Entscheidungsfindung: Desktop oder Web?

Desktop-App vs. Web-App – Was ist die bessere Wahl?
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Bereits seit mehreren Jahren erhitzen sich die Entwickler-Gemüter an der Frage, welche denn nun der bessere Ansatz ist – Desktop- oder die Web-App. Bereits 2012 wurde propagiert, dass die Desktop-App tot sei. Doch immer mehr Developer von Web-Apps wagen den Schritt zurück zum Desktop. Bleibt also die Frage, was die sinnvollere Variante ist – der Antwort nähern wir uns mit diesem Artikel.

Sollte man eher Desktop- oder Web-Apps entwickeln? Das ist die Frage der Stunde. Der Niedergang der Desktop-App wurde bereits 2012 von unterschiedlichsten Mobile-Experten verkündet; dennoch ist zu beobachten, dass zahlreiche Services zu stationären Apps zurückkehren. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile, die man beleuchten muss, um eine aussagekräftige Antwort geben zu können.

Vorteile von Desktop-Apps

Als herstellerspezifische Applikationen werden Desktop- bzw. Native Apps lokal auf dem Rechner bzw. dem mobilen Gerät installiert und laufen nur dort. Ihre Vorteile kurz zusammengefasst:

  • durch spezielle Konzipierung und Optimierung vor allem für komplexe oder rechenintensive Vorgänge geeignet
  • auf dem Endgerät lassen sich beliebig viele Daten (genug Speicherplatz vorausgesetzt) speichern, auf die jederzeit zugegriffen werden kann – im Idealfall auch offline
  • meist können nur native Apps auf die Gerätehardware zugreifen, wie zum Beispiel auf Kamera oder Gyroskop
  • Hosting ist in der Regel günstiger

Vorteile von Web-Apps

Eine Web-App ist prinzipiell eine speziell programmierte HTML(5)-Website, die auf einem Endgerät angezeigt wird. Die App wird im Browser dargestellt, die Daten liegen aber auf einem Webserver. Die Vorteile im Überblick:

  • funktionieren mit (fast) allen Betriebssystemen und allen Smartphones
  • dank HTML5 ist mittlerweile auch die Offline-Speicherung (local storage) von Daten möglich
  • Installation von Software entfällt, dennoch kann die Web-App auf dem Homescreen verfügbar bleiben (Speichern der App als Lesezeichen)
  • Entwicklung meist günstiger und unkomplizierter als für ein spezielles Betriebssystem

Entscheidungsfindung: Desktop oder Web?

Am Vergleich der Vor- und Nachteile von Desktop-Apps und Web-Apps zeigt sich, dass nicht die Frage nach besser oder schlechter eine Rolle spielt. Es gilt vielmehr, die Anforderung an eine App genau zu klären!

Falls eine App nicht unbedingt als Native App konzipiert werden muss, ist es meistens sinnvoll, der Web-App den Vorzug zu geben: Denn diese ist sowohl browser- als auch betriebssystemkompatibel und zudem deutlich unkomplizierter in Erstellung und Wartung. Stellt man als Entwickler aber Anforderungen, die eine Web-App nicht erfüllen kann, wie etwa der Zugriff auf Hardwarefunktionen, die Speicherung von großen Datenmengen auf dem Device oder die Durchführung von komplexen Berechnungen, sollte über eine Native App nachgedacht werden. Es gibt allerdings auch noch eine dritte Möglichkeit, die beide Komponenten vereint: Hybrid-Apps treten den Siegeszug an, wie Laura Elizabeth in „Should You Develop a Desktop or Web App?“ schreibt.

Hybrid-App: Entwicklers Glück?

Unter einer Hybrid-App versteht man die Kombination von Web- und Desktop-App: Mithilfe von speziellen Frameworks (beispielsweise React Native oder Ionic) lässt sich ein nativer Container um die Web-App bauen. So wird die Nutzung der Hard- und Software-Komponenten des Endgeräts möglich. Da die Hybrid-App für alle Plattformen zugleich entwickelt wird, sinkt auch der Kosten- und Testaufwand. Sie ist allerdings nur für mobile Geräte zugänglich.

Auch wenn Hybrid-Apps alle Vorteile von Native und Web vereinen, erben diese auch teilweise deren Nachteile. Hybrid-Apps nutzen die Funktionalitäten einer Web-App, sind deswegen nicht betriebssystemnah und müssen dadurch immer mit der Zwischenschicht des Browsers agieren. Daraus können sich bei rechenintensiven Funktionen bzw. Anwendungen Performance-Probleme ergeben.

Zukunft der App-Entwicklung

Ein weiterer Ansatz für App-Entwicklung besteht in den sogenannten Multi-Channel-Apps: Diese laufen wie die Hybrid-Apps auf den unterschiedlichen Betriebssystemen, unterscheiden sich aber von diesen dadurch, dass sie nicht nur für Mobilgeräte, sondern für alle Devices einsetzbar sind. Durch Multi-Channel-Apps bleibt die User Experience auf jedem Gerät konstant, allerdings haben sie mit den gleichen Schwierigkeiten wie Hybrid-Apps zu kämpfen.

Die Debatte, ob nun Web- oder Native App die bessere Wahl ist, findet Matt Asay mehr als überflüssig. Im Artikel „Can We Please Stop Fighting The Native vs. Web App Wars?” stellt er die These auf, dass es nicht darauf ankommt, wie eine App entwickelt wurde, sondern darauf, dass die App gut funktioniert. Wenn Entwickler von Native Apps sprechen, seien damit sowieso Hybrid-Apps gemeint, denn die meisten Apps beinhalten HTML-Code:

However such apps are technically achieved, however, the song remains the same: hybrid. That’s how modern mobile apps are built, even when we call them „native.“

Wie immer hängt es aber schließlich davon ab, welche Intention man bei der Entwicklung einer App verfolgt und welche Nutzergruppe man ansprechen möchte. Die Kombination aus Web- und Native App, sprich die Hybrid-App, stellt jedenfalls einen vielversprechenden Weg in der (mobilen) App-Entwicklung dar.

Aufmacherbild: Which weighs more, a pound of gold or a pound of feathers von Shutterstock / Urheberrecht: Edward Fielding

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