Preiswerter Diener

Raspberry Pi als als Miniserver und Versionsverwaltungstool einsetzen [How-to]
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Im Leben eines Entwicklers gibt es immer wieder Aufgaben, die nur durch Automation effektiv zu bewältigen sind. So ist ein Versionsverwaltungssystem nicht nur bei der Fehlersuche von eminentester Bedeutung: Es hilft auch bereitwillig dabei, Code zwischen Notebook und Workstation zu synchronisieren. Wer Fehler und Funktionswünsche in einer dafür dedizierten Datenbank speichert, findet zusammengehörende Tupel leichter als beim Verwenden einer papiergebundenen Kartei.

Größere Firmen setzen in diesem Fall gern auf einen zentralen, von einem Dritten angemieteten Server. Für kleinere Entwickler ist dies oft zu teuer. Zudem geben paranoide Naturen (wie der Autor) ihren Quellcode nur höchst ungern in fremde Hand.
Der Betrieb einer ausrangierten Workstation scheitert an energetischen und geräuschtechnischen Problemstellungen: Ein permanent dröhnender P4 geht selbst robusten Naturen über kurz oder lang auf die Nerven.
Zu guter Letzt darf der durch das Betreiben eines Servers einsetzende Lerneffekt nicht unterschätzt werden. Beim Unternehmen des Autors ist jeder Mitarbeiter für einen Raspberry Pi zuständig, der vom TouchCalc-Cluster aus mit Anfragen versorgt wird. Die dadurch „erzwungenermaßen“ einsetzende Beschäftigung mit Unix und Netzwerkprotokollen sorgt für unersetzbar wertvolle praktische Erfahrung.

Enter the Pi

In den ersten Prototypen des Raspberry Pi arbeiteten AVR-Prozessoren, die aufgrund ihrer einfachen internen Architektur für Assemblerprogrammierung und Mikroelektronik ideal geeignet sind. Linux und Co sind auf diesen Prozessoren nicht lauffähig.
Nokia arbeitete zur damaligen Zeit an einem neuen Handybetriebssystem namens Meltemi. Es sollte auf einem bestimmten Prozessor aus dem Hause Broadcom arbeiten. Da die Fertigstellung echter Hardware auf sich warten ließ, plante man das Anbieten einer Testplatine für Entwickler.
Es ist bis heute nicht geklärt, wie es zur Zusammenarbeit zwischen der Raspberry Foundation und den Finnen kam. Klar ist nur, dass das Endresultat von den Spezifikationen her sehr nahe an den damals geplanten Smartphones war.
Der als Prozessor verbaute SoC von Broadcom arbeitet mit einem Nominaltakt von 700 MHz. Aufgrund der sehr primitiven Architektur des Prozessors ist Ubuntu nicht lauffähig; andere Unix-Distributionen wie Debian funktionieren ohne Probleme. Der Arbeitsspeicherausbau beträgt je nach Serie 256 oder 512 MB: Die neueren Versionen mit 512 MB sind im Handel meist um einige Cents billiger.
Für den Servereinsatz eignet sich eigentlich nur das Modell B der Platine. Das im Handel günstiger erhältliche Modell A hat keinen Ethernetanschluss und nur einen USB-Anschluss – das Nachrüsten dieser Komponenten ist wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Die Stromversorgung des Raspberry Pi erfolgt durch ein handelsübliches MicroUSB-Netzteil. Unter Volllast zieht ein Modell B mehr als 500 mA, weshalb der Kauf einer leistungsfähigen Variante (nicht von Apple!!) sinnvoll ist.
Als Bootmedium ist eine SD-Karte zwingend erforderlich. Diese muss mindestens 4 GB groß sein. Bei kleineren Homeservern lassen sich die Daten auf der Speicherkarte lagern: In diesem Fall empfiehlt es sich, eine ausreichend große Karte anzuschaffen.
Für sehr große Datenmengen ist das Verwenden einer externen USB-Festplatte unumgänglich. Da der USB-Port des Raspberry Pi für derartige Geräte nicht genug Strom anbieten kann, sollten Sie zusätzlich auf einen aktiven USB-Hub zurückgreifen. Selbiges gilt auch für das Aufbauen einer Internetverbindung per WLAN – der Stromverbrauch der meisten Sticks ist für den Raspberry Pi untragbar.
Wenn Sie mit ihrer SD-Karte auskommen, erreichen Sie wesentlich höhere Transferraten. Der auf der Platine verbaute Broadcom-Chip spricht USB-Geräte und die Netzwerkkarte über den selben Bus an, was in der Praxis immer wieder für Bottlenecks sorgt.
Für die Einrichtung brauchen Sie zudem einen über HDMI ansprechbaren Monitor (oder ein Fernsehgerät) sowie eine USB-Maus und eine USB-Tastatur. Diese sind im laufenden Betrieb nicht notwendig – es spricht also nichts dagegen, Komponenten von einer Workstation abzustecken.

