Krieg der Sprachen – Was Entwickler und Community gegen den sprachbasierten Snobismus tun können
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Es gibt unzählige Programmiersprachen und Tools auf dem Markt, und während jede Sprache und Tool durchaus seine Daseinsberechtigung hat, haben sie auch eine ganze Reihe Verfechter, die vehement gegen andere Sprachen wettern.

Dieser „sprachenbasierte Snobismus“ zieht sich mittlerweile durch die gesamte Software-Industrie und nimmt dabei Einfluss auf wichtige Entscheidungen wie beispielsweise die Einstellung eines Programmierers oder die Finanzierung eines Softwareprojekts.

Doch welche Faktoren beeinflussen diese Sprachkriege überhaupt und wie sollte mit den falschen Klischees umgegangen werden? Jean Yang und Ari Rabkin haben sich des Themas angenommen und bieten nicht nur mögliche Erklärungen, sondern auch Lösungsansätze.

„Mädchensprachen“ und „Männersprachen“

Bei der Trennung der sprachbasierten Gruppen geht es nicht nur um die Popularität einer Sprache, sondern vor allem auch um die Hierarchie innerhalb der Entwickler-Community, bei der manche Gruppen systematisch privilegiert werden, weil ihre Sparte als „echteres“ Programmieren wahrgenommen wird. So werden Entwickler nicht eingestellt, weil sie Kenntnisse in Sprachen haben, die als schwach oder unnütz abgestempelt werden. Dabei lässt sich anhand der Sprachkenntnisse keine Aussage über die tatsächlichen Fähigkeiten eines Entwicklers treffen.

Tatsächlich sind viele Verfechter solcher Vorurteile auf dem Holzweg, weil ihre sprachbasierten Klischees schlichtweg falsch sind. Einige Faktoren, die dabei typischerweise zur Sprache kommen, sind das Alter und das Geschlecht des Entwicklers. Aussagen wie Sprache X ist eine „Mädchensprache“ während Sprache Y die „Männersprache“ schlechthin sei, sind an der Tagesordnung. Schaut man sich allerdings Statistiken zur Verbreitung verschiedener Programmiersprachen an, zeigt sich schnell, dass es kaum einen Unterschied zwischen den Geschlechtern und ihren Kenntnissen von Programmiersprachen gibt.

Sprachenkrieg hat nichts mit den Sprachen zu tun

Angesichts solcher Diskrepanzen zwischen den Verfechtern einzelner Programmiersprachen stellt sich natürlich die Frage, wie es überhaupt zu solch einem Sprachenkrieg kam. Dazu erklären Jean Yang und Ari Rabkin:

These stereotypes came about because programmers confuse their strong views about languages with their views about the users of the languages.

Eigentlich hat der andauernde Sprachenkrieg nichts mit den Sprachen und ihren Einsatzmöglichkeiten zu tun. Die meisten Programmiersprachen sind sich ähnlich und bieten für ihr spezifisches Einsatzgebiet Vorteile gegenüber anderen Sprachen, sind aber in vielen Fällen nicht exklusiv dafür einsetzbar und manchmal sogar austauschbar.

Tatsächlich sind Vorurteile gegenüber Programmiersprachen soziale Konstrukte, die von sozialen Vorurteilen leben, die als objektive, technische Fakten getarnt werden. Die Beliebtheit einer Sprache richtet sich nicht danach, ob die klügsten Köpfe in der Community sie benutzen, sondern danach, ob sie für ein Projekt geeignet ist oder nicht. Auch wirtschaftliche Faktoren spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine Sprache eine Rolle, genauso wie die Bildung und Berufserfahrung.

Den Sprachenvorurteilen den Kampf ansagen

Lässt sich dem Sprachenkrieg überhaupt noch beikommen? Diese Frage lässt sich pauschal natürlich nicht beantworten. Es gibt allerdings einige Möglichkeiten, wie man die Vorurteile gegen bestimmte Programmiersprachen und deren Nutzer zurückdrängen kann.

Einerseits sollten Unternehmen ihre Entscheidung, wen sie für einen Entwicklerjob anstellen wollen, auf anderen Faktoren als den reinen Sprachkenntnissen basieren, denn die Kenntnis einer Sprache heißt noch lange nicht, dass der Entwickler auch in der Lage ist, sie möglichst erfolgreich für ein Projekt einzusetzen.

Andererseits liegt die größte Verantwortung, den Sprachenkrieg einzudämmen bei den Entwicklern und der Community. So sollten sie ihre „objektiven“ Meinungen zu Programmiersprachen hinterfragen und sich auch anderen Sprachen gegenüber öffnen und deren Daseinsberechtigung akzeptieren. Genauso müssen die sozialen Aspekte der Programmierwelt analysiert und in die Meinungsbildung miteinbezogen werden, um Entwickler nicht auf Basis von Alter, Geschlecht, Bildung oder anderen Faktoren auszuschließen – immerhin, so erklären Jean Yang und Ari Rabkin, bieten Programmiersprachen bereits

a technical framework for challenging the dominance hierarchies associated with them.

Aufmacherbild: Hierarchy – Multicolored wooden toy blocks and figures on white background von Shutterstock / Urheberrecht: qvist

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