Der Full-Stack-Entwickler: Eine bedrohte Art?
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Früher war alles besser! Zu dieser Volksweisheit spuckt Google immerhin 343.000 Treffer aus. Aber es war ja auch schön: Eine Brezel kostete 10 Pfennig, die Weihnachtsbäume hatten mehr Lametta, und da die Stacks kleiner waren konnte jeder Entwickler ein Full-Stack-Entwickler sein … oder so ähnlich.

Fakt ist: Analog zum Wandel der Wissenschaftler von Universalgelehrten hin zu Experten in Einzeldisziplinen, ist es auch als Entwickler immer schwieriger, in den Spezialbereichen Frontend und Backend gleichermaßen fit zu sein. Beziehungsweise: Ist es überhaupt noch möglich? Der in London ansässige Frontend-Entwickler Andy Shora bezweifelt in einem Rant zumindest, dass die meisten, die sich als Full-Stack-Entwickler bezeichnen, diesen Namen auch tatsächlich verdienen; er spricht in diesem Zusammenhang vom „Myth of the Full-stack Developer“.

Full-stack Entwickler – ein Mythos?

Als Beispiel berichtet Shora von einer Beobachtung, die er bei Jobinterviews junger Webentwickler machen konnte: Als diese ihre Fähigkeiten in UX, HTML, CSS, JavaScript, Backend Scripting Language und SQL bewerten sollten, gaben sie sich (mehrheitlich) auf einer Skala von 1-10 in jedem Bereich zwischen 5 und 7 Punkten – offenbar waren sie also allesamt Allround-Talente, echte Full-stack Entwickler. Als sie jedoch nur noch eine begrenzte Zahl an Punkten vergeben durften, sah die Sache komplett anders aus: So gaben sie sich in ihren Spezialgebieten nun 8 Punkte und in allen anderen zumeist lediglich 2 Punkte. Es kristallisierten sich also urplötzlich astreine Frontend- und Backend-Entwickler heraus.

Eine ehrliche und realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten ist also ein Teil des Problems: Bin ich, wenn ich beispielsweise eine Webanwendung geschrieben habe, die gut ankommt, wirklich mit dem kompletten Stack vertraut, oder habe ich „lediglich“ die verschiedenen Layer so gut implementiert, dass alles richtig zusammenarbeitet (eine wichtige, aber ganz andere Fähigkeit!)?

Bleibt offen für Neues!

Für Shora besteht die wichtigste Fertigkeit btw darin, stets offen dafür zu bleiben, Neues zu lernen und sich nicht in einen abgeschotteten Elfenbeinturm zurückzuziehen, glaubend, bereits alles zu wissen was man wissen muss. Die Fähigkeit, Unkenntnis einzugestehen und entsprechend Unterstützung zu suchen und anzunehmen, gehört für ihn ebenfalls dazu – aus eigener Erfahrung weiß er, wie hoch das Limit ist, wenn man sich tatsächlich spezialisieren will.

Die Bottom Line: Echte Full-Stack-Entwickler sind sehr selten, dank ihres breiten Skill-Sets werden sie jedoch sehr häufig gebraucht, vor allem von kleineren Unternehmen und Startups – ihre „Employability“ ist also ausgezeichnet. Sollten die Kommentare auf Shoras Blog auch nur ansatzweise repräsentativ sein, stimmt die Mehrheit der Entwickler seiner Einschätzung zu.

Young girl wearing a monitor with a funny face gesture von Shutterstock / Urheberrecht: ra2studio

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