Pi hoch!

Nach diesen Vorbereitungshandlungen ist es nun an der Zeit, Ihren Raspberry Pi einsatzbereit zu machen. Der erste Schritt besteht darin, das Betriebssystem herunterzuladen. Raspbian steht hier zum Download bereit. Scrollen Sie nach unten, bis sie den Download für Raspbian finden. Extrahieren Sie das heruntergeladene Archiv, um die rund 2 GB große .img-Datei freizulegen.
Im nächsten Schritt müssen Sie das Image auf die Speicherkarte kopieren. Unter Unix verwenden Sie dazu den folgenden Befehl:

tamhan@ubuntu:~$ sudo dd of=/dev/mmcblk0 if=/media/tamhan/TAMSSTICK/2013-12-20-wheezy-raspbian.img bs=1M
[sudo] password for tamhan: 
2825+0 Datensätze ein
2825+0 Datensätze aus
2962227200 Bytes (3,0 GB) kopiert, 450,567 s, 6,6 MB/s

Während der Ausführung von dd erscheinen keine Fortschrittsinformationen am Bildschirm, die oben gezeigten Daten erscheinen erst nach dem Abarbeiten des Befehls. Es ist völlig normal, dass der Prozess einige Zeit in Anspruch nimmt: Durchschnittliche Notebook-Cardreader erreichen nur sehr geringe Schreibraten (max. 5 MB/Sec).
Wenn Sie Ihren Raspberry Pi unter Windows aufsetzen, empfiehlt sich die Verwendung eines Image Writers. Der hier erhältliche Win32DiskImager gilt unter Nutzern des Einplatinencomputers als Standard.
Nach dem Abschluss des Schreibprozesses geht es an den ersten Start. Dazu stecken Sie die Speicherkarte in den Slot auf der Unterseite der Planare und verbinden diese mit einer USB-Maus, einer USB-Tastatur und einem Monitor. Nach dem Anstecken der Stromversorgung beginnt der Bootprozess automatisch – es ist wichtig, dass der Monitor schon vor dem Anstecken der Energieversorgung eingeschaltet ist und auf „Eingaben wartet“.
Sollte Ihr Raspberry Pi wider Erwarten nicht anspringen, so liegt das normalerweise an der Speicherkarte. Enthält diese kein bootfähiges Image, so scheitert der Startprozess – in diesem Fall leuchtet nur die Lampe PWR.
Ein frisch gestarteter Raspberry Pi präsentiert nach dem ersten Anwerfen das Raspberry Pi Software Configuration Tool. Klicken Sie auf Expand Filesystem, um das Image auf die gesamte SD-Karte auszubreiten. Wenn Sie diesen Schritt vergessen, so steht dem System nachher nicht der volle Speicherplatz zur Verfügung.
Hinter der Option 2 (Change User Password) verbirgt sich die Möglichkeit zur Änderung des Kennworts. Von Haus aus hört Raspbian auf pi/raspbian – es ist im Interesse der Datensicherheit höchst sinnvoll, diesen Zustand bald zu beenden. Die vierte Menüoption erlaubt Ihnen das Anpassen des Tastaturlayouts. In der Rubrik „Advanced Options → SSH“ verbirgt sich die Möglichkeit zum Aktivieren des SSH-Diensts. Das ist auf jeden Fall ratsam, da sie den Pi sonst nicht von anderen Rechnern aus ansprechen können. Fortgeschrittene Nutzer konfigurieren die Speicheraufteilung und die Übertaktung ihres Einplatinencomputers. Overclocking führt mitunter zu Datenkorruption, weshalb der Autor davon abrät.
Die Aufteilung des Arbeitsspeichers zwischen Grafikkarte und System ist Geschmackssache. Da Server normalerweise keine grafische Benutzerschnittstelle anzeigen, können Sie den Gutteil des Speichers an den Hauptprozessor verteilen.
Wenn Sie Ihren Raspberry Pi per SSH ansprechen können, so ist die Einrichtung abgeschlossen. Die Platine ist auch ohne Monitor, Maus und Tastatur bootfähig – der Headless-Betrieb schützt Ihren Server zudem vor „unbeabsichtigten Fehlbedienungen“. Zum Herunterfahren geben Sie sudo shutdown -h now ein und stecken die Platine aus, sobald die Aktivitätslampen erlöschen.

