Development

Der letzte Hauptkonferenztag der iJS/IPC 2019 in München

PHP ist kein totes Pferd, Domain Storytelling zur Teilung von Monolithen & Ivy kommt: 5 Take-aways des 3. Konferenztages der iJS/IPC 2019
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Der dritte und letzte Hauptkonferenztag der Schwesternkonferenzen iJS und IPC 2019 hielt wieder einige spannende und vor allem vielfältige Themen bereit. Die Take-aways geben Einblicke, wie man mit Domain Storytelling Monolithen zerteilt, dass PHP doch kein totes Pferd ist und dass man sich mit serverloser Arbeit eine Menge Aufwand ersparen kann.

Take-away #1: In kleinen Schritten: Die Evolution der Systeme

Es gibt kaum ein Start-up, das langfristig mit ihrer Gründungsidee am Markt geblieben ist. In der Regel wird erst eine Weile nach dem Markteintritt, das richtige bzw. erfolgreiche Geschäftsmodell gefunden. Doch wenn dieser Zeitpunkt gefunden ist, dann ist die Softwarearchitektur schon etabliert. Was also machen, um technischen Schulden, und festgefahrenen Systemen, die umgebaut oder erweitert werden müssen in den Griff zu bekommen?
Denys Bulakh, CTO des Startups Regiondo GmbH, zeigte in seiner Session wie die Transformation der Systeme in seinem Unternehmen gelang. Sein wichtigster Rat: Mit einer „Step by Step Evolution“ lassen sich einige Risiken minimieren. Das Risiko der neuen Implementierung ist auf einzelne Komponenten beschränkt, es lässt sich zudem besser planen, umsetzen und ausrollen. Doch wie geht man am besten vor? Beim Service Development sollte man zunächst die Technologie definieren. Dann die Endpunkte festlegen und danach Tests und die Implementierungslogik für genau definierte Endpunkte in die Wege leiten. Am Ende wird der neue Service mit der Applikation verbunden. Schritt für Schritt können so auch komplexe Systeme transformiert werden.

Take-away #2: Ein totes Pferd reitet sich noch ganz gut

Ist PHP ein „totes Pferd“ auf das man als Entwickler nicht setzen sollte? Schaut man sich die gängigen Rankings der Programmiersprachen an, so entwickelt sich PHP in den letzten Jahren kontinuierlich nach unten. Marcel Normann (WhereGroup) hat sich die Umfragen, Statistiken und Untersuchungen zu den Programmiersprachen einmal genauer angeschaut. Da wäre z. B. der TIOBE-Index, der die Google-Suchtreffer analysiert und so die Beliebtheit der Programmiersprachen misst. Doch was passiert, wenn Google seinen Suchalgorithmus verändert? Unschärfe ist auch bei anderen Rankings zu entdecken und leider werden größere Ausschläge bei den Programmiersprachen von den Ranking-Machern oftmals nicht inhaltlich kommentiert.

Trotzdem, auch wenn manchmal Statistiken lügen, scheint PHP schon seit Jahren unter Druck zu stehen, denn Mitbewerber holen sich Anteile bei der Webprogrammierung zurück. Zudem scheinen einige PHP Entwickler in der Web-Nische gefangen zu sein. Viele andere Programmiersprachen sind breiter aufgestellt. Es gibt einige Universitäten, die PHP gänzlich ignorieren. Ist also PHP nur noch für Entwickler-„Opis“ geeignet? Der Markt spricht eine andere Sprache: Insbesondere ältere Systeme sind im PHP Legacy-Code gefangen. Es gibt einige große Unternehmen, die auch die nächsten Jahre mit Sicherheit bei PHP bleiben werden. Und PHP entwickelt sich auch weiter, so dass spätestens mit PHP 8.0 mit einer Wiederbelebung zu rechnen ist. Schlussfazit: PHP ist mit Sicherheit kein totes Pferd!

