Björn Schotte im Gespräch mit Nils Langner

"Der PHP-Programmierer muss viel mehr als früher die eierlegende Wollmilchsau sein."
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Heute im Interview: Nils Langner, der Kolumnist dieser Interviewreihe. Wir dachten, dass es einmal an der Zeit sei, auch mit Nils ein Interview zu führen, der mit sehr viel Engagement sein eigenes Blog betreibt. Das Interview führte Björn Schotte.

Nils Langner

Nils, der an der Universität Freiburg Informatik studierte, treibt sich nun mehr seit fast 10 Jahren in der Webentwicklung herum und arbeitet derzeit für eines der größten Verlagshäuser Europas im Qualitätsmanagement der Onlinesysteme. In seiner Freizeit betreibt er einen sehr erfolgreichen deutschsprachigen PHP Blog, in dem er seine Erfahrungen zum Thema PHP kundtut. Hier werden aktuelle Geschehnisse aus der PHP-Gemeinde genau so besprochen, wie Best Practices aus der Softwaretechnik. Ein Blatt wird dabei nie vor den Mund genommen.

Lieber Nils, mit sehr viel Engagement betreibst du dein eigenes Blog phphatesme.com sowie diese Interviewreihe. Woher nimmst du all diese Zeit und Energie? Hast du Unterstützer?

Das frage ich mich auch ab und zu. Ich hatte mir vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, einen PHP-Blog zu starten, auf dem jeden Tag ein neuer Beitrag zu finden sein wird. Das ist jetzt über eineinhalb Jahre her, und bis heute gibt es keinen Wochentag, an dem mit diesem Vorhaben gebrochen wurde. Irgendwie ist das Schreiben von Artikeln Teil meines Alltags geworden. Natürlich macht es auch einfacher, die Motivation zu finden, wenn man eine große und aktive Leserschaft sein eigen nennen kann. Für die Interviews nehme ich mir an den Wochenenden Zeit. Also eigentlich noch genügend Freizeit, um ein „normales“ Leben zu führen.

In den letzten Monaten hatte ich aber auch das Glück, dass immer mehr Koautoren Lust daran gefunden haben, auf phphatesme ein wenig zu schreiben. Mittlerweile sind es über 10 Experten, die mich dort unterstützen. Unser großer Vorteil ist, dass wir jeden Tag ca. 2 000 Leser haben und es somit um einiges reizvoller wird, sein Wissen über uns mit der PHP-Gemeinde zu teilen.

Kannst du uns kurz deinen Werdegang im PHP-Umfeld darstellen? Wie bist du daneben zur deutschsprachigen PHP Community gekommen, welche Websites waren deine tägliche Informationsquelle und Inspiration?

Angefangen hat das Ganze mit meinem Studium der Informatik in Freiburg. Nach Abschluss ging es dann nach Karlsruhe zu Nero (www.nero.com). Meine Zeit dort habe ich als Teamleiter der beiden Intranetteams beendet. Vor ca. einem Jahr hatte ich das Glück, die Chance zu bekommen, in die erste Liga des deutschsprachigen Internets aufzusteigen. Diese habe ich natürlich genutzt und meine derzeitige Position im Qualitätsmanagement der Onlinemedien von Gruner+Jahr angetreten. Zu den Seiten, die wir betreuen, gehören momentan die Internetauftritte von Stern, Financial Times Deutschland, Gala und Brigitte.

Beruflich hatte ich mich also schon früh im Webumfeld niedergelassen. Wirklich Teil der Community wurde ich aber erst mit dem Start meines Blogs. Um ehrlich zu sein, empfand ich davor die PHP-Gemeinde eher als eine sehr arrogante und unsympathische. Das lag jedoch eher daran, dass ich mich in den falschen Foren aufgehalten hatte. War aber ganz gut, denn somit kam ich auf die Idee, ein deutschsprachiges PHP-Blog zu starten. In diesem wollte ich über meine Erfahrungen in den Themen rund um unsere geliebte Programmiersprache schreiben und auch aus meinem damaligen Alltag als Teamleiter.

