Interview zur IPC mit Peter Kröner

Progressive Web Apps weiter auf Erfolgskurs
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Offline First, Service Workers, Manifest Files… die Welt der Progressive Web Apps ist voller Buzzwords. Zeit, das ganze Gerede mal mit Inhalt zu füllen. Anlässlich der IPC Conference sprachen wir mit dem bekannten Webtechnologieexperten Peter Kröner zu dem zukunftsträchtigen Thema.

In seinem Vortrag auf der IPC in Berlin wird Peter Kröner zeigen, wie dank neuer Webstandards wie Service Workers, Offline-Datastores und Background-Sync herkömmliche Webapps zu quasi-nativen Anwendungen mutieren. Wir begleiten eine kleine Web-App auf ihrer Reise von einer reinen Webseite hin zu einer App, die sich auf Smartphone und Desktop als Bürger erster Klasse installiert. Neben konkreten Technologien geht es auch um Architekturüberlegungen, hilfreiche Libraries sowie Dev-Tools und Debugging-Techniken. Vorab haben wir Peter Kröner einige Fragen zu dem Trendthema PWAs gestellt.

Entwickler.de: PWAs bieten ein überzeugendes Nutzererlebnis und viele funktionale Möglichkeiten. Sind aus Deiner Sicht PWAs „die besseren Web-Apps“?

Peter Kröner: PWA sind Webapps. Der einzige Unterschied zu klassischen Web Apps ist, dass sie mit ein paar modernen Standards entwickelt werden. Die eigentlich interessante Frage ist, ob PWA die bessern Apps allgemein (d.h. auch besser als native Apps) sind. Ich bin davon überzeugt, dass für viele Use Cases eine native App bald keine ernstzunehmende Option mehr ist, oder dass eine native App zumindest unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sich nicht mehr zu entwickeln lohnt. Wie viele Use Cases das werden, wird die weitere Entwicklung zeigen.

Entwickler.de: Deine Session auf der IPC heißt ja „Progressive Web Apps von A bis Z“. Vielleicht kannst Du uns jetzt schon einmal die zwei Begriffe „Manifest“ und „Service Worker“ näher erklären, die immer wieder im Zusammenhang mit PWAs genannt werden

Peter Kröner: Ein Web App Manifest ist eine Liste von Meta-Informationen, mit denen Browser eine PWA ins Betriebssystem integriert. Das Manifest enthält z. B.
Icons, Beschreibungstexte aber auch Informationen für die Verwendung von Push Notifications auf dem Betriebssystem. Wie genau das Manifest interpretiert wird, hängt von der Browser-Betriebssystem-Kombination ab, da sich schließlich die Integration je nach Ziel-Betriebssystem unterschiedlich darstellt. Der Service Worker ist aber das eigentliche Herz von PWA. Er ist eine Art JavaScript-Demon für Webapps und kümmert sich nicht nur darum, dass eine App offline funktioniert, sondern wickelt auch Push Notifications ab. Bei der genauen Auslegung des Service Workers hat der Webentwickler sehr viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten, was das Ganze natürlich bei komplexeren Anwendungen ausgesprochen diffizil macht.

Entwickler.de: Kurz skizziert – wie kann ich PWAs am besten debuggen und analysieren?

Peter Kröner: Mittlerweile gibt es in jedem Browser mit brauchbarer PWA-Unterstützung (d.h. in allem, was kein Apple-Produkt ist) sehr gute Entwicklertools, mit denen das Debuggen von PWA nicht schwieriger ist, als das Debuggen jeder anderen Webapp auch.

Entwickler.de: Welche Grenzen (Anwendungsfälle) gibt es für PWAs?

Peter Kröner: PWA können nur, was Browser können. Wenn es darum geht, Daten in Formularfelder einzutragen, einen Tweet zu verfassen oder eine Fahrplanauskunft abzufragen, gibt es nichts, was gegen PWA und für native Apps spricht. Auch Fotos schießen und bearbeiten oder eine Videokonferenz zu starten ist sicher möglich. Aber es gibt natürlich Anwendungen mit besonderen Performanceanforderungen oder Apps, die auf nagelneue APIs zugreifen müssen, für die es noch keinen Webstandard gibt. Webstandards werden immer den nativen Entwicklungen hinterherhinken, da für einen Webstandard ein herstellerübergreifender Kompromiss gefunden werden muss. Wenn sich hingegen Apple für das nächste iOS ein neues Feature ausdenkt, kann es das einfach einbauen und sofort können native Apps das neue Feature nutzen. Mir fallen reichlich Grenzen für PWA ein, aber eine sehr große Anzahl von Use Cases kann durch PWA abgedeckt werden.

Entwickler.de: Und eine Frage noch zum Schluss: Sind PWAs DIE Zukunft des Internets?

Peter Kröner: PWA werden an vielen Stellen native Apps ersetzen und an manchen Stellen normale Webseiten mit verbesserter Ladeperformance oder Offline-Support verbessern. Ich würde mich also als Entwickler durchaus mit dem Thema befassen, aber in Erwartung der Seeligkeit bringenden Revolution auszurasten würde ich vielleicht doch noch vertagen.

Vielen Dank für das Interview!

Der bekannte Webtechnologieexperte und Buchautor Peter Kröner forscht über die Webstandards von morgen. Was er über HTML5, CSS3 und neue JavaScript-Standards herausfindet, schreibt er in Bücher und Blogposts oder vermittelt es in Seminaren, Workshops und Vorträgen im ganzen Land weiter. Zuvor war er als selbstständiger Webdesigner und Frontend-Entwickler tätig.

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