Ein Kommentar von Peter Roßbach

Kommentar: “Die integrierte Orchestrierung von Docker ist eine radikale Vereinfachung für Entwickler”
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Die “Docker Wars” gehen in die dritte Runde. Nun hat sich auch ein Mitarbeiter von Red Hat öffentlich zur derzeit angespannten Lage um Docker geäußert: Daniel Riek, seines Zeichens Senior Director System Designs and Engineering. Er sieht einen Docker-Fork nicht als Patentlösung an, Docker Inc. allerdings durchaus als so etwas wie den Antagonisten der Szene. Wir haben uns den Stand der Dinge in der Diskussion angesehen und Docker-Experte Peter Roßbach um einen Kommentar gebeten.

Seit der Veröffentlichung von Docker 1.12 und der damit einhergehenden Integration des Orchestrierungs-Tools Swarm werden kritische Stimmen laut. Sogar von einem sogenannten Docker-Fork ist die Rede, auch wenn diese Idee bereits von Experten relativiert wurde. Benjamin Wootton, Mitgründer einer DevOps-Consultingfirma, sagte in seinem Kommentar hier auf entwickler.de:

Ein Docker-Fork ist einfach nicht realisierbar. Die Macher von Docker liefern einfach viel zu schnell und entwickeln Docker mit einem so rapiden Tempo weiter, dass jeder Fork oder neue Standard sehr bald ins Hintertreffen geraten würde. Eine Möglichkeit, sich mit einem Fork auf dem Markt zu etablieren, sehe ich daher als utopisch an.

In einem persönlichen Blog-Post hat sich nun auch Daniel Riek, Sr. Director im Bereich Systems Design and Engineering bei RedHat gegen einen Docker-Fork ausgesprochen. Er machte allerdings deutlich, dass der aktuelle Konflikt um Docker nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sei, denn immerhin handele es sich bei Containern um die Zukunft der anwendungsbasierten IT und des Linux-Betriebssystems. Riek kreidet Docker Inc. an, trotz der Veröffentlichung unter einer permissiven Open-Source-Lizenz die architektonische Ausrichtung der Container-Engine zu verändern, und zwar auf Kosten der Stabilität.

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Berlin: 14. – 16. März 2018

Führt “Aggro-Docker” zur Spaltung?

Den Grund für die derzeit angespannte Lage sieht Riek in der “aggressiven” Weise, mit der Docker Inc. seine Kontrolle ausübe. Die allgemeine Befürchtung einer Wiederholung der Fehler der Vergangenheit, also die tatsächliche Aufspaltung, wie es auch dem Linux-Ökosystem erging, sind seiner Ansicht nach eine reelle Gefahr, die dann im Umkehrkehrschluss Docker Inc. zu verantworten habe. Sein Vorschlag für eine vorübergehende Lösung:

I do think that it is time for the different parties who carry patches to merge their add-ons to the Docker project into a single, joint repository with some simple governance to reduce the redundancy and improve collaboration. Perhaps that would also help to get a better read on what people outside of Docker Inc. care about. I would suggest to move this vendor-add-on repository under the OCI umbrella. At the same time, this should not fork the Docker project and instead continue to follow an upstream-first approach trying to get the patches accepted into mainstream Docker.

Langfristig sei das Problem nur in einer engen Zusammenarbeit von Docker mit allen Mitgliedern der Community und der Open Container Initiative (OCI) zu lösen. Dazu sei aber kein Docker-Fork notwendig, sondern die Weiterentwicklung in die Richtung, in die Docker bereits selbst mit RunC gegangen sei:

Out of OCI provide a reference implementations as a set of distinct modules covering the core-runtime components. Individual projects and vendors can then choose to use these modules or implement their own compliant alternatives may it be OCID, Docker, rkt or others. The governance for this should be lightweight, focused on meritocracy based on technical contribution and not on company control or pay to play. Follow the Linux example!

Lesen Sie auch: Docker 1.11 bringt die Engine für die Zukunft

Wie Matt Assay von TechRepublic schreibt, geht es den “Insassen” darum, “das Irrenhaus zu leiten.” Unternehmen wie Red Hat sähen, so Assay, in Containern ihre Zukunft und gleichzeitig befürchteten sie, dass sie so etwas wie Bürger zweiter Klasse in der Container-Welt würden. Für Assay ist die Antwort auf die Frage, mit welchem Recht Docker es verdient, die Verwalter des Open-Container-Standards zu sein, recht eindeutig:

The answer, of course, is that Docker doesn’t need to “deserve” that honor. It owns Docker, and so far that ownership has not slowed Docker adoption. The day that changes is the right time to start talking about standardization.