Aufmacherbild: Young waiter holding an empty dish on white background von Shutterstock / Urheberrecht: cristovao

[ header = Seite 2: Daten freigeben ]

Daten freigeben

Sobald mehrere Rechner in einem Unternehmen auftauchen, bildet sich normalerweise eine aus hunderten Netzwerkfreigaben bestehende informale „Datenaustauchstruktur“. Briten würden diese Situation als „disaster waiting to happen“ bezeichnen: Neben dem Risiko des Datenverlusts ist es fast unmöglich, den Zugriff auf die in den diversen Freigaben herumfliegenden Daten zu reglementieren.
Wenn Ihr Netzwerk nur aus Unix-Systemen besteht, ist die Verwendung von NFS ein einfacher und schneller Weg zum Anbieten eines zentralisierten Dateispeichers:

sudo apt-get install nfs-kernel-server nfs-common rpcbind
Creating config file /etc/exports with new version

Creating config file /etc/default/nfs-kernel-server with new version
[warn] Not starting NFS kernel daemon: no exports. ... (warning).

Die Fehlermeldung am Ende der Installation weist Sie darauf hin, dass Sie den NFS-Dienst noch nicht konfiguriert haben. Die Einstellungen des Diensts finden sich in der Datei /ext/exports. Zum Editieren empfiehlt es sich, auf den Editor pico zurückzugreifen – er lässt sich durch den folgenden Befehl aktivieren:

sudo pico /ext/exports

Dadurch öffnet sich die Datei im Editor. Der dort eingegebene Text regelt, wie der Server mit den Ressourcen des Raspberry Pi umgeht. Wenn Sie beispielsweise den Ordner /home freigeben wollen, so ist die folgende Zeile ein guter Start:

/home *(rw,sync)

Drücken Sie danach STRG + O, um die Datei zu speichern. Es ist empfehlenswert, den Server danach durch das Eingeben von sudo /etc/init.d/nfs-kernel-server restart neu zu starten – in diesem Fall bekommen Sie detaillierte Informationen über den Startprozess und eventuelle Fehler zurückgeliefert (Listing 1).

pi@raspberrypi ~ $ sudo /etc/init.d/rpcbind start
[ ok ] Starting rpcbind daemon....
pi@raspberrypi ~ $ sudo /etc/init.d/nfs-kernel-server start
[....] Exporting directories for NFS kernel daemon...exportfs: /etc/exports [2]: Neither 'subtree_check' or 'no_subtree_check' specified for export "*:/home".
  Assuming default behaviour ('no_subtree_check').
  NOTE: this default has changed since nfs-utils version 1.0.x

. ok 
[....] Starting NFS kernel daemon: nfsdrpc.nfsd: address family inet6 not supported by protocol TCP
 mountdrpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for udp6
rpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for tcp6
rpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for udp6
rpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for tcp6
rpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for udp6
rpc.mountd: svc_tli_create: could not open connection for tcp6
. ok 
pi@raspberrypi ~ $ 

