Warum Entwickler sich auf eine Programmiersprache konzentrieren sollten

5 Gründe gegen das Beherrschen vieler Programmiersprachen
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Vieles spricht dafür, dass Entwickler mehr als eine Programmiersprache beherrschen sollten. Aber ist das wirklich die einzige mögliche Sichtweise? Natürlich nicht. Denn es gibt auch reichlich Argumente gegen das Erlernen verschiedener Sprachen – beispielsweise, dass vor allem Spezialisten am Markt gefragt sind, keine Allrounder.

Im Laufe des Studiums werden Informatiker außerdem mit diversen Programmiersprachen konfrontiert, spezialisieren sich am Ende aber doch auf eine davon. Die meisten anderen Sprachen geraten in Vergessenheit – dadurch wirkt es doch unsinnig, später noch einmal mit dem Lernen anzufangen. Wären vielfältigere Fähigkeiten notwendig, würden diese ja bereits über die Ausbildung erlernt und erhalten bleiben.

Realitätscheck

Die zentrale Frage ist insofern wohl die nach der beruflichen Realität eines Programmierers. Was ist im Alltag sinnvoll – und wie können diese Fähigkeiten auf die richtige Weise erworben werden?

1. Der Zeitfaktor: Entweder – oder?

Eine neue Sprache zu erlernen ist immer eine zeitintensive Aktivität. Diese Zeit kann allerdings genau so gut in die Erstsprache fließen, die täglich verwendet wird. Wer darin schnell besser wird, besetzt nämlich auch eine Nische und sticht aus der Masse hervor. Und am Ende hat ja niemand unbegrenzt Zeit, gerade im Berufsalltag nicht – also müssen viele Entwickler sich entscheiden, ob sie lieber ihre Spezialisierung perfektionieren wollen, oder sich ein breiteres Profil wünschen. Eine einzelne Sprache richtig gut zu beherrschen kann hier die bessere Wahl sein.

2. Unvorhersehbarkeit

Eine ganz frisch hinzugekommene Sprache zu erlernen ist dann eine gute Entscheidung, wenn sie in Zukunft an Bedeutung gewinnt. Das ist allerdings häufig eher schlecht vorhersehbar – und wenn die Sprache dann doch nicht durchstartet, war der ganze Aufwand nicht mehr als ein schönes Hobby. Im Job wird man damit dann nämlich nicht viel anfangen können.

3. Vergesslichkeit

Was im Lebenslauf gut aussieht, hat wenig mit der Realität im Job zu tun. Die meisten Programmierer brauchen nur eine Sprache im Alltag, mehr ist für ihre Aufgabe im Projekt nicht notwendig. Zwar kann es den Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch beeindrucken, wenn ein Programmierer mehrere Sprachen beherrscht; wenn diese im Job nicht angewendet werden müssen und können, wird es aber eh schwer, diese Fähigkeiten aufrecht zu erhalten.

4. Vorhandene Grundlagen

Daneben dürften die wenigsten Entwickler wirklich noch nie etwas von anderen Programmiersprachen gehört haben. Wer sich autodidaktisch eine einzelne Sprache beigebracht hat, mag den Blick darüber hinaus vielleicht erhellend finden. Wer im Studium oder in der Ausbildung aber mit verschiedenen Sprachen zu tun hatte, besitzt bereits die Fähigkeit, auch einmal aus einer anderen Perspektive auf ein Problem zu schauen.

Dafür ist es nicht notwendig, eine weitere Sprache zu beherrschen. Die grundlegenden Konzepte sind erkannt und ermöglichen es so, breit gefächert an Aufgaben heranzugehen und zu entscheiden, wann es sinnvoll ist, andere Spezialisten hinzuzuziehen. Der in der Ausbildung erworbene Überblick sollte bei den meisten Entwicklern sogar dafür ausreichen, um zu erkennen, wann ein vermeintlicher Spezialist keiner ist. Auch auf diese Weise, also durch das Abgeben von Arbeit, kann viel Zeit gespart werden. Und es vermeidet Fehler, die sonst durch die unvollständige Beherrschung einer Sprache passieren würden.

5. Unendlichkeit

Wo anfangen, wo aufhören? Es gibt so viele Programmiersprachen, dass niemand alle davon beherrschen kann. Das ja würde auch keinen Sinn machen. Sind zwei Sprachen aber wirklich besser als nur eine? Oder wären drei die richtige Wahl? Vier? Wer einmal damit anfängt, verschiedene Sprachen beherrschen zu wollen, kann sich schnell im Dschungel der Sprachauswahl verlieren. Obwohl es natürlich nie eine schlechte Idee ist, etwas dazu zu lernen, kann es durchaus helfen, das eigene Interesse klar auf ein Gebiet einzugrenzen.

Andere Skills?

Wer seine grauen Zellen auf Vordermann bringen möchte, hat allerdings auch als Entwickler nicht nur die Möglichkeit, neue Programmiersprachen zu erlernen. Agile Methodiken sind beispielsweise ein weiteres Thema, mit dem sich Entwickler befassen könnten, um ihr Profil zu erweitern. Auch Continuous Delivery ist ein spannendes Gebiet. Wer den Arbeitgeber wechselt, kann im Bewerbungsgespräch außerdem auch damit punkten, besonders viel über die Tools der eigenen Sprache zu wissen – da braucht es keine weiteren Programmiersprachen.

Individuelle Entscheidungen

Trotzdem gibt es hier keine klare, einfache Antwort. Für jedes Argument für und gegen das Beherrschen mehrere Programmiersprachen lassen sich erneut Gegenargumente finden. Vieles ist auch abhängig von den jeweiligen Arbeitsbedingungen eines Entwicklers. Wer Apps in einem kleinen Startup entwickelt, kann sich nur begrenzt darauf verlassen, dass bei Problemen andere Spezialisten einspringen werden. Wer hingegen in einem großen Unternehmen tätig ist, kann häufig recht leicht Kollegen um Hilfe bitten.

Insofern ist die Entscheidung für oder gegen das Beherrschen weiterer Programmiersprachen immer individuell zu treffen. Niemand muss zwingend mehr als eine Sprache gut und sicher können; manchmal kann eine gut gewählte zweite Sprache aber sehr nützlich sein.

Aufmacherbild: Computer Code HTML on monitor von Shutterstock.com / Urheberrecht: spaxiax

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