Kolumne: Stropek as a Service

Ist die Ablehnung von Cloud und PaaS ein Generationenproblem?
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CoderDojo ist eine weltweite Bewegung, in deren Rahmen kostenlose Programmierclubs für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Jugendliche, die im Umgang mit dem Computer schon etwas Erfahrung gesammelt haben, erstellen hier mithilfe von Cloud und PaaS oftmals ihre ersten Webseiten.

In meiner Freizeit bin ich im Linzer CoderDojo aktiv. CoderDojo ist eine weltweite Bewegung, in deren Rahmen kostenlose Programmierclubs für Kinder und Jugendliche angeboten werden.

Jeden zweiten Freitag treffen sich im Linzer CoderDojo dreißig bis vierzig Kids mit rund zehn Mentoren. Gemeinsam wird an verschiedenen Softwareprojekten gearbeitet. Jugendliche, die im Umgang mit dem Computer schon etwas Erfahrung gesammelt haben, erstellen hier oftmals ihre ersten Webseiten. Sie starten mit einfachem HTML und CSS und arbeiten sich schließlich zu JavaScript und TypeScript voran. Natürlich ist man stolz auf die ersten, konkreten Ergebnisse und möchte sie im Verwandten- und Bekanntenkreis umherzeigen.

Keine Lust auf langweilige Server

Im Geschäftsleben predige ich immer, dass es Cloud und PaaS ermöglichen, sich auf seine eigentliche Entwicklungsarbeit zu konzentrieren. Die CoderDojo-Kids zeigen, wie das geht. Sie sind IT-Neulinge und wollen von mir nichts über professionelles Servermanagement hören, bevor sie ihre Werke ins Internet stellen und am nächsten Tag in der Schule mit ihrer mobilen Web-App glänzen können. Server sind für sie von gestern. Die App muss stabil und schnell laufen. Wie das im Hintergrund funktioniert, ist ihnen egal. Es gibt natürlich auch die Kids, die hacken und tiefer graben wollen. Diese haben am Konfigurieren eines Web- oder DB-Servers allerdings ebenfalls keinen Spaß, sondern tauchen gleich in die IoT-Welt von Raspberry oder Arduino ein.

Kids mit Weltklasse-Infrastruktur

PaaS-Dienste in der Cloud sind für die CoderDojo-Kids genau das Richtige. Die Webseite landet auf GitHub-Pages, und schon hat man sich den Webserver gespart. Das Web-API für das entwickelte Mini-Game wird im Azure App Service betrieben – kein Server ist zu installieren, keine Updates sind zu beachten und über den Free-Plan kann Software dauerhaft kostenlos betrieben werden. Man benötigt eine kleine Datenbank zum Speichern von Spielerdaten und Spielständen? Kein Problem: Eine kostenlose MongoDB-Datenbank bei Azure, AWS oder Google ist in Nullkommanichts bei mLab angelegt. Die Wartung wird ebenfalls von mLab erledigt.

Sieht man sich Dienste wie die zuvor genannten genauer an, wird schnell klar, dass die CoderDojo-Kids damit auf Weltklasse-Infrastruktur aufbauen. Cluster sind die Regel, keine Ausnahme. Neueste Sicherheits- und Verschlüsselungsstandards sind von Haus aus vorhanden und können in vielen Fällen nicht einmal abgeschaltet werden. Zertifikate für SSL? Kein Problem, darum kümmern sich die PaaS-Provider. Selbst wenn eines unserer Kids durch Zufall ein Blockbuster-Game entwickeln würde, wären sie gerüstet. Der Umstieg von kostenlos auf die hoch skalierbaren, kostenpflichtigen Preispläne ist eine Frage von Kreditkarten und ein paar Mausklicks.

Machen wir uns abhängig?

In persönlichen Gesprächen zu diesem Thema höre ich an dieser Stelle regelmäßig das Argument, dass diese Entwicklung gefährlich sei. Wir machen uns abhängig von irgendwelchen Cloud-Anbietern und wissen nicht mehr, was im Hintergrund passiert. Echte Profis benötigen die Kontrolle über alle Prozesse und Einstellungen, höre ich dann.

Ich bin nicht dieser Meinung. Durch Cloud, PaaS und SaaS verschiebt sich nur das Abstraktionsniveau für Softwareentwickler. Auch ohne Cloud ist man bereit, auf Hardware, Betriebssystem, Treiber, Datenbanken, Frameworks und vieles mehr aufzubauen, ohne diese Komponenten bis ins letzte Detail verstanden zu haben. Die Anforderungen der Endbenutzer an moderne Software steigen rasant. Als Konsequenz wird Softwareentwicklung in ebenso schnellem Tempo komplexer. Arbeitsteilung und Spezialisierung sind unumgänglich.

Weniger Kontrolle, aber auch weniger Verantwortung

IT-Profis in meinem Alter sind mit Servern aufgewachsen. Ich denke schon fast nostalgisch an die Zeiten zurück, in denen ich mein Geld damit verdient habe, Datenbank-Cluster beim Kunden aufzubauen und in unterkühlten Rechnerräumen Server zu konfigurieren. Eine App einfach so in die Cloud hochzuladen und darauf zu vertrauen, dass sich jemand anderes um die Infrastruktur kümmert, hinterlässt ein unangenehmes Gefühl von Kontrollverlust im Bauch.

Wenn man aber ganz ehrlich ist, waren die früher üblichen, kleinen Rechnerräume mit den paar Dutzend Servern eine unprofessionelle Bastelei im Vergleich zu heutigen Cloud-Anbietern. Mit der Kontrolle gibt man Verantwortung ab. Die großen Cloud-Provider können Skaleneffekte nutzen, um Qualität zu steigern und damit der Verantwortung professioneller nachzukommen, als es für kleine Teams möglich wäre.

Generationenwechsel

Ich vermute, dass unsere CoderDojo-Kids, die von Anfang an mit Cloud-Diensten aufwachsen, PaaS und Serverless Computing anders wahrnehmen, als wir „eingesessenen Profis“. Es wird sich für sie ganz natürlich anfühlen. Einen Server selbst zu installieren, wird für sie vielleicht einmal zu einem interessanten Do-it-Yourself-Hobbyprojekt, aber wahrscheinlich nichts für ernsthafte Projekte.

Braucht also niemand mehr die IT-Admins, die sich mit allen Feinheiten von Servern von Hardware bis Betriebssystem auskennen? Doch, sie werden noch gebraucht. Allerdings werden sie meiner Einschätzung nach bei den Cloud-Providern arbeiten und dort dafür sorgen, dass wir Entwickler auf sicheren und skalierbaren Plattformen aufbauen können.

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In der Kolumne greift Rainer Stropek spannende Aspekte wie die Finanzierung, den Customer Lifetime Value, aber auch wichtige Themen wie Billing, Kundenbindung durch Qualität oder APIs auf – alles aus der Sicht eines Unternehmers, der seit 20 Jahren in der IT-Branche tätig ist und seit fünf Jahren intensive Erfahrungen mit SaaS gesammelt hat.

 

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