Mittlerweile ist phphatesme.com das meistgelesene deutschsprachige PHP-Blog, ich habe eine eigene Kolumne im PHP Magazin, saß bei der letzten International PHP Conference im Advisory Board und für die nächsten Konferenzen sind auch schon Beträge eingereicht. Das Ganze habe ich vielleicht auch einer gehörigen Portion Glück zu verdanken, denn vor zwei Jahren hätte ich das nie zu träumen gewagt. Aber anscheinend zahlt sich Ausdauer doch irgendwann aus.

Bei der Inspiration, nach der du gefragt hast, ist meine Antwort klar. Es war eher das Fehlen guter deutschsprachiger Webseiten zu dem Thema. Das hat sich aber bis heute geändert. Informationsquellen waren eher die altmodischen wie Bücher über Softwaretechnik, Architektur und Projektmanagement.

So um die Jahrtausendwende organisierte sich die Community über PHP Usergroups, von denen einige (z. B. Stuttgart) mehr als 100 Teilnehmer zu ihren Treffen anzogen. Mittlerweile erscheint mir die Usergroup-Landschaft doch sehr zerklüftet und ich habe den Eindruck, dass viele PHPler nicht nur auf Konferenzen und Unkonferenzen unterwegs, sondern auch eher auf Barcamps und Webmontagen zu finden sind. Teilst du diesen Eindruck und wie beurteilst du diese Entwicklung?

Den Eindruck würde ich auf jeden Fall teilen. Wobei ich sowohl in Karlsruhe als auch in Hamburg eine sehr aktive Usergruppe erlebt habe. Man erinnere sich an die hervorragende Hamburger Unconference, die ja hauptsächlich von der hiesigen Usergruppe getrieben wird. Wobei wir da auch schon an einem der Hauptargumente deiner These sein sollten. Das Angebot für PHP-Entwickler ist einfach immens gewachsen. Webmontage und Barcamps kamen dazu und wurden immer bekannter. Da kann es schon mal passieren, dass man sich die Rosinen rauspickt und doch mal die Usergruppe sein lässt.

Vielleicht ist es aber auch dem Fakt geschuldet, dass PHP-Entwickler immer mehr den Blick über den Tellerrand wagen müssen. Es reicht schon lange nicht mehr, nur PHP und HTML in seinem Lebenslauf stehen zu haben. JavaScript, ein wenig Flash oder ein Grundverständnis in Sachen SEO wird doch schon fast erwartet. Der heutige PHP-Programmierer muss viel mehr als früher die eierlegende Wollmilchsau sein. Das Gute ist, der PHP-Entwickler von heute will das auch sein.

Auf planet-php.net finden sich in der Regel englischsprachige Beiträge von internationalen PHP-Rockstars. Kannst du unseren Lesern einige deutschsprachige Blog-Perlen empfehlen, die sich mit PHP oder angrenzenden Themenfeldern beschäftigen und die jeder in seinem RSS Feed haben sollte?

Das glaubt uns wahrscheinlich jetzt eh niemand, dass diese Frage nicht abgesprochen war, aber ich versuche trotzdem mal zu antworten. Natürlich ist das englischsprachige planet-php.net eine der wichtigsten Quellen vieler PHP-Entwickler. Ich selbst lese dort täglich. Wir sind aber gerade dabei ein deutschsprachiges Pendant zu gründen. Unter phppopstars.net sollen die besten deutschen PHP-Blogs gruppiert werden. Dies wird sicherlich in naher Zukunft eine Perle werden.

Bis dahin kann man mal die Texte von Cem Derin (www.phphacker.net) und Michael Kliewe (www.phpgangsta.de) lesen. Wer meinen Blog kennt, weiß auch, dass ich gerne den Worten von Ralf Eggert (www.ralfeggert.de) lausche. Empfehlen möchte ich aber auch noch den Blog eines unserer Koautoren – Dr. Eberhard Huber über Projektmanagement (www.pentaeder.de) – da ich denke, ein wenig Wissen in diese Richtung kann einem das Berufsleben um ein Vielfaches erleichtern.