Take-away #3: Ivy kommt – und bringt die Framework-Welt näher zusammen

Ivy ist das neue Herzstück von Angular, das mit dem Major-Release von Version 9 zum Standard im Framework werden wird. Ivy, also der neue Compiler von Angular, hat das Potenzial, Anwendungen deutlich zu verkleinern. Im besten Fall sogar um 90 Prozent, wie Manfred Steyer in seinem Talk zeigte. Je nach Anwendung können so Angular-Apps mit nur 14kB entstehen! Allerdings wird sich Ivy nicht auf alle Anwendungen so dramatisch auswirken und man dürfe keine Wunder erwarten, auch das betonte Steyer. Bibliotheken profitieren beispielsweise nicht davon, da Ivy sich auf den Kern des Frameworks beschränkt. Spannend ist und bleibt aber das Grundkonzept: Was nicht gebraucht wird, kommt nicht mehr in die Anwendung.

Ivy wird außerdem in diesem Jahr noch nicht in seiner finalen Fassung ausgeliefert, sondern nach und nach noch einige weitere Features erhalten. So wird Ivy es beispielsweise möglich machen, ohne ngModules, aber mit Higher Order Components zu arbeiten. Das klingt bekannt – sowas hat React nämlich auch. Somit bringt Ivy die Frameworks vielleicht ein Stück näher zusammen.

Take-away #4: Serverlos und statisch: Auf das Wesentliche konzentrieren

Wer serverlos arbeitet, erspart sich Aufwand und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das ist das Konzept statischer Websites, die mit dem JAMstack entwickelt und serverless deployed werden. Die Idee dahinter ist nicht neu, schon Anfang des Jahrtausends kam der Wunsch auf, Anwendungen ins Web stellen zu können, ohne die ganze Infrastruktur konfigurieren zu müssen. Heute geht das: Einerseits kann man damit Inhalte ausspielen, die auf dem Server generiert werden. Andererseits ist diese Architektur aber auch für Produkte geeignet, die Nutzereingaben verarbeiten. Ob also jederzeit die richtige Uhrzeit angezeigt werden soll – und dafür Minute für Minute deployed wird – oder Eis am Stil zusammengeklickt werden kann, das alles geht serverlos, wie Phil Hawksworth in seiner Keynote demonstrierte.

Take-away #5: So zerlegt man einen Monolith mit Domain Storytelling

Domain Storytelling und die Zerlegung eines Monolithen – wie passt das zusammen? In der Session von Henning Schwentner (Workplace Solutions) auf der IPC 2019 ging es darum, wie man Domain Storytelling benutzen kann, um einen Monolithen in mehrere Teile zu spalten. Einleitend stellte Henning Schwentner heraus, dass das Bedürfnis, Geschichten zu erzählen und damit Bilder zu erzeugen, bereits tief in uns verankert sei. Um genau dieses Grundbedürfnis geht es beim Storytelling: Komplexe Sachverhalten grafisch festhalten.

Wichtig ist, zu Beginn „die richtigen Leute“ in einen Raum zu bringen. Zu den Richtigen zählen zwei Gruppen: Zum einen die Entwickler, die wissen, wie die Domain funktioniert sowie die Domain-Experten, die die Geschichte erzählen. Im Anschluss geht es darum einzelne Subdomains ausfindig zu machen. Gerade, wenn man einen Monolithen zerkleinern möchte – also auf dem sogenannten Brownfield und nicht auf dem Greenfield beginnt, lohnt es sich, Teilbereiche festzulegen. An dieser Stelle verriet Henning Schwentner sein Geheimrezept.

Domain-Storytelling zur Spaltung eines Monolithen – Henning Schwentners Geheimrezept (Quelle: S&S Media)

Der erfolgreichen Teilung eines Monolithen liegen die folgenden Fragen zugrunde:

  1. Wie sollte es sein? (Collaborative Modelling, “ideal” context map)
  2. Wie sieht es aus? (Analyse der Architektur, as-is context map)
  3. Wie bewege ich das “is” ins “ideal”?

Erst einmal sollte man sich über die Gegebenheiten sowie über die Idee, wo es hingehen soll, klar werden. Außerdem rät Henning Schwentner allen Beteiligten, die einen Monolithen zerlegen möchten, auf die Erfahrung von Experten zurückzugreifen.

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