Das waren die wichtigsten Entwicklerthemen 2015 - Teil 8

PHP 7, Windows 10, die beliebtesten Tools & Neues bei WordPress – unser Jahresrückblick
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Mit großen Schritten bewegen wir uns in Richtung Jahresende. Zeit zurückzublicken und das Jahr Revue passieren zu lassen. In einer Artikelserie greifen wir die wichtigsten Themen aus 2015 auf – welche Technologien, Ereignisse und Trends haben Entwickler in diesem Jahr besonders bewegt und interessiert? Im letzten Teil unseres Jahresrückblicks haben wir die Veröffentlichungen von PHP 7 und Windows 10, Facebooks Beitrag zu Open Source und das Beste aus unserer Toolskiste für euch. Und auch WordPress und sein neues Admin-Interface Calypso dürfen nicht fehlen.

PHP 7

Dieses Jahr ist unbestritten eines der wichtigsten Jahre in der bisherigen Geschichte. Der Grund dafür liegt auf der Hand: das Release von PHP 7!

Knackige elf Jährchen nach dem letzten Major-Release (PHP 5! Version 6 ist das Windows 9 des PHP-Universums!) hat das Core-Team PHP 7 final veröffentlicht. Unter der Haube stecken nicht nur zahlreiche neue Features, sondern vor allem eine neue Engine, die für ordentlich Power sorgt.

Stolze 8 Release Candidates hatte die Version spendiert bekommen, alle innerhalb eines knappen halben Jahres nach dem Release der ersten Alpha-Version. Und man hatte allen Grund, stolz auf die geleistete Arbeit zu sein, denn ein Update wird sich schon aufgrund des Performance-Gewinns rentieren: stellte PHP 5.6 im Vergleich zu den Vorgängern schon ein Quantensprung in Sachen Geschwindigkeit dar, zeigt der Tacho bei PHP 7 das Doppelte an Speed und lässt dabei auch die HipHop Virtual Machine von Facebook hinter sich.

Das finale Release hatte sich auf den letzten Metern zwar aufgrund eines geplanten OpenSSL-Releases noch etwas verspätet, aber das tat der Freude keinen Abbruch.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sich PHP 7 schnell auf den Servern dieser Welt durchsetzen wird; schließlich wollen wir in der nächsten PHP-Versionsverbreitungsmeldung bessere Nachrichten vermelden können als die Tatsache, dass eine Version, welche die Phase des aktiven Supports bereits verlassen hat, noch immer an der Spitze der Charts steht … Nimmt man den Cloud-Plattform-Spezialisten Heroku als Maßstab, dann stehen die Chancen dafür gar nicht so schlecht. Mitte Dezember kam von dort nämlich die Meldung, dass PHP 7 als Runtime für mehr als 50 Prozent der neu deployten PHP-Applikationen dient. Wenn das mal keine guten Nachrichten sind!

Meanwhile …

Eine Kleinigkeit, die wir an dieser Stelle nicht unterschlagen möchten, ist die Tatsache, dass Zend – das Unternehmen, das sich selbst gerne als „the PHP Company“ bezeichnet, und zu großen Teilen an der Entwicklung des Cores beteiligt ist – im Oktober aufgekauft wurde: und zwar von Rogue Wave, das vor allem den Älteren unter uns ein Begriff sein dürfte.

Was genau hinter dieser Übernahme steckt und warum Zend überhaupt aufgekauft wurde, weiß eigentlich niemand so recht. Tatsache ist, dass es ja auch lange genug gedauert hat; nach heutigen Maßstäben ist es kein gutes Zeichen, wenn ein Unternehmen so lange auf dem Markt ist und erst dann als Übernahmekandidat gilt. Aber das ist eine andere Geschichte …

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WordPress mit Calypso im Zeichen des Wandels

WordPress kann auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurückblicken. Nicht nur erschienen gleich drei neue Minor-Versionen der beliebten Content-Management-System- und Blogging-Software, sondern es stehen auch einige große Veränderungen an. Die Rede ist natürlich vom neuen WordPress-Admin-Interface Calypso, das im November Open Source zur Verfügung gestellt wurde. Doch erstmal zurück zu den dieses Jahr erschienenen WordPress-Versionen: Im April erschien WordPress 4.2, gut vier Monate folgte WordPress 4.3 und Anfang Dezember vervollständigte die aktuelle Version WordPress 4.4 die Release-Reihe für dieses Jahr.