Weniger Komplexität auf Betriebsmittelebene

Auch der Docker-Experte Peter Roßbach hat sich zur aktuellen Lage geäußert und eine Analyse der derzeitigen Situation im Container-Universum durchgeführt. Für ihn ist die Komplexität auf Anwendungsebene schon groß genug, da brauche es diese nicht auch noch in Betriebsmitteln wie den Containern.

Peter Roßbach hält seit Jahren Vorträge zur Container-Technologie und leitet Docker-Workshops auf Konferenzen wie der W-JAX. Auch in diesem Jahr veranstalten die Entwickler Akademie und das Entwickler Magazin das DevOps Docker Camp mit ihm als Trainer.

Peter Roßbach

Peter Roßbach

Die Situation im Markt rund um Docker ist wahrlich kompliziert! Erst einmal haben natürlich alle Parteien Recht. Nach der ersten Unmutsbekundung von Alex Polvi (CEO CoreOs) im November 2014, hören die Konflikte der Leader im Container-Universum nicht auf. Alle sehen die Chance, den IT-Markt aufzumischen und versuchen, ihre Lösungen schnell zu platzieren.

Docker Inc. hat sich mit ihren Community-Projekten sehr gut platziert und auch ihre mittelfristige Geschäftsvision wird langsam sichtbar. Ihr Marketing ist wirklich gut und die Geschwindigkeit ihrer Lieferungen überrascht die anderen Marktteilnehmer immer wieder. Für potentielle Partner ist das natürlich sehr häufig ärgerlich und kann als unkooperativ verstanden werden.

Schnellere Lösungen für zuverlässige Software

Im Kern geht es um die radikale Vereinfachung von IT-Aufgaben. Die IT soll einen enormen Beitrag zur Wertschöpfung von Unternehmen liefern. Der Markt braucht schnell Lösungen, um zuverlässige Software auf der gesamten Welt bereitzustellen, dafür bieten das Docker-Ökosystem, Mesos, Kubernetes und der Stack der Linux Cloud Native Foundation jede Menge innovativer Lösungen.

Wer zu welchem Zeitpunkt von diesen Ergebnissen mit seinen Produkten schon profitieren kann, ist eine persönlichen Herausforderung. Die Entscheidung, die man jetzt gerade fällt, kann schon morgen durch eine bessere ersetzt werden. Das ist für Kunden, Produzenten und die DevOps-Community eine komplizierte Situation: Jeder Wünscht sich Stabilität und Sicherheit, aber das ist gerade durch die schnellen Innovationen schwierig zu gewährleisten.

Mehr Gelassenheit und Mut

Dass die Docker-Community eine umfassende Lösung anbieten möchte, ist nicht neu. Gerade der Schritt, die Container-Orchestrierung mit Docker 1.12 von Haus aus zu liefern und die Öffnung von Docker auf Embedded System (ARM) in 1.12.1 zu integrieren, sind radikale Vereinfachungen für uns Entwickler und ein großer technologischer Fortschritt. Den Kampf mit der Komplexität haben wir schon in den Anwendungen, in Betriebsmitteln dürfen da keine zusätzlichen Hindernisse mehr sein.

Ich empfehle insgesamt ein wenig mehr Gelassenheit und Mut, eine Entscheidung auch wieder in Frage zu stellen. Nicht jede Lösung, die man gerade schafft, braucht auch morgen schon ein Update auf die neueste Technologie. Wir alle müssen lernen, dass die Systeme und Organisation eine schnellere Adaption an die Möglichkeiten des Marktes erfordern. Diese Beobachtung wird nicht immer und für jeden einfach zu akzeptieren sein. Ich freue mich jeden Tag darauf, neue Lösungen für Probleme im DevOps-Ökosystem zu finden, aber der produktive Einsatz muss weiterhin gut abgewogen sein.

Spannende Zeit stehen uns bevor…

Peter Roßbach ist ein Infracoder, Systemarchitekt und Berater vieler Websysteme. Sein besonderes Interesse gilt dem Design und der Entwicklung von komplexen Infrastrukturen. Er ist Apache Tomcat Committer und Apache Member. Mit der bee42 solutions gmbh realisiert er Infrastrukturprodukte und bietet Schulungen auf der Grundlage des Docker-Ökosystems, aktuellen Webtechnologien, NoSQL-Datenbanken und Cloud-Plattformen an.
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