Das waren die wichtigsten Entwicklerthemen 2015 - Teil 4

Docker, DevOps & Co., Ember & Projekt Roslyn – unser Jahresrückblick
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Mit großen Schritten bewegen wir uns in Richtung Jahresende. Zeit zurückzublicken und das Jahr Revue passieren zu lassen. In einer Artikelserie greifen wir die wichtigsten Themen aus 2015 auf – welche Technologien, Ereignisse und Trends haben Entwickler in diesem Jahr besonders bewegt und interessiert? In dieser Ausgabe blicken wir auf die Neuerungen rund um Docker, DevOps & Co., die Weiterentwicklung der JavaScript-Library Ember und die neue .Net Compiler Platform aka „Projekt Roslyn“.

Docker, DevOps & Co.

2014 war das Docker-Fieber ausgebrochen – und es ist auch 2015 kaum abgekühlt. Die Container als Heilsbringer. War in der Vergangenheit insbesondere deren Verwaltung problematisch, hat Docker die Situation ordentlich umgekrempelt: Containermanagement ist jetzt so einfach wie nie. Deswegen hat Docker im Jahr 2015 in den verschiedensten Bereichen der Entwicklerwelt Interessierte, Freunde und Follower gefunden. Sei es die Orchestrierung von Microservices mit Docker und Consul, zentralisiertes Logging mit dem ELK-Stack, die Umsetzung von Java-Integrationstests, der Betrieb von .NET-Anwendungen mit Docker, die Containerisierung von NGINX, PHP und MySQL für eine WordPress-Applikation oder das Aufeinandertreffen von Docker und RaspberryPi – die Vorteile, die die vielfältige Containertechnologie Entwicklern bietet, liegen auf der Hand.

Natürlich haben uns auch die „traditionellen“ Docker-Themen in diesem Jahr beschäftigt: die Implementierung von Continuous Deployment mit Docker, der elegante Umgang mit Netzwerkservices oder das Test-driven-Development mit Docker.

DevOps zählt hingegen bereits seit 2009 zu einem der meist diskutierten Themen auf IT-Konferenzen und bei der Frage nach der besten Arbeitsweise. Was von Gartner im Jahr 2011 noch als Technology Trigger bewertet wurde, ist im Jahr 2015 zum Mainstream geworden. Umso elementarer ist es, zu verstehen, wieso DevOps-Kultur so wichtig ist – und wie man sie am besten integriert.

Auch der sich selbst als DevOps-Extremistbezeichnende Paul Stack hob in seiner BASTA! Keynote „The Transition from Product ot Infrastructure“ den Einfluss der Systemadministratoren hervor, wenn es darum geht, bessere Produkte in kürzerer Zeit zu liefern. Stacks Überzeugung ist, dass nur Code, der im produktiven Einsatz war, fertiger Code ist. Denn erst wenn Code produktiv läuft, erzeugt er Wert. Schließlich endet die Softwareentwicklung nicht mit dem Deployment, wie Stack im Interview noch mal untermauerte.

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Die Frage, wie DevOps nicht nur in der Startup-Szene, sondern auch in Enterprise-Szenarien einen kulturellen Wandel bewirken kann, versuchte John Willis (Evangelist, Docker) in seiner Eröffnungskeynote der DevOps Conference 2015 im Rahmen einer Bestandsaufnahme der DevOps-Bewegung von ihren Anfängen 2008/2009 bis zum kürzlich erschienenen DevOps Survey 2015 zu beantworten.

Der eigentliche Grundgedanke von DevOps ist das Einrichten einer Schnittstelle zwischen Operators, Developern und Quality Assurance – und nicht die Einrichtung einer gesonderten DevOps-Rolle. Ein weiterer Punkt ist natürlich die Kosten- und Aufwandsreduktion beim Deployment. Doch eine besonders wichtige Sache sollte man nicht vergessen: die Performance. Also Tschüss Load Testing und willkommen, DevPOps?!

