Aus dem Leben eines Hardwareentwicklers

Buchtipp: The Hardware Hacker
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Wer elektronische Güter produziert, entwickelt über kurz oder lang die Lust, seine Produktion in China abzuwickeln. Der in Amerika lebende, aber chinesischstämmige Andrew „bunnie“ Huang ist unter anderem für seine Arbeit beim Hardware-Start-up Chumby bekannt; in diesem fälschlicherweise als Autobiografie vermarkteten Werk spricht er über die Praxis des Hardwareentwicklers.

Das in mehrere Abschnitte aufgeteilte Werk beginnt mit einer Aufzählung diverser Erlebnisse in den Hardwareproduktionsstätten Chinas. Die Storys und Anekdoten sind in mehrerlei Hinsicht interessant: Erstens erfährt man den einen oder anderen Kniff, den man sonst nur schwer herausfindet. Zweitens gibt bunnie jede Menge Hinweise, wie man die Zusammenarbeit mit chinesischen Lieferanten so optimal und gewinnbringend wie möglich gestalten kann. Der zweite Teil des Werks wendet sich der Frage zu, wie geistiges Eigentum in China gehandhabt wird. Die Vorstellung des als Gongkai bezeichneten und vom Konzept her an das Hawaladar-Überweisungssystem erinnernden Systems ist insofern interessant, als dass bunnie als Muttersprachler Informationen und Einblicke gewähren kann, die dem durchschnittlichen Nutzer bzw. Besucher verschlossen bleiben. Interessant ist in diesem Abschnitt auch eine Besprechung von Halbleiterfälschungen. Sie unterscheidet sich hier insofern von akademischeren Abhandlungen des Themas, als dass bunnie sehr detailliert auf die Herkunft der Fälschungen eingeht und so Hintergrundwissen zur Entwicklung von eigenen Verfahren zur Bekämpfung von Halbleiterfälschungen liefert. Die Forschungen im Bereich SD-Kartenfälschungen sind auch für all jene wertvoll, die solche in eigenen Produkten einsetzen.

Der dritte Teil des Werks beobachtet drei Produkte aus dem Hause Chumby und betrachtet ihren Lebenszyklus aus holistischer Sicht. Dies ist insofern spannend, dass bunnie Hinweise über die Ursachen für die Erfolge und die Fehlschläge sowohl von VC-finanzierten als auch von per Kickstarter und Co. monetisierten Hardware-Entwicklungsprojekten gibt. Zu guter Letzt folgt ein vierter Teil, der sich mit der Methode des Reverse Engineerings auseinandersetzt. bunnie greift hierbei beispielsweise den Bootloader eines weit verbreiteten Chipmikrocontrollers und auch einige andere Hardware an. Am Ende des Werks findet sich ein Kapitel zu Bioinformatik und eine Zusammenstellung von besonders lesenswerten Interviews.

Auch wenn No Starch Press das als Hardcover vorliegende Buch in schwarz-weiß druckt, legt der Autor eine Vielzahl von Bildern bei, die das auch für Nichtmuttersprachler nicht allzu schwer lesbare Buch vertiefen. Huang ist aus Interviews als passender und spannend erzählender Gesprächspartner bekannt, das Werk taugt daher auch als Abendlektüre. The Hardware Hacker muss trotz des eher reißerischen Titels einen Fixplatz auf dem Regal jeder Person haben, die sich professionell oder semiprofessionell mit der Entwicklung von Hardware befasst. Wer häufig bei AliExpress oder Alibaba einkauft, wird den Kauf des mit rund 18 Euro nicht allzu teuren Buchs mit Sicherheit nicht bereuen.

Autor(en) Andrew „bunnie“ Huang
Titel The Hardware Hacker
Untertitel Adventures in Making and Breaking Hardware
Seiten 416
Preis 17,99 Euro
Verlag No Starch Press
Jahr 2017
ISBN 978-1-59327-758-1

 

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