Vor allem WordPress 4.3 und 4.4 brachten dabei umfangreiche Änderungen unter der Haube mit sich, die in den kommenden Versionen weiter fortgesetzt werden sollen. Dazu zählen zum Beispiel viele Taxonomie-Änderungen, aber etwa auch die Integration des REST-APIs in den WordPress-Core. Die Zeichen bei WordPress stehen also auf „Wandel“. Dazu passt auch das oben angesprochene Interface Calypso, das das WordPress-Backend aus der Legacy-Hölle alten und längst überholten Codes befreien soll. Damit verabschiedet sich WordPress von MySQL und PHP und setzt vollständig auf JavaScript – in diesem Fall React und Flux. Noch ist Calypso allerdings nicht Teil des WordPress-Cores; es liegt an den Mitgliedern, über dessen Intergration zu entscheiden. Man darf also gespannt sein, wie es hier weitergeht. Auf jeden Fall verspricht auch 2016 ein spannendes Jahr für WordPress zu werden.

Windows 10 Rundumschlag 2015

Es war eine heiße Testphase – eine Preview jagte die nächste –  doch am 29. Juli ist der große Tag endlich gekommen: Microsoft stellte die finale Version von Windows 10 offiziell für alle Nutzer bereit. Damit einher gingen natürlich eine ganze Reihe neuer, spannender Funktionen. Viele Nutzer dürften sich besonders über das Comeback des Startmenüs gefreut haben, mit an Bord des neuen OS ist aber auch Cortana. Microsofts digitaler Sprachassistent soll Apples Siri und Googles Google Now Konkurrenz machen und ist tief in das neue Betriebssystem integriert. Besonders hervor sticht die Lernfähigkeit von Cortana, auf Basis derer der Assistent Anwender über die für sie wichtigsten Dinge auf dem Laufenden hält und auch proaktiv Informationen liefert. Auf dem jetzigen Stand hilft Cortana zudem beim Übersetzen. Da der Assistent über natürliche Sprache steuerbar ist, bietet er außerdem einen schnellen und direkten Zugriff auf die zugrundeliegende App. Entwickler kann Cortana unter anderem dabei unterstützen, nutzerfreundlichere Apps zu entwerfen und relevante Unterhaltungen mit ihren Kunden zu führen. Was ansonsten alles mit Cortana möglich ist, stellen wir euch in diesem Beitrag vor.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch der neue Windows-10-Browser Microsoft Edge. Edge soll zum einen wesentlich schneller sein als etwa sein Vorgängermodell, der Internet Explorer, oder Konkurrenzprodukte wie Google Chrome, Safari und Co. Zum anderen bietet er Nutzern die Möglichkeit, Webseiten zu kommentieren, d.h. direkt auf Webseiten zu schreiben, zu malen, Inhalte zu markieren oder Notizen zu machen.

Eines der spannendsten neuen Features in Windows 10 ist allerdings die neue Continuum-Funktion. Continuum ermöglicht es Nutzern, ein Smartphone mit Windows 10 an einen externen Monitor, Maus und Tastatur anzuschließen und das Telefon anschließend fast genauso nutzen zu können, wie einen vollwertigen PC.  Für Entwickler bedeutet die Funktion, dass Universal-Windows-Apps von Nutzern zu jeder Zeit auf jedem Screen genutzt werden können. Das Erstellen von Continuum-Apps für das Windows Phone ist allerdings für viele Entwickler noch Neuland. Hilfestellung bietet der folgende Artikel, der in vier Schritten zeigt, wie sich entsprechende Anwendungen für das Windows 10 Smartphone erstellen lassen.

Neben all den positiven Highlights erntet das neue Microsoft-OS jedoch auch schnell erste Kritik, und die betrifft vor allem die neuen Datenschutzbestimmungen sowie vermeintliche Einschränkungen der Nutzerfreiheit. Wir haben die wichtigsten Punkte unter die Lupe genommen und auch die vielseits bemängelte “Einschränkung der User-Choice”, sprich eine limitierte Entscheidungsfreiheit der Nutzer in Windows 10, etwas genauer betrachtet. Unsere Ergebnisse lest ihr hier. In diesem Beitrag stellen wir darüber hinaus die Fehler vor, über die User regelmäßig stolpern, und diskutieren mögliche Lösungsansätze.