Ember

Es war ein bewegtes Jahr für das clientseitige JavaScript-Framework Ember.js. 2014 war fleißig an einer neuen Templating-Lösung gearbeitet worden, die im Februar 2015 mit der Einführung der HTMLBars-Templating-Engine in Ember.js 1.10 zur Verfügung stand und insbesondere auch die Rendering-Performance verbessern sollte. Auch die Beta-Version von Ember.js 1.11 hielt einige neue Features bereit, u.a. die Möglichkeit, if-Helper zu inlinen sowie ein intuitiveres API zum Binding von Attributen.

Im April gab dann Tom Dale im Ember-Blog bekannt, dass ab Ember 2.0 der Internet Explorer in Version 9 Mindestvoraussetzung für die Nutzung von Ember.js sei und dass Ember.js 1.13 das letzte Release des 1.x-er-Release-Zweigs des Frameworks sein werde. Für die meisten User solle jedoch das Upgrade von Version 1.13 zu 2.0 durch Embers „Semantic Versioning Guarantee“ problemlos möglich sein.

Die „Road to Ember 2.0“ machte dann Ende Juni noch einen Stop: Ember Data V1.13 war nicht nur ein besonders umfangreiches Release, das den Weg für Ember Data – und Ember.js 2.0 – ebnen sollte, sondern gleichzeitig vollständig abwärtskompatibel mit der zuletzt erschienen Beta-Version der Library war. Der erste Stable Release unterstützte das API im gesamten Ember-Data-Stack und kam u.a. mit einem vollständig unterstützten JSON-API-Adapter- und Serializer daher.

Mitte August war es dann endlich soweit: Ember.js 2.0 erblickte das Licht der JavaScript-Welt. Doch obwohl die neue Version des Frameworks ein Major-Release war, gab es diesmal keine neuen Features. Stattdessen hatte man sich auf das Entfernen von deprecated APIs konzentriert – und schob schon wenige Tage später direkt Ember.js 2.1 Beta hinterher.

Vor wenigen Wochen meldete sich das Ember-Team dann mit Ember.js 2.2 und 2.3 Beta nochmals zu Wort. Die am 16. November vorgestellte neue Minor-Version brachte keine neuen Features, dafür aber einige Bug-Fixes sowie Performance-Verbesserungen mit sich. Deutlich spannender war da schon der Ausblick auf die kommende Framework-Version Ember.js 2.3. Die zur Verfügung stehende Beta der neuen Ember-Version brachte einige neue Features mit sich; zudem gibt es eine wichtige Deprecation zu beachten.

Zu den Neuerungen zählt zum Beispiel die Einführung einer neuen visit-Methode für Ember.Application– und Ember.ApplicationInstance-Objekte, die mehrere Konfigurationsoptionen akzeptiert. Neu ist außerdem der (hash-Helper sowie das neue Contextual-Components-Feature. Es erlaubt das private Teilen von Daten zwischen mehreren Komponenten, kann dabei aber flexibel aufgerufen werden. Contextuale Komponenten werden mit der nested Form des component-Helpers erstellt; zusätzlich können ihnen Attribute und positionelle Parameter übergeben werden.

Den bisherigen Jahresabschluss bildeten zwei neue Versionen für die Library Ember Data. Ember Data 2.2 brachte vor allem zahlreiche Bug-Fixes sowie einige Verbesserungen der Dokumentation mit sich. Neu in Ember Data 2.3 Beta ist die Art und Weise, wie Ember Data erhalten wird. Bisher wurde die Library als Bower-Package verteilt; ab der kommenden Version von Ember Data soll sie als Ember-CLI-Addon gepackt und verteilt werden.

