Wenn aus heißem Scheiß lauwarmer Junk wird

The Law of the Hot Shit – alles kühlt mal ab…
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Regelmäßig stößt man als Entwickler auf Frameworks, Bibliotheken, Methoden – ganz einfach auf spannende Technologien, über die alle reden und einsetzen oder in Bälde einsetzen wollen. Eben die Technologien, die man gerne als „hot shit“ bezeichnet.

Doch leider gibt es mit dem heißen Scheiß ein Problem – irgendwann kühlt er ab. Der ehemals „hot shit“ kommt aus der Mode und wird von neuen Technologien überholt und abgelöst. Ja, in der schnelllebigen, dynamischen IT-Branche kommt es einem so vor, als ob es jede Woche einen neuen „hot shit“ gibt.

Frank Kleine, Software-Architekt bei 1&1 Internet, blickte in seiner Session „The Law of the Hot Shit“ auf der International PHP Conference 2015 hinter die Fassade des „hot shit“-Phänomens. Wie wird etwas zu „hot shit“ und warum kühlt es ab.

Heißer Scheiß ganz kalt

Was haben Singleton, SOAP, XML, manuelle Kompilierung, Application Server und Threads gemeinsam? Alle sind Technologien zu einem Zeitpunkt mal als DER heiße Scheiß galten. „Galten“ wohlgemerkt, denn diesen Status haben alle Beispiele längst verloren. Ein Schicksal, das jeden heißen Scheiss ereilt, manche früher, manche später.

Aber wieso kommt es zu dieser Art Kreislauf? Eine Technologie kommt raus, jeder denkt sie ist supercool, jeder will sie benutzen. Bis sie durch die nächste abgelöst wird.

Meinungen über Quellcode sind ambivalent

Ein Grund dafür sind nach Frank Kleines Meinung unsere unterschiedlichen Annahmen, die wir bezüglich Technologie treffen. Unterschiedliche Annahmen, die auch verschiedene Wahrnehmungen der technologischen Welt zum Ausdruck bringen. Gerade unter Entwicklern existieren bspw. unzählig viele verschiedene Meinungen darüber, was guten Quellcode ausmacht. Und diese Meinungen werden von den verschiedensten Aspekten beeinflusst.

Die Krux für den Entwickler ist jetzt: So gut wie nie wird er dokumentieren, welche Annahmen hinter seinen Meinungen und Entscheidungen stecken. Aber wie sollen andere dann wissen, was er über seinen Code denkt? Deshalb bleibt die Interpretation von Quellcode ein ambivalente Angelegenheit.

Erwartungen an Software

Das Resultat sind unterschiedliche Erwartungen an Software. Und wenn dann die Erwartungen auf die Realität treffen, findet man nicht selten heraus, dass der Code zwar ein Problem löst – leider nur nicht das Problem, das ursprünglich gelöst werden sollte.

Dieses Missverhältnis aufzuräumen ist nur wenig attraktiv. Und so erkennt man an Software ganz häufig menschliche Eigenschaften: Versagen, Mittelmäßigkeit und Faulheit.

Was also tun? Was also tun, wenn der heiße Scheiss abgekühlt ist. Aufgeben? Mitnichten!

Alternativen gibt es immer!

Flash ist so ein Beispiel. Einst das Wunder- und Allheilmittel sind die letzten Tage der Technologie inzwischen längst gezählt. Allerdings haben Entwickler schon längst alternative Lösungen (HTML5 anyone?) geschaffen und heutzutage können wir in Browsern nahezu all das machen, was wir mit Flash auch machen konnten. Ähnlich verhält es sich mit traditioneller Server-Architektur. Hier ermöglicht eine Technologie wie Docker fast die gleichen Dinge zu tun wie althergebrachte Technologien – nur einfacher.

Und was ist mit PHP? Gilt diese Entwicklung auch hier? Auf jeden Fall, meint Frank Kleine. Man denke an GitHub und Travis, die dabei geholfen haben, den Delivery Circle ungemein zu verbessern.

Schritt halten

Ganz allgemein entwickelt sich alles immer schneller und man kann den heißen Scheiß immer schneller in eigene Projekte integrieren. Nur wie schafft man es, mit dieser rasenden Entwicklung Schritt zu halten? Denn wenn alles immer schneller wird, müssen wir viele bekannte Dinge neu denken, bspw. den Aspekt der Wiederverwendung. Denn häufig erscheinen neue Technologien mit dem Versprechen, dass sie die Wiederverwendung erleichtern. Nur selten wird dieses Versprechen eingehalten, denn je schneller wir reiterieren, desto schneller wird es schwieriger, Technologien wiederzuverwenden.

Diese hohe Dynamik wird auch im Bereich der Standardisierung zum Problem. Oftmals ist eine Technologie, die es zu standardisieren gilt, zum Zeitpunkt der Standardisierung schon obsolet.

Einen Weg aus dieser Misere sieht Frank Kleine vor allem im Streben nach Verbesserung. Verbesserung unserer selbst, Verbesserung unseres Wissens über Software. Auch bei der Art und Weise wie wir entwickeln und unsere Meinungen und Annahmen über Software kommunizieren sollten wir stets nach Verbesserung streben. Denn schließlich wollen wir doch weiter mehr heißen Scheiß sehen und noch schneller entwickeln – aber am Ende nicht auf alle Ewigkeit an eine Technologie gebunden sein.

Was ist also das Gesetz des heißen Scheiß? Ganz klar: Immer weiter verbessern, niemals still stehen!

Aufmacherbild: poo icon via Shutterstock / Urheberrecht: pnDl

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