Wichtig ist, dass der NFS-Server das Vorhandensein von rpcbind voraussetzt. Da der Raspberry Pi die beiden Dienste von Haus aus nicht startet, erledigen wir das hier von der Kommandozeile aus.
Damit ist der Start für die laufende Betriebssystemsitzung erledigt. Wenn Sie die Server fortan bei jedem Systemneustart anwerfen wollen, so müssen Sie die Startdateien aktualisieren. Der dazu notwendige Code basiert auf update-rc.d und sieht im Fall von rpcbind so aus:

sudo update-rc.d rpcbind enable
update-rc.d: using dependency based boot sequencing

Auf Seiten des Clients müssen Sie die nfs-common-Utilities installieren und danach den Share mounten. Die dazu notwendigen Befehle sehen so aus:

sudo apt-get install nfs-common rpcbind
sudo mount 192.168.1.139:/home ~/raspimountpoint/

Der normalerweise zum Einbinden von lokalen Laufwerken verwendete mount-Befehl lässt sich auch zum Ansprechen von nfs-Verzeichnissen verwenden. Die Syntax lässt sich aus dem obigen Beispiel ablesen.
Normalerweise ist die Arbeit damit abgeschlossen. Manche Versionen von Ubuntu „vergessen“ die Installation der nfs-Utilities von Zeit zu Zeit und reagieren auf die Eingabe des mount-Befehls mit einer Fehlermeldung nach dem Schema wrong fs type, bad option, bad superblock. Dies lässt sich durch das abermalige Ausführen von apt-get install nfs-common beheben.
So Sie die am Raspberry Pi befindlichen Daten für Windows zugänglich machen möchten, ist die Verwendung von Samba ratsam. Dieser vergleichsweise komplexe Server lässt sich durch das Eingeben des folgenden Befehls auf den Pi kopieren:

sudo apt-get install samba samba-common-bin

Nach der Installation der Pakete müssen Sie den Samba-Server konfigurieren. Das erfolgt über die Datei /etc/samba/smb.conf, die Sie mit einem beliebigen Editor Ihrer Wahl öffnen (der Autor würde sudo pico /etc/samba/smb.conf eingeben).
Dort sind einige Einstellungen von Relevanz. Erstens müssen Sie dafür sorgen, dass Ihr Raspberry Pi in einer bestimmten Arbeitsgruppe sitzt und seinen WINS-Server aktiviert:

# Change this to the workgroup/NT-domain name your Samba server will part of
   workgroup = WORKGROUP

. . .
# Windows Internet Name Serving Support Section:
# WINS Support - Tells the NMBD component of Samba to enable its WINS Server
   wins support = yes

Zweitens müssen Sie den Server mit Informationen über das freizugebende Verzeichnis versorgen. Dazu scrollen Sie an das untere Ende der Datei, bis Sie den Abschnitt Share Definitions finden. Dort legen Sie sodann einen Eintrag nach dem folgenden Schema an:

[pihome]
   comment= Pi Home
   path=/home/pi
   browseable=Yes
   writeable=Yes
   only guest=no
   create mask=0777
   directory mask=0777
   public=no

Zu guter Letzt müssen Sie die gewünschten Benutzer noch zum Server hinzufügen. Das lässt sich am einfachsten über den smbpasswd-Befehl erledigen, dessen Verwendung im folgenden Snippet illustriert ist:

pi@raspberrypi ~ $ sudo smbpasswd -a pi
New SMB password:
Retype new SMB password:
Added user pi.

Alternativ dazu dürfen Sie Samba auch zum Anbieten von Daten ohne Autorisation konfigurieren. Weitere Informationen dazu finden Sie in der einschlägigen Literatur – das Besprechen aller Optionen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ein guter erster Einstieg findet sich hier.
Wenn alle Daten an zentraler Stelle gesammelt werden, geht die Datensicherung weitaus einfacher. Paranoide Naturen kopieren die Daten einmal wöchentlich auf einen USB-Stick, der in einem Bankschließfach verwahrt wird.