„Projekt Roslyn“ alias die neue .NET Compiler Platform und  C# 6

Mit dem Erscheinen von Visual Studio 2015 verließ auch „Projekt Roslyn“ die Entwicklungsphase, in einem Atemzug mit der offiziellen Umbenennung in .NET Compiler Plattform. Dabei handelt es sich um eine von Microsoft entwickelte Plattform, die die Compiler für die .NET-Porgrammiersprachen C# und Visual Basic .NET enthält. Seit Januar steht die Plattform Open Source auf GitHub bereit, zuvor war sie auf CodePlex verfügbar. Natürlich hat die neue Compiler-Plattform noch Ecken und Kanten, ist aber trotzdem weit mehr als nur eine unwichtige Änderung im Hintergrund. Der Start des Projekts liegt nun schon einige Jahre zurück, und seither hat das Team rund um C#-Macher Anders Hejlsberg viel geleistet: Modulare Architektur, höchste Anforderungen an Kompatibilität und Performance, offene APIs ohne Abhängigkeiten zu Visual Studio, Plattformunabhängigkeit – die Liste der Verbesserungen ist lang.

Im Zuge des Roslyn-Projekts wurde in diesem Jahr außerdem eine neue C#-Version veröffentlicht – C# 6 – die einige interessante neue Sprachfeatures bietet, wie zum Beispiel den primären Konstruktor, der das Anlegen von Konstruktoren deutlich erleichtert. Aber auch die Field-Parameter, die Schlüsselworte await und async sowie der Null-Propagating-Operator können sich als durchaus nützlich erweisen. Und auch wenn C#6 keine sicherheitsrelevanten Änderungen enthält, gibt es Neuigkeiten rund um die Sicherheit. Alles was Sie dazu wissen müssen, finden Sie detallliert im Beitrag „Wie sicher ist C# 6?“ zusammengefasst.

Diversity in der IT

In manchen Bereichen ist die IT-Branche ganz und gar nicht so dynamisch wie man vielleicht annehmen mag. Insbesondere beim Thema Diversity gibt es Nachholbedarf, denn in vielen Köpfen hat sich der Diversity-Gedanke noch nicht durch- bzw. festgesetzt. Insbesondere Frauen sind im Technologieksektor unterrepräsentiert. Aber damit nicht genug: Sie sind auch unterbezahlt, werden bei Beförderungen übergangen und sehen sich alltäglichem Sexismus ausgesetzt. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass Frauen öfter als Männer innerhalb eines Jahres ihren Job in diesem Bereich aufgeben. Wir haben uns damit auseinandergesetzt, warum das so ist und was getan werden muss, um das zu ändern.
Ein Schritt in die richtige Richtung war beispielsweise im April 2015 die Aktion rund um den Hashtag #ILookLikeAnEngineer, die Frauen in der IT-Branche dazu ermutigt, auf die vorherrschende Situation aufmerksam zu machen und für mehr Diversity zu werben.

Die Einsicht, dass eine einseitige Personalpolitik (wie das Einstellen von Mitarbeitern, die dem typischen Entwicklerklischee entsprechen: männlich, jung, Nerd), ein wirtschaftlicher als auch politischer Holzweg ist, ist ein weiterer guter Ansatzpunkt. Das gesellschaftliche Denken ist diese Richtung zu beeinflussen und vor allem andere zu motivieren, für mehr Diversity zu kämpfen, ist die Mission Juliette Reinders Folmer und Wouter Groenewold. In ihrer Keynote „DiversITy matters“ auf der International PHP Conference in Berlin nahmen sie die psychologischen und soziologischen Aspekte unter die Lupe, die den Weg zu mehr Diversität in der IT-Branche blockieren.

Auch Rebecca Garcia teilte in ihrer Keynote „Diversity in Tech“ auf der Herbstausgabe der IPC in München wichtige Ideen, um ein inklusives Arbeitsumfeld und eine diverse Kultur in der IT zu fördern. Denn Diversity ist Bereicherung – in allen Bereichen!
Bleibt uns nur noch zu betonen: Am Ende des Tages sollte sich jeder bewusst sein: Will man das Ziel mehr Diversity erreichen, müssen wir sie zuerst fördern!

Aufmacherbild: industrial port with containers von Shutterstock / Urheberrecht: hxdyl

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