Die Zukunft der Unternehmenssoftware: Mieten statt kaufen

Software as a Service
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Schon bald sollen Software-as-a-Service-Angebote ein Viertel der weltweiten Umsätze mit Business-Software ausmachen. Die Chancen stehen gut: Unternehmen verlieren zusehends ihre Berührungsängste mit Mietlösungen, weil die Technologie ausgereift ist.

Eigentlich ist Software lästig: Sie muss ständig aktualisiert und gesichert werden, stürzt ab und verzögert dadurch den Workflow. Außerdem verschlingt der Betrieb der Server, auf denen sie läuft, mehr als zwei Drittel des gesamten IT-Budgets. Daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Es sei denn Unternehmen nutzen Software as a Service (SaaS): Bei SaaS kümmert sich ein Service-Hoster um die Installation, Konfiguration, Wartung und Aktualisierung der Software, die über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Anwender zahlen lediglich für die Nutzung der Applikationen. Das ist meist deutlich günstiger als die Beschäftigung eines Administratoren-Teams oder die Verpflichtung eines Systemhauses, die die Anwendungen vor Ort pflegen. Außerdem entfallen die Kosten für eigene Server, Speichersysteme und sonstige Infrastrukturen.

Ein neues Konzept ist SaaS allerdings nicht. Vor einigen Jahren verschwand es unter dem Namen Namen ASP (Application Service Providing) genauso schnell wie es aufgetaucht ist. ASP lag zwar eine revolutionäre Idee zugrunde. Allein: Sie war ihrer Zeit wohl einfach zu weit voraus. Nur die wenigsten Unternehmen waren gewillt, neben ihren Applikationen auch noch die zentralen Unternehmensdaten einem externen Provider zu überlassen – umso mehr, als 2000/2001 viele ASP-Provider der ersten Stunde im Dotcom-Strudel untergingen.

Heute, sieben Jahre später steht SaaS kurz vor dem Durchbruch: Programmiertechniken wurden weiterentwickelt, die Serverleistung verbessert und Geschäftsmodelle verfeinert. Internetbandbreite ist im Unterschied zur Jahrtausendwende auch kein Thema mehr. Hinzu kommt, dass Unternehmen zunehmend ihre Berührungsängste mit Mietsoftware verlieren: Laut Marktforschungsinstitut TechConsult nutzt in Deutschland bereits jedes zehnte Unternehmen Software auf Mietbasis, Tendenz steigend.

Abb. 1: Das Marktsegment Software on Demand wird laut IDC in den nächsten Jahren deutlich schneller wachsen als Hosted Application Management. (Quelle: IDC)
Software-Anbieter springen auf den SaaS-Zug

Auch die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass der neue Anlauf der Mietsoftware sehr vielversprechend ist: Allein im vergangenen Jahr betrug der weltweite SaaS-Umsatz mehr als 5,1 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2011 wird sich der Umsatz nach Einschätzung des Beratungsunternehmens weiter auf 11,5 Milliarden Dollar erhöhen. Aktuell, so die Gartner-Analysen, machen SaaS-Angebote rund fünf Prozent der weltweiten Umsätze mit Business-Software aus. Ihr Anteil soll bis 2011 auf bis zu 25 Prozent steigen.

Dass SaaS auf dem Vormarsch ist, daran lassen auch die Analysten-Kollegen von IDC keinen Zweifel. Sie erklären SaaS sogar zu einem der zehn Mega-IT-Trends für 2008. Kein Wunder also, dass die großen Software-Anbieter auf den SaaS-Zug aufspringen. Microsoft etwa prognostiziert, dass 30 Prozent seiner CRM-Anwender das Kunden-Management zukünftig über SaaS nutzen werden. Bei Oracle werden derzeit fünf Prozent des Umsatzes mit On Demand Services realisiert. In vier bis fünf Jahren sollen es sogar 50 Prozent sein.

Einsatzgebiete rund um Kommunikation, Kooperation und Koordination

Laut Gartner variiert der Einsatz von SaaS dabei stark innerhalb des Software-Marktes. Beispielsweise entfallen in den Bereichen Enterprise Content Management und Search lediglich ein bis zwei Prozent auf SaaS. Beim E-Learning oder Web Conferencing dagegen liegt der Anteil laut Gartner bei über 60 Prozent. Allerdings fügt sich nicht jede Applikation in das SaaS-Modell ein, vor allem nicht die unternehmenskritischen Individualapplikationen. Auf einen Nenner gebracht: alles, was sich einer Standardisierung entzieht, ist wenig geeignet für Software on Demand. Das gleiche gilt für Spezial-Applikationen, für die es nur eine geringe Anzahl potenzieller Anwender gibt.

IDC: Die zehn SaaS-Vorhersagen

Im vergangenen Jahr hat das Marktforschungsunternehmen IDC zehn Vorhersagen für SaaS getroffen:

  1. Große Softwarehersteller werden On-Demand-Versionen ihrer Produkte anbieten.
  2. Kleine uns mittlere Unternehmen sind nach wie vor schwer von SaaS zu überzeugen.
  3. Microsoft bestärkt sein SaaS-Engagement
  4. Anbieter von On-Demand-Software fokussieren auf Partnerschaften.
  5. Das Erscheinen von Mini-Systeme erweitert die Reichweite von SaaS.
  6. SaaS Enabler unterstützen weiterhin die Verfügbarkeit von On-Demand-Angeboten.
  7. Übernahme- und Akquisitions-Aktivitäten halten weiter an.
  8. SaaS-Anbieter verbessern ihre Produkte und die Kundenerfahrung.
  9. Gehostetes Applikations-Management forciert den Trend in Richtung SaaS.
  10. SaaS hilft der Software-Branche beim Übergang zu Lizenzen auf Mietbasis.

Auf eine enorme Nachfrage treffen On-Demand-Angebote, die sich mit den vielfältigen Einsatzgebieten rund um Kommunikation, Kooperation und Koordination befassen. All diese Prozesse sind webbasiert. Sie nutzen das Web als Medium, und da ist es nur konsequent, die Applikationen, die diese Kommunikation steuern, gleich dort zu belassen. Ganz oben auf der Liste der Applikationen stehen die unterschiedlichsten Varianten von Webkonferenzen als Oberbegriff für Meetings im Internet, bei denen beliebig viele Teilnehmer beliebig vieler Unternehmen über ihre Computer gemeinsam an Anwendungen arbeiten, Projekte besprechen oder Präsentationen durchführen. Die Gespräche finden dabei parallel über eine Telefon-Konferenzschaltung statt – bei Bedarf auch via VoIP. Mit einer Webcam sind Anwender in der Lage, per Videokonferenz zu kommunizieren.

Entsprechend dem On-Demand-Modell wird die benötige Hardware- und Software-Infrastruktur etwa von Webkonferenz-Spezialisten bereitgestellt. Für die Unternehