man vollständig auf MariaDB umsatteln. Bisher habe sich das Team um Monty Widenius als sehr schnell erwiesen, wenn es um das Fixen von Problemen ging. Aber wie es aussieht, werde man mit der vollständigen Migration noch auf MariaDB 10 warten, die sich derzeit noch im Alpha-Stadium befindet. Diese wird, neben anderen exklusiven Features, Global Transaction IDs bieten. Ihre hohe Versionsnummer markiert das Ende der Feature-Parität mit MySQL: MariaDB soll ab dann neben den MySQL-Features weitere Funktionen bieten (wir berichteten).

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