Achtung, NTFS

Beim Kauf einer externen Festplatte bekommen sie – insbesondere in höheren Preisklassen – oft ein mit NTFS formatiertes Dateisystem. Die Platte lässt sich auf dem Raspberry Pi ohne Probleme mounten und sogar freigeben. Leider wird die Performance beim Zugriff alles andere als berauschend sein.
Das liegt daran, dass der in Raspbian verpackte ntfs-3g-Treiber für seine Langsamkeit bekannt ist. Bei komplexen Zugriffen zwingt er sogar Hochleistungsworkstations in die Knie: Ein Versuch der Lebensgefährtin des Autors mit einer auf einem NTFS-Laufwerk liegenden virtuellen Maschine wurde nach einem einstündigen Boot-Vorgang aufgegeben.
Erfreulicherweise ist die Lösung des Problems nicht allzu schwierig. Stecken Sie einen Monitor an Ihren Raspberry Pi an, und starten Sie danach die Plattenverwaltung gparted. Diese erlaubt Ihnen das Anlegen einer Partition mit einem ext-Dateisystem – wenn die Platte leer ist, ist der dabei auftretende Datenverlust von untergeordneter praktischer Relevanz.

[ header = Seite 3: Versionskontrollsystem einrichten ]

Versionskontrollsystem einrichten

Im Laufe der letzten Jahre hat sich eine geradezu unüberschaubare Vielzahl von „CVS-Killern“ etabliert: Neben dem mittlerweile weit verbreiteten SVN buhlen auch neuartige Systeme wie Git um die Gunst der Nutzer.
Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie unter Debian Linux lauffähig sind. Da Raspbian im Grunde genommen „nur“ eine umkompilierte Version dieser weit verbreiteten Distribution darstellt, lassen sich die meisten Versionskontrollsysteme ohne große Probleme auf einem Raspberry Pi anwerfen.
In den folgenden Schritten wollen wir probeweise subversion installieren. Nach der Installation per apt-get müssen Sie ein neues Repository samt Projekt erstellen – das erfolgt über eine Gruppe von Kommandozeilenbefehlen:

sudo apt-get install subversion
mkdir -p /home/pi/svnrepo
svnadmin create /home/pi/svnrepo/test

Der Remotezugriff auf SVN erfolgt über HTTP. Das Anbieten des Protokolls erfolgt über den hinreichend bekannten quelloffenen Server Apache, der von Haus aus nicht vorinstalliert ist:

sudo apt-get install apache2 libapache2-svn

Die Konfiguration erfolgt über die Datei /etc/apache2/mods-available/dav_svn.conf. Dort müssen Sie das folgende Snippet am unteren Ende des Files „antackern“:

<Location /svn>
  DAV svn
  SVNParentPath /home/pi/svnrepo
  AuthType Basic
  AuthName "Subversion Repo"
  AuthUserFile /etc/apache2/dav_svn.passwd
  <LimitExcept GET PROPFIND OPTIONS REPORT>
    Require valid-user
  </LimitExcept>
</Location>

Nach dem Speichern der Datei folgt ein durch das Eingeben von sudo /etc/init.d/apache2 restart angestoßener Reboot des Servers. Damit fehlt Ihnen nur mehr die Einrichtung der notwendigen Rechte und des ersten zugriffsberechtigten Users:

sudo chown -R www-data:www-data /home/pi/svnrepo
sudo htpasswd -c /etc/apache2/dav_svn.passwd <username>

Beim Anlegen weiterer Nutzer dürfen Sie den Parameter -c keinesfalls übergeben, da er alle bisher angelegten Nutzer überschreiben würde. Ab diesem Zeitpunkt ist Ihr SVN-Server per HTTP ansprechbar. Sie können dies auf Wunsch mit Ihrem Webbrowser testen.

Statische IP-Adresse

Damit stellt sich das Problem der Erreichbarkeit des Raspberry Pi. Wenn Sie die Festlegung der IP-Adresse nicht am Router erledigen möchten, so dürfen Sie dies auch über den TCP/IP-Stack des Geräts festlegen.
Dazu öffnen Sie die Datei /etc/network/interfaces mit einem beliebigen Editor und ersetzen die mit iface eth0 beginnende Zeile durch ein nach dem folgenden Schema aufgebautes Snippet:

iface eth0 inet static
address 192.168.100.1
netmask 255.255.255.0
network 192.168.100.0
broadcast 192.168.100.255
gateway 192.168.100.254

Nach einem Neustart des Raspberry Pi ist er fortan unter der von Ihnen eingegebenen IP-Adresse ansprechbar. Zur Verhinderung von Kollisionen sollten Sie diese Adresse aus dem DHCP-Vergabebereich ihres Routers entfernen.

