Ein Plädoyer für multilinguale Programmierer

5 Gründe, warum Entwickler mehr als eine Programmiersprache beherrschen sollten
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Die meisten Entwickler beherrschen nur eine Programmiersprache so richtig und wissen daneben noch hier oder da ein bisschen was über andere Sprachen. Das reicht im Berufsalltag ja auch vollkommen aus, oder etwa nicht? Immerhin sind vor allem Spezialisten gefragt, die sich richtig gut auf ihrem Gebiet auskennen. Und dazu wird man nicht, wenn man von Allem ein Bisschen kann. Trotzdem kann es sich aber lohnen, mehr als nur eine Sprache zu beherrschen.

Eigentlich ist es ja wie im Alltag außerhalb des Jobs auch. Englisch reicht den meisten Menschen als Fremdsprache vollkommen aus, immerhin sprechen das auch die Anderen, denen man so begegnet. Man kann sich verständigen und das so gut wie weltweit. Um das Abitur zu erlangen, müssen die meisten Schüler aber trotzdem mehr als eine Fremdsprache erlernen – und so ein bisschen Französisch kann im Alltag auch durchaus mal nützlich sein. Vor allem im Urlaub in Frankreich.

Multilinguale Programmierer

Solche Situationen kann es auch im Alltag von Programmierern geben. Sei es nun die schnelle Entwicklung der Webtechnologien, die ständig andere Anforderungen an Programmierer stellen oder der Wunsch nach etwas ganz Neuem – mehrere Sprachen zu beherrschen,  kann unter Umständen ein großer Vorteil sein.

1. Abhängigkeiten vermeiden

Wer in einer der großen Programmiersprachen wirklich gut ist, glaubt vielleicht, dass er damit auskommt. Aber was ist, wenn der metaphorische Urlaub eben doch ins Land der unbekannten Sprachen führt? Wenn das Projekt eben doch mehr Sprachen braucht, als die eine, die man selbst beherrscht? Wer nur eine Sprache kann, macht sich hier absolut abhängig von anderen Profis, selbst wenn es nur um Kleinigkeiten geht. Viele Probleme ließen sich allerdings mit Kenntnissen in einer zweiten Sprache schnell selbst lösen. Das spart im Zweifelsfall Zeit und Geld.

2. Lernfähigkeit zeigen

Manchmal ist es aber nicht nur ein Urlaub in Frankreich, der die eigenen Sprachkenntnisse auf die Probe stellt, sondern gleich eine Auswanderung – oder eben ein Arbeitgeberwechsel. Wer mehr als nur eine Programmiersprache vorweisen kann, zeigt, dass er schnell lernt und flexibel ist. Das sind heute gefragte Fähigkeiten, die jeder Arbeitgeber gerne sieht. Immerhin weiß niemand, welche Sprachen in fünf Jahren gefragt sein werden. Arbeitnehmer, die bereits jetzt ein breites Profil vorweisen können, sind auf solche Veränderungen aber gut vorbereitet. Auch die Auswahl an potentiellen Arbeitgebern erhöht sich natürlich dadurch, ein größeres Profil vorweisen zu können. Wer also unbedingt mal für Google arbeiten will, könnte es über den Weg der vielfältigen Fähigkeiten versuchen.

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3. Nischen besetzen

Nicht immer das gleiche machen, auch mal spannende Projekte umsetzen, ganz neue Ideen realisieren? So etwas erhoffen sich mit Sicherheit viele Entwickler von ihrem Beruf. Neue Programmiersprachen ermöglichen das auf vielfältige Weisen. Außerdem werden gerade seltene Sprachen oft gut bezahlt. Einen Job zu finden kann zwar etwas schwieriger werden als mit JavaScript, die Suche kann sich aber durchaus lohnen. Immerhin ist ja auch die Konkurrenz kleiner, wenn es um Haskell oder Go geht.

4. Neue Perspektiven

Objektorientierte Sprachen? Semantische Syntax? Jede Sprache hat ihr eigenes Vorgehen und ihre eigenen Spezifikationen. Natürlich ist es am Wichtigsten, die jeweiligen Details der eigenen Erstsprache richtig gut zu beherrschen; am Ende kann es aber bei der Lösung von Problemen helfen, auch zu betrachten, wie das in einer anderen Sprache möglich wäre. Dadurch verändert sich der Blick auf das Problem und große Schwierigkeiten können auf einmal ganz klein werden. Und manchmal ist es am Ende auch einfacher, das Problem dann gleich auf eine ganz andere Weise, in einer anderen Sprache zu lösen.

5. Vielfalt schafft Optionen

Nicht nur dann, wenn es um Probleme geht, ist Vielfalt nützlich. Manchmal lassen sich gewisse Aufgaben mit einer bestimmten Sprache grundsätzlich schneller bewältigen als in einer anderen. Wer mehrere Sprachen beherrscht, hat einfach mehr Werkzeuge zur Hand, die er gezielter einsetzen kann. Das kann die Arbeit ungemein erleichtern. Jede Sprache hat nämlich auch ihre Schwächen und um diese auszugleichen, kann eine zweite Sprache wirklich hilfreich sein.

Mehrsprachigkeit macht klug

Wer gelegentlich über den eigenen Tellerrand hinaus schaut, bleibt außerdem geistig fitter. Das Gehirn verhält sich nämlich wie ein Muskel: Wer regelmäßig neue Dinge lernt, trainiert seine grauen Zellen. Auch in Zukunft fällt es dann leichter, mit den Entwicklungen der eigenen Erstsprache mitzuhalten. Die neu erworbenen Fähigkeiten lassen sich darüber hinaus häufig zu einem gewissen Grad auf die Erstsprache übertragen. Das vergrößert die Fähigkeiten auch in dieser Sprache und kann den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem richtig guten Programmierer ausmachen.

Das ist allerdings nicht die einzige mögliche Sichtweise auf die Frage der Mehrsprachigkeit. Immerhin lassen sich die meisten Probleme doch auch mit allen Sprachen lösen; und das Abgeben von Aufgaben an andere Spezialisten hat Vorteile. Die Entscheidung für oder gegen das Erlernen neuer Sprachen sollte also nie leichtfertig getroffen werden.

In einem zweiten Beitrag haben wir fünf Gründe, die gegen das Beherrschen vieler Programmiersprachen sprechen, zusammengefasst.

Aufmacherbild: Programming concept. Different machine code languages colorful boxes von Shutterstock.com / Urheberrecht: dencg

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