Live von der BASTA! Keynote

Der PC ist tot! Oder doch nicht
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PCs lassen sich aus unserem alltäglichen Leben kaum mehr weg denken. Was noch vor 20 Jahren wie Zukunftsmusik klang, ist heute zur Realität geworden: Wir haben quasi uneingeschränkten Zugang zu unserem persönlichen Computer, sind permanent vernetzt und, zumindest aus damaliger Sicht, alle zu Computer-Profis geworden.

Doch was heute noch selbstverständlich ist, könnte morgen schon der Vergangenheit angehören. Da gibt es nämlich ein mittlerweile nicht mehr ganz so kleines Unternehmen aus Kalifornien, das sich mit einem kleinen i und einem angebissenen Apfel anschickt, die Welt zu erobern. Nicht mehr PCs, sondern iPhones, iPods und iPads sind unsere Lieblingsgeräte – kein Wunder, dass Apple eine Post-PC-Ära prophezeit. Microsoft hingegen, Traditionalist und Erfinder des PCs, hält an seiner Erfindung fest. Der Personal Computer werde keineswegs ersetzt, sondern lediglich erweitert durch Touch-Funktionen und seine kleinen Brüder Smartphone und Tablet. In Redmond spricht man von einer PC-plus-Ära.

Vollkommen egal, wie man diese neue Ära auch bezeichnen mag, sie hat zweifelsohne begonnen. Die Welt des PCs befindet sich im Umbruch. Und wenn sich die Welt des Computers wandelt, müssen sich die Software-Entwickler mit ihr wandeln. In welche Richtung sollten sie gehen, um für die neue Epoche gerüstet zu sein?

Genau diese Frage warf die BASTA!-Keynote mit dem Titel „Willkommen in der Post-PC-Ära! Was sich für Entwickler in den nächsten Jahren ändern wird“ in den Raum. Moderiert wurde sie von Jörg Neumann, doch seine Stimme sollte bei weitem nicht die einzig hörbare bleiben. Stattdessen liest sich die Liste der Speaker, die nach und nach die Bühne betraten, wie ein Best-of-BASTA!. Jeder einzelne Experte ist für einen bestimmten Themenbereich zuständig. Seine Aufgabe war es, dem Publikum zu verdeutlichen, welchen Einfluss der Bedeutungsverlust des PCs auf sein Fachgebiet hat – und umgekehrt.

Das Expertenpanel auf der BASTA!-Bühne diskutiert über die Zukunft des PC.
Das Expertenpanel auf der BASTA!-Bühne diskutiert über die Zukunft des PC.

Den Anfang machte Christian Weyer, der sich mit dem Thema Mobile auseinandersetzt. Mobile Geräte sind seiner Meinung nach ein echter Schmelztiegel, da sie all das vereinigen, was zur modernen Programmierung wichtig ist. Großes Potential sagt er der Mischung aus Mobile und der Cloud voraus, doch auch offline-fähig müssen Anwendungen für Smartphones und Tablets sein. Ebenso wenig zu verachten ist das Thema Sicherheit, denn unterwegs im mobilen Raum gibt es kein Windows-Netzwerk mehr, das einen schützt.

Warum der PC tatsächlich sterben könnte, erklärte uns im Anschluss Rainer Stropek mit dem Themenkomplex Cloud. Er stellte fest, dass man heutzutage zumindest keine schnellen PCs mehr braucht, denn schließlich gibt es die Cloud mit ihrer hochverfügbaren Infrastruktur. Auch teure Datencenter gehören dank Cloud Computing der Vergangenheit an. Und sind die ausgelagerten Daten vernünftig verschlüsselt, muss man sich auch keine Gedanken über den Datenschutz machen.

Dominick Baier läutete seinen Part über Security damit ein, dass er Security-Fragen auf dem PC für praktisch obsolet erklärt. In den Windows-Anfangszeiten sei diese Problematik noch bedeutsam gewesen, seit Windows Server 2003 im gleichen Jahr trete sie jedoch mehr und mehr in den Hintergrund. Wo sie allerdings ungebrochen wichtig ist, ist der Bereich der diversen mobilen Plattformen, denn schließlich fällt hier die schützende Hülle des Active Directory weg.

Kaum hatte Baier diese bedrohliche Äußerung von sich gegeben, musste er das Mikrofon auch schon an Oliver Sturm überreichen. Dieser berichtete vom steigenden Einfluss der asynchronen Programmierung, die das neue Microsoft-Credo „fast and fluid“ überhaupt erst möglich macht. So dürfen API-Aufrufe in Windows 8 nicht länger als 50 Millisekunden dauern – andernfalls müssen sie asynchron gebaut werden. Nun machen Sie sich einmal Gedanken darüber, wie weit sie in unserer neuen Ära ohne asynchrone Programmierung tatsächlich kommen.

Daniel Greitens betrat die Bühne mit dem Themenkomplex UI Design und der Ankündigung, allen anwesenden Entwicklern nun „seitlich ins Knie zu fahren“. Seiner Meinung nach beginnt die moderne Entwicklung in der Post-PC-Ära nämlich nicht mehr bei der Datenbank, sondern sie wird vom Bedienkonzept bestimmt. Was will der User, wann will er es und mit welchen, vielleicht sogar emotionalen, Zielen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt und bewirken, dass Schlagworte wie Design und Reduktion ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken.

Und wer weiß, vielleicht ersetzt der User selbst ja schon bald Tastatur, Maus, ja eventuell sogar Touch? Für das, wofür Tom Cruise in Minority Report noch Handschuhe brauchte, gibt es heute die Kinect. Sie macht die Gesten- und Mimiksteuerung zur Realität. Doch wie müssen Anwendungen aussehen, die man mit dem eigenen Körper steuert? Diese Frage gab Speaker Daniel Meixner seinen Zuhörern unbeantwortet mit auf den Weg – vielleicht ist es dafür ja einfach noch ein wenig zu früh. Aber manchmal kommt die Zukunft eben früher als man denkt.

Ob der PC tatsächlich in naher Zukunft seinen Verletzungen erliegen wird, wissen weder wir noch die Teilnehmer der BASTA!-Diskussionsrunde. Doch sollte dem so sein, gilt es für Entwickler, vorbereitet zu sein. Die soeben zu Ende gegangene BASTA! Keynote hat jedenfalls ihren Beitrag dazu geleistet, Entwickler wach zu rütteln und ihnen Denkanstöße zu geben.

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