Open-Source-Community macht seinem Frust in offenem Brief an GitHub Luft

GitHub vs. die Open-Source-Community: „Dear GitHub” als letzter Kommunikationsweg?
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Seit 2008 bietet GitHub die Möglichkeit, Software-Projekte zu erstellen und öffentlich zugänglich zu machen. Gerade in der Open-Source-Community ist der Repository-Hosting-Dienst damit zu einem wichtigen Bestandteil bei der Weiterentwicklung von Software-Lösungen geworden; darüber hinaus bietet die Plattform auch weitere Dienste wie GitHub Enterprise oder ein zugehöriges Bildungsprogramm an. Doch während GitHub ein integraler Bestandteil der Community ist, ist diese mit der scheinbar fehlenden Unterstützung seitens der Plattform unzufrieden – und hat diesen Frust nun in einem offenen Brief an GitHub zum Ausdruck gebracht.

Zur Sprache kommen dabei vor allem Probleme, die Projekt-Maintainer schon seit Jahren bemängeln; in erster Linie handelt es sich dabei um GitHubs augenscheinliche Unwilligkeit, von den Projekt-Maintainern angesprochene Schwierigkeiten auch tatsächlich zu beheben. Über 1.000 Entwickler und Projekt-Maintainer von Open-Source-Projekten haben den offenen Brief bereits unterzeichnet, darunter auch Vertreter großer Open-Source-Projekte wie Node.js, jQuery, React Native, Meteor, Bootstrap und Ionic.

„Dear GitHub …“

Initiator des als „Dear GitHub …“ veröffentlichten offenen Briefs an den Hosting-Dienst ist James Kyle. In einem Interview mit InfoQ erklärt er wie es überhaupt dazu kam. So liegt der Ursprung des Briefs in einer Twitter-Unterhaltung zwischen verschiedenen „high profile open source maintainers“, die ihren Frust über die mangelnde Kommunikation zwischen Projektleiter und Plattform Luft machen sowie die scheinbare Unwilligkeit zur Fehlerbeseitigung seitens GitHub kritisierten.

Die Idee, die Hauptprobleme in einem offenen Brief an GitHub zusammenzufassen, stieß auf viel Zustimmung in der Open-Source-Community, was sich nicht nur in der Anzahl der Beschwerden, sondern auch in den über 1.000 Unterzeichnungen widerspiegelt. Vor allem drei Punkte stehen dabei im Fokus:

  • wenig bis keine Möglichkeiten, Issue-Reports im Issue-Tracker anzupassen; fehlende Custom-Felder oder grundlegende Validierungsmöglichkeiten, die sicherstellen, dass alle benötigten Informationen – etwa getestete Versionen oder Anleitungen zum Reproduzieren des Problems – vorhanden sind
  • fehlendes Voting-System; Issues werden oft mit contentlosen „+1“-Kommentaren bewertet, die zwar in erster Linie die Verbreitung des Problems erkennen lassen, meist aber die Maintainer und Abonnenten der Issue „zuspammen“
  • Issues und Pull-Requests werden zu oft erstellt, ohne dass sich an die Contribution-Guidelines gehalten wird; Maintainer sollten die Möglichkeit haben, eine entsprechende Datei zu konfigurieren, die bei neuen Issues/Pull Requests oben angezeigt wird

Darüber hinaus sind der fehlende Support sowie der Mangel an wechselseitigen Kommunikationskanälen zwischen Projekt-Maintainern und GitHub einer der größten Kritikpunkte des offenen Briefs an die Plattform. Man fühle sich von GitHub ignoriert und erhielte nur leere oder gar keine Antworten auf Anfragen. Auch die fehlende Sichtbarkeit wie Entwickler-Requests gehandhabt werden und ob GitHub diese überhaupt bearbeitet, zählt zu den Hauptbeschwerden:

We have no visibility into what has happened with our requests, or whether GitHub is working on them. Since our work is usually done in the open and everyone has input into the process, it seems strange for us to be in the dark about one of our most important project dependencies.

GitHub muss reagieren

Im oben bereits angesprochenen Interview erklärt Kyle, dass GitHub reagieren muss. Ein offener Brief sei der letzte Weg, die Bedenken und Probleme an GitHub weiterzugeben, da die Betreiber der Plattform in der Vergangenheit nur zögerlich auf das Feedback aus der Community eingingen. Besonders auffällig sei auch, dass es vor allem auch die Maintainer großer, auf GitHub gehosteter Projekte sind, die den offenen Brief unterstützen.

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So könnte sich GitHubs Unwilligkeit, mehr auf die Community einzugehen, auch auf die Weiterentwicklung von Open-Source-Projekte auswirken. Dazu sagt Kyle:

It frightens me how stagnant GitHub has been over the last 3 or 4 years, the open source community relies heavily on it and it should continue improving just as any other product should.

Nur wie kann man eine Plattform verbessern, wenn die Betreiber scheinbar keine Anstalten machen, besser mit der Community zusammenzuarbeiten? Denn während GitHub zwar unzählige Open-Source-Repositories hostet, ist GitHub selbst nicht Open Source; dementsprechend können die Betroffenen Projekt-Maintainer keine eigenen Lösungen implementieren.

Gegenüber InfoQ hat mittlerweile ein GitHub-Sprecher auf den offenen Brief reagiert und erklärt darin, dass man an einigen der vorgeschlagenen Lösungen arbeite. Eine öffentliche Stellungnahme gibt es derzeit jedoch noch nicht.

„Thank You GitHub!“ als Reaktion der Community

Während der „Dear GitHub …“-Brief in der Community großen Anklang fand, gab es aber auch Gegenreaktionen – etwa in Form eines weiteren offenen Briefs unter dem Namen „Thank You GitHub!“. Darin bringen die Initiatoren vor allem ihre Dankbarkeit für GitHubs Arbeit im Bereich Open Source zum Ausdruck – immerhin vereinfacht die Plattform die Arbeit an Open-Source-Projekten gewaltig:

Nowadays doing Open Source is infinitely easier thanks to you, GitHub. You’ve provided the tools and the social conventions to make those days a thing of the past.

Aufmacherbild: businessman on debate von Shutterstock / Urheberrecht: Bplanet

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