Natürlich gibt es noch eine ganze Menge weiterer guter deutschen Blogs, leider ist dort sehr oft das Problem mit der Aktualität zu finden. Kaum neue Beträge und somit wenige Leser gehört wohl zu der Geschichte vieler Weblogs dazu.

Twitterst du eigentlich? Sollte man als PHP-Entwickler neben den RSS Feeds auch noch bestimmten Twitterern folgen?

Früher habe ich die Twitter Community belächelt, ich konnte die Idee dahinter nicht wirklich greifen. Mittlerweile bin ich aktiver Twitterer (@phphatesme) und folge über 100 Leuten aus der Szene. Da fast jeder große Name aus der Community auch Micro-Blogging betreibt, ist hier die Liste der Empfehlungen natürlich beliebig lang. Sebastian Bergmann (@s_bergmann), Lars Jankowfsky (@dodger), aber auch Joel Spolsky (@spolsky) und Matt Cutts (@mattcutts) lese ich regelmäßig. Eigentlich sind alle Leute, denen ich folge, es wert, ihnen zu folgen. Also einfach einen Blick auf http://twitter.com/phphatesme/following werfen.

Als sehr aktiver Blogger bist du natürlich mit vielen Leuten aus der Szene in Kontakt. Siehst du Tendenzen, welche Innovationen im PHP-Umfeld uns in nächster Zeit erreichen werden?

Die letzten zwei Jahre standen ganz klar im Fokus des Qualitätsmanagements. Das haben wir Leuten wie Manuel Pichler und Sebastian Bergmann zu verdanken. Ich denke, diese Entwicklung ist noch nicht ganz am Ende angekommen, denn bis eine hohe Testabdeckung in den meisten PHP-Projekten an der Tagesordnung ist, dauert es noch eine Weile. Die Wichtigkeit dieses Themas ist aber erkannt worden und Initiativen sind ergriffen.

Eine weitere Tendenz, die ich sehe und auch sehr begrüße, ist die Erkenntnis, dass Architektur über den Erfolg oder Misserfolg eines Projekts entscheiden kann. PHP-Projekte sind einfach zu komplex und umfangreich geworden, um dieses Thema unter den Tisch fallen zu lassen. Wir sind schon längst an einem Punkt angekommen, an dem man nicht einfach mit Programmieren anfängt, ohne sich über das Große und Ganze Gedanken zu machen. Hierbei helfen Frameworks, einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, und an dem Interesse an Symfony oder dem Zend Framework erkennt man den Wunsch nach Vereinheitlichung. Hier sind wir erst am Anfang und ich bin gespannt, wohin die Reise gehen wird. So wie ich die PHP-Gemeinde kenne, werden wir es schaffen, Ansätze zu finden, die es weiterhin erlauben, pragmatisch an Projekte heranzugehen und trotzdem anderen Sprachen nicht in Stabilität und Wartbarkeit nachzustehen.

Ich werde auf jeden Fall versuchen, meinen Teil dazu beizutragen, denn meiner Meinung nach ist das das spannendste Thema der nächsten Zeit. Aber auch in den nichttechnischen Gebieten wird sich einiges ändern. Ich denke, es werden viel mehr Teams auf agile Methoden umschwenken, da sie erkannt haben, dass man Webprojekte im Wasserfallmodell nicht ordentlich abbilden kann. Dieser Trend ist zwar schon seit einer gewissen Weile zu spüren, wird jetzt aber endlich auch wirklich angegangen. Ich selbst war bei der Einführung von SCRUM bei Nero beteiligt und ich muss sagen, dass der Weg zwar sehr steinig sein kann, aber das Ziel, der finale agile Prozess, doch ein sehr angenehmes ist.

Zum Abschluss danken wir dir für das Gespräch und freuen uns auf viele weitere Interviews!
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