Interview mit Eberhard Wolff

Architekturen für die nächste Generation der IT
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Die Business Technology Days wollen nicht weniger, als die Idee der „Next Generation of IT“ durch beispielhafte Sessions in die Breite zu tragen. Eberhard Wolff, freiberuflicher Architekt und Leiter des Technologiebeirats der adesso AG, ist als Speaker und Advisor der BT Days einer der Köpfe hinter dieser Idee und hat mit Uwe Friedrichsen die Prinzipien der Next Generation of IT formuliert. Wie sich diese nächste Generation der IT auszeichnet, und wie sie in den Sessions auf den BT Days zum Tragen kommen, klären wir mit Eberhard Wolff in einem Interview.

Eberhard, du sprichst von einer „neuen Generation der IT“. Was zeichnet diese aus?

Eberhard Wolff: Von der IT aus verbreiten sich agile Prinzipien immer weiter in die Unternehmen – Produktentwicklung wird durch Prinzipien wie Lean Enterprise ebenfalls in Iterationen gelebt -, und dabei werden neben IT auch Marketing oder Vertrieb einbezogen. So wachsen nicht nur IT-Bereiche wie Betrieb und Entwicklung im Rahmen von DevOps zusammen, sondern die Kollaboration geht über die IT hinaus.

In der IT findet Agilität die Fortsetzung in Continuous Delivery. Die Ergebnisse einer Iteration ist nicht mehr nur Software, die theoretisch von Benutzern verwendet werden kann, sondern die Software wird tatsächlich in Produktion genommen. Danach kann der Geschäftserfolg der Änderungen gemessen werden.

Das hat einige Konsequenzen: Ohne Virtualisierung und Cloud können die notwendigen Infrastrukturen gar nicht schnell genug zur Verfügung gestellt werden. Nur NoSQL-Datenbanken sind flexibel genug, um die notwendige Geschwindigkeit bei den Änderungen in den Datenstrukturen zu ermöglichen. Genau diese Auswirkungen auf Technologie und Architektur stehen im Mittelpunkt meines Vortrags auf den BT Days.

W-JAX 2014 - BT Days 2014
Die Business Technology Days 2014 finden vom 3. bis 6. November parallel zur W-JAX 2014 in München statt. Tipp: Bis nächsten Donnerstag, 19. Juni, profitieren Sie für beide Konferenzen noch von den Frühbucherrabatten. Infos unter http://btdays.de/2014/ bzw. www.jax.de.

Kann man das Generationenbild so weit treiben zu fragen, was diese Generation von der alten erbt?

Eberhard Wolff: Der Übergang ist – wie eigentlich immer – eher eine Evolution als eine Revolution. Die Ansätze sind ja nicht neu. Aber durch die gemeinsame Nutzung aller dieser neuen Technologien und der Techniken wie Lean Startup oder DevOps wird das Ganze mehr als die Summe der einzelnen Teile. Außerdem geht es darum, wie Firmen und Unternehmen die Möglichkeiten nutzen, um noch besser im Wettbewerb zu bestehen. Genau in dem Bereich gibt es meiner Meinung nach viele spannende Möglichkeiten.

In deiner Session auf den BT Days, sprichst du über die Architektur der nächste Generation von Business-Systemen, was sind deren Merkmale?

Eberhard Wolff: Als Reaktion auf die notwendige Geschwindigkeit ist beispielsweise die Aufteilung von Systemen in Microservices sinnvoll. So kann bei einer notwendigen Änderung einfach einer der Services neu deployt werden – so sinken Aufwand und Risiko von Änderungen, und es können schneller mehr Änderungen ausprobiert werden. Das stellt die Architektur natürlich vor völlig neue Herausforderungen. Ebenso muss die Software nicht nur ein Monitoring aus Betriebssicht, sondern auch aus Geschäftssicht ermöglichen. Und auch mit Skalierung und der Bereitstellung von Testumgebungen muss anders umgegangen werden, um die notwendige Geschwindigkeit zu erreichen.

Woran erkennt man den Vorteil bzw. Erfolg dieser Architekturen?

Eberhard Wolff: Die Architekturen müssen das Geschäft unterstützen: also zum einen Informationen liefern, wie erfolgreich die Software gerade am Markt ist – welcher Umsatz wird mit welchen Bestandteilen erzeugt? Wie sehr werden Features tatsächlich genutzt? Und dann müssen auf Basis dieser Informationen Entscheidungen gefällt werden. Wo sollen Änderungen stattfinden? Die Software muss es dann ermöglichen, diese Änderungen möglichst schnell durchzuführen. Also geht es einerseits um das Gewinnen von Informationen aus der Software und andererseits um die Möglichkeit, aus diesen Informationen Konsequenzen zu ziehen und die Software zu ändern oder zu ergänzen.

Haben diese Veränderungen auch Auswirkungen auf die Organisation eines Unternehmens oder den Markt?

Eberhard Wolff: Um die Entscheidungsprozesse zu beschleunigen, können cross-funktionale Teams gebildet werden, die jeweils einen Teil der Software weiterentwickeln und betreiben – aber vor allem am Markt positionieren und notwendige Änderungen identifizieren. Dadurch wird die gesamte Organisation agil – nicht nur die Software-Entwicklung. Unternehmen sind dann eher auf Durchlaufzeiten und Änderbarkeit optimiert.

Eberhard Wolff (http://ewolff.com) arbeitet als freiberuflicher Architekt und Berater. Außerdem ist er ist Java Champion und Leiter des Technologie-Beirat der adesso AG. Sein technologischer Schwerpunkt liegt auf Spring, NoSQL und Cloud.

Seine Sessions auf W-JAX / Business Technology Days:

Microservices – weder Micro noch Service?

Spring Boot – Spring einfach & ohne App Server

Application Server sind tot!

Der pragmatische Architekturworkshop

Softwarearchitekturen für die nächste Generation Businesssysteme

Mirko Schrempp

Autor

Mirko Schrempp

Mirko Schrempp ist seit 2006 Redakteur bei Software & Support Media. Seine Themengebiete reichen von der Anwendungsentwicklung, über Mobile-, Web- und Cloud Computing, agiles Projektmanagement und Business Process Management bis hin zu komplexen Enterprise Architekturen in der Java und Microsoft-Welt. Er hat das Business Technology Magazin mit- und weiterentwickelt und Leitet den Windows Developer und das SharePoint Magazin. Zudem ist er im Advisory Board der Konferenzen BASTA!, JAX und Business Technology Days.

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