Windows 10 ist zwar offiziell fertig, Microsoft will das neue OS frei nach dem Motto Software-as-a-Service allerdings stetig weiterentwickeln. So wundert es also nicht, dass ab und an eine neue Preview im Fast Ring landet, die das Betriebssystem um neue Funktionen und Bugfixes erweitert. Aber auch ein erstes großes Update hat Windows 10 bereits erhalten. Parallel zu den Aktualisierungen der jetzigen Version arbeitet Microsoft übrigens schon an der nächsten Version des OS, die intern unter dem Codenamen Redstone läuft. Ein erster Preview-Build darauf ist ebenfalls vor kurzem erschienen.

In Hinblick auf Windows 10 und alles was dazugehört geht es augenscheinlich rund im Hause Microsoft. Da kann es durchaus schwer fallen, den Überblick zu behalten. Um das ganze etwas zu erleichtern, haben wir alle wichtigen Infos zur Entwicklung des neuen Mirosoft-OS auf unserer Windows-10-Themenseite zusammengefasst – ein Blick darauf lohnt sich!

Facebook mit Fokus auf Open Source

Dass Facebook ein Freund von Open Source ist, ist längst bekannt. So stellte Facebook auch dieses Jahr eine ganze Reihe Tools, die vor allem auch intern bei der Entwicklung für die Social-Media-Plattform zum Einsatz kommen, Open Source zur Verfügung. Bereits im März kündigte das Entwickler-Team im Rahmen der Entwickler-Konferenz F8 das Open-Sourcing verschiedener Tools an – darunter auch die Mobile-Version des React-Native-Frameworks. Daneben wurden etwa auch die Android-Library Year Class, die Android-Utility Network Connection Class sowie der Android-Bild-Loader und -Manager Fresco Open Source zur Verfügung gestellt.

Doch damit war mit dem Open Sourcing noch längst nicht Schluss. Im Juni stellte Facebook auch seinen statischen Analyzer Facebook Infer, mit dem sich das frühzeitige Erkennen von Bugs vereinfachen lässt, quelloffen zur Verfügung, und auch das Development-Tool Nuclide gibt es seit Juni Open Source. Auch im Bereich Machine Learning mischt Facebook kräftig mit und stellte Mitte Dezember seinen Machine-Learning-Server Big Sur Open Source zur Verfügung. Ebenso steht das JavaScript-Framework Relay seit September quelloffen zur Verfügung, das vor allem die Arbeit mit React-Applikationen erleichtern soll.

Und apropos React: auch hier hat sich im Laufe des Jahres einiges getan und es gab mehrere neue Versionen, die viele Verbesserungen mit sich brachten. Besonderes Augenmerk lag hier natürlich auf dem Release von React v0.14 – der ersten Stable-Version des Frameworks, mit der gleichzeitig auch eine ganze Reihe neuer Entwickler-Tools veröffentlicht wurden. Natürlich wird die Entwicklung von React noch weiter fortgesetzt und man darf sich sicher auch im neuen Jahr auf einige spannende Neuerungen freuen.

 Die beliebtesten Tools des Jahres

In unserer Software-Rubrik stellen wir euch regelmäßig Tools vor, die wir besonders spannend finden. Unter den Top 10 in diesem Jahr befinden sich so verschiedene Tools wie Git-Services, Frontend-Boilerplates, Flat-File-CMS oder jQuery-Plugins. Auf Platz 10 hat es Elastic Progress geschafft – ein elastischer SVG-Progress-Loader zur Darstellung des Download-Fortschritts. Darauf folgen Atomic, ein UI-Designer für Mobile und Web, und AntiModerate, eine leichtgewichtige, unabhängige JavaScript-Bibliothek zum stufenweisen Laden von Bildern. Der Team-Kommunikationsdienst Mattermost belegt Rang 7, während Cropper – ein jQuery-Plugin zum einfachen Zurechtschneiden von Bildern – es auf Position 6 schafft.

In die Top 5 starten wir mit jQuery DrawSVG, das sich zur Animation von SVG-Pfaden bestens eignet, und mit Jets.js, einer nativen CSS Search Engine für den Browser. Den Bronzerang sichert sich der self-hosting Git-Service Gogs; die Silbermedaille erhält Workbench, ein Frontend-Boilerplate für eine schnellere Entwicklung. Besonders interessant fandet ihr und auch wir unsere Zusammenstellung der beliebtesten Flat-File-CMS Statamic, Grav und Kirby – die dann auch mit Recht Platz 1 unserer Tools-Kategorie belegen.

Aufmacherbild: tool renovation on grunge wood von Shutterstock / Urheberrecht: Isara Kaenla

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