Auf Nummer sicher gehen

Paranoide Naturen verstecken ihren Raspberry Pi hinter dem Router des Firmenintranets. Das ist nicht immer sinnvoll: Wenn Sie von unterwegs aus auf die am Server befindlichen Daten zugreifen möchten, lässt sich eine gewisse Exponierung nicht vermeiden.
Eine alte Regel der Computersicherheit besagt, dass das Risiko mit jedem angebotenen Dienst steigt. Die Absicherung von Subversion, CVS und Co würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und ist an diversen anderen Stellen im Detail beschrieben.
Brute-Force-Angriffe auf den SSH-Dienst sind das häufigste Einfallstor in mit dem Internet verbundene Pis. Der erste Schritt zur Absicherung besteht darin, ein möglichst langes und schwer zu erratendes Passwort zu verwenden. Als zweite Abhärtungsstufe können Sie den Port ändern: Hinter einem zufällig ausgewählten Port vermuten nur die wenigsten Angreifer einen SSH-Dienst.
Die dazu notwendigen Einstellungen finden Sie in der Datei /etc/ssh/ssh_config. Öffnen Sie sie durch das Eingeben von sudo pico /etc/ssh/ssh_config – im Auslieferungszustand ist die Port-Direktive auskommentiert. Entfernen Sie das # vor der Zeile und speichern Sie die Datei – nach einem Neustart des SSH-Servers (oder des Raspberry Pi) wartet dieser am neuen Port auf Befehle.
Ein weiterer häufiger Angriffspunkt sind veraltete Pakete. Das Eingeben von sudo apt-get update stellt sicher, dass die auf der Planare befindlichen Programme am aktuellsten Stand sind.
Das Einrichten einer Firewall am Pi ist übrigens nur dann notwendig, wenn Sie das Gerät direkt ans Internet anschließen. Befindet sich das Gerät hinter einem Router, so können Sie die Rechenleistung einsparen.

Auf zu neuen Ufern!

Nach dem Abarbeiten dieser Schritte ist Ihr Raspberry Pi in der Lage, Daten für Workstations bereitzuhalten und – quasi nebenbei – auch als Versionskontrollsystem zu dienen. Die dadurch erreichbaren Produktivitätssteigerungen sind mit Sicherheit nicht zu verachten.
Das Leistungsspektrum des Einplatinencomputers ist damit noch lange nicht abgedeckt. Im Bereich der Dateifreigabe ist die nächste logische Erweiterung das Anbieten eines DLNA-Servers für Smartphones und/oder das Offerieren eines weiteren Versionsverwaltungssystems. Falls Ihr Unternehmen einen Drucker für mehrere Mitarbeiter hat, so können Sie die Verwaltung des Geräts ebenfalls an den Raspberry Pi auslagern.
Falls Ihre Mitarbeiter oft aus der Ferne auf die Daten des Unternehmens zugreifen müssen, ist das Einrichten eines OpenVPN-Zugriffspunkts hilfreich. Dieser verbindet entfernte Rechner über einen verschlüsselten Tunnel mit Ihrem Firmennetz. Dadurch können die Nutzer „wie zuhause“ auf die Ressourcen des Unternehmens zugreifen, diese sind aber nicht für die Allgemeinheit zugänglich.
Kleinere Internetanwendungen (Stichwort Bugtracker und/oder owncloud) lassen sich bei begrenzter Userzahl ebenfalls auf einem solchen Einplatinencomputer hosten. Vom Selbstbetreiben des E-Mail-Diensts rät der Autor allerdings ab: Bei einem Ausfall Ihrer Internetleitung kann Ihr Unternehmen dann keine Nachrichten mehr entgegennehmen.
Wer seinen Raspberry Pi als Streaming-Box verwenden möchte, sollte die Broadcom-GPU aktivieren. Dazu sind Patentlizenzen erforderlich, die im Internet hier gegen einen Obolus von rund vier Euro erwerbbar sind. Ein erworbener Lizenzschlüssel ist untrennbar mit „seinem“ Raspberry Pi verbunden – nach einem Platinenschaden ist ein Neukauf erforderlich.
Von der Nutzung als Produktivsystem für nicht technisches Personal ist auf jeden Fall abzuraten. Der ARM-Prozessor erreicht die Rechenleistung eines Pentium II mit rund 300 MHz, das Besuchen von Webseiten führt zu geradezu unerträglichem Ruckeln. Ein um 50 Euro gebraucht gekaufter PC bietet eine wesentlich höhere Rechenleistung.
Zu guter Letzt darf die Nutzung des Raspberry Pi als „Produktivserver“ nicht außer Acht gelassen werden. Wir nutzen einen Cluster von Raspberry Pis zum Anbieten des wissenschaftlichen Taschenrechners TouchCalc – die auf HTML5 basierenden Clients verbinden sich mit dem Rechnerverbund, der die in Qt gehaltene Engine ausführt.

Mehr Leistung!

Die enorme Verbreitung des Raspberry Pi ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: erstens den Hype und die daraus entstandene riesige Benutzergruppe, zweitens auf die exzellente Verfügbarkeit. Aus rechentechnischer Sicht ist der Einplatinencomputer schon seit Längerem deklassiert: Diverse Dritthersteller bieten Planare mit wesentlich leistungsfähigeren ARM-Prozessoren an.
Das von Texas Instruments vorangetriebene BeagleBoard Black gilt unter Insidern seit Jahren als Raspberry-Pi-Killer. Sein Prozessor hat zwar ebenfalls nur einen Kern, ist aber aufgrund der wesentlich weiter entwickelten Architektur fast doppelt so schnell.
Auf der Habenseite steht zudem ein 2 GB großer interner Flashspeicher. Dieser nimmt das Betriebssystem und den einen oder anderen „kleineren“ Service auf, wodurch die externe SD-Karte entfällt und der Mehrpreis von acht bis zehn Euro amortisiert wird.
Trotz der traditionellen Nahebeziehung von TI und Linux – Broadcom war mit quelloffenen Projekten nie sonderlich grün – ist die Community um das Board weitaus schwächer ausgeprägt. Das bedeutet nicht, dass eventuelle Fragen unbeantwortet bleiben – rechnen Sie aber mit weniger Tutorials und mehr (lehrreicher) Handarbeit.
Erfahrene Linux-Nutzer können auch auf ein „Evaluation Board“ der Chiphersteller ausweichen. Diese Platinen enthalten oft eine Vielzahl von Peripheriegeräten und sind preislich mittlerweile attraktiv. Leider stehen Sie in diesem Fall vor dem Problem des Supports: Aufgrund der minimalen Verbreitung dieser Platinen gibt es keine Community, der Hardwarehersteller selbst erklärt sich mit gutem Recht für unzuständig.

Fazit

Wenn Sie auf der Suche nach einer preiswerten „Appliance“ für diverse Entwicklerbedürfnisse sind, sollten Sie den Raspberry Pi ins Auge fassen. Die preiswerte Hardware beeindruckt durch Robustheit: Aufgrund des geringen Wärmeumsatzes ist weder Kühlung noch ein besonders aufwändiges Gehäuse notwendig.
Der an sich nur als Ausbildungssystem vorgesehene Einplatinencomputer hat sich im Laufe der letzten Jahre in einer Vielzahl von Marktnischen etabliert. Als preiswerter Miniserver für kleinere Arbeitsgruppen ist er geradezu ideal geeignet – der geringe Energieverbrauch und die minimalen Anschaffungskosten sprechen für sich.
Damit endet unsere Reise in die faszinierende Welt des Raspberry Pi fürs Erste. In einem späteren Heft stellen wir Ihnen gerne weitere Aspekte vor – lassen Sie uns doch bitte wissen, welche Einsatzzwecke für Sie besonders interessant sind.

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