Ergebnisse der Microsoft-Studie „Mädchen und MINT-Fächer“

Mehr Mädchen für Tech begeistern – durch weibliche Vorbilder
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Die heutige öffentliche Wahrnehmung von Tech und IT ist männerdominiert: Denkt man an diese Branche, kommen einem Namen wie Mark Zuckerberg, Steve Jobs oder Elon Musk in den Sinn. Sheryl Sandberg oder Marissa Mayer sind da schon Ausnahmen. Und genau das ist das Problem: Mädchen fehlen die Vorbilder in dieser zukunftsträchtigen Branche.

Ohne Vorbilder keine Motivation. Das ist auch der Hauptgrund, warum sich so wenige Mädchen für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) interessieren.

Laut der von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie „Mädchen und MINT-Fächer“ (The When & Why of STEM Gender Gap) zeigen sich Mädchen vor allem im Alter von elf bis 16 Jahren besonders begeistert von MINT – doch danach nimmt das Engagement rapide ab und kehrt auch oft nicht zurück. Doch woran liegt das?

Mädchen und Technik – (k)eine Liebesgeschichte?

Entgegen aller Klischees ist es nicht so, dass sich Mädchen nicht für technische Themen interessieren. Die Befragung unter Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen elf und 30 Jahren in zwölf europäischen Ländern – UK, Deutschland, Polen, Belgien, Niederlande, Frankreich, Italien, Irland, Russland, Finnland, Tschechien und Slowakei – ergab vielmehr eine große Sympathie für MINT-Fächer. Fast 40 Prozent der Befragten können sich sogar vorstellen, Karriere in einer der MINT-Disziplinen zu machen.

Vor allem die Kreativität, die in diesem Bereich gegeben ist, schätzen die Mädchen besonders. Gerade die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und Dinge zu erforschen, wird als reizvoll wahrgenommen. Denn in den MINT-Fächern liegt auch unsere Zukunft – und das sehen die befragten Mädchen genauso: Dort sei eine Lösung für konkrete Probleme der Menschheit, wie etwa Krankheiten oder Klimawandel, zu finden.

Fehlende Vorbilder und mangelndes Selbstbewusstsein

Problematisch wird es allerdings dann, wenn es ernsthaft daran geht, sich für einen Beruf zu entscheiden. Fast jedes vierte Mädchen glaubt, dass es in MINT-Fächern niemals so gut sein kann wie ein Junge. Das liegt mit daran, dass 54,9 Prozent der Befragten denken, dass die Mehrheit der MINT-Lehrer männlich ist.

Aber jungen Frauen mangelt es nicht nur an Selbstbewusstsein, sondern ihnen fehlen ganz einfach weibliche Vorbilder: Kaum jemand denkt bei einem Wissenschaftler zuerst an eine Frau – und an wen auch? Die weiblichen Pioniere wie Mary Somerville, Ada Lovelace oder Elsie Shutt sind den wenigsten bekannt – das zeigt auch die Umfrage. Dabei waren Programmiererinnen und Mathematikerinnen wie diese drei besonders in der Anfangszeit der Informatik entscheidend. Und ohne sie wären wir nicht da, wo wir heute sind.

Dennoch sind Erfolgsgeschichten wie die von Bill Gates oder Mark Zuckerberg mittlerweile einfach präsenter. Kein Wunder also, dass sich laut PISA-Studie nur 13 Prozent der deutschen Mädchen vorstellen können, später einmal im MINT-Bereich zu arbeiten.

Trotzdem wünschen sich aber 46,1 Prozent der befragten Mädchen mehr Ermutigung und Förderung durch im MINT-Bereich arbeitende Frauen. Als besonders positiv wird bewertet, wenn WissenschaftlerInnen in die Schule kommen und über ihre Arbeit aufklären würden. Auch mehr Experimente und praktischen Unterricht fordern die Mädchen.

Frauen in die MINT-Berufe!

Bei Mädchen und jungen Frauen liegt also großes Potenzial, das sie auch bereit sind, auszuschöpfen. Die Förderung muss nur früh und konsequent genug ansetzen – dann wird sich in Zukunft die Gender Gap im MINT-Bereich wohl wieder schließen. Hier kann auch die Tech-Industrie ihre Chance nutzen und mit den gängigen Vorurteilen über eine männerdominierte Arbeitswelt aufräumen.

Denn nicht nur fehlen bundesweit aktuell rund 212.00 Fachkräfte im MINT-Umfeld, digitale Kompetenzen werden in Zukunft in 90 Prozent aller Berufe erforderlich sein. Umso wichtiger, dass Mädchen und Frauen für MINT-Berufe begeistert werden können. Nicht zu vergessen, dass Frauen schlicht und ergreifend die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, weshalb sie auch in den Entwicklungsprozess von Produkten und Lösungen eingebunden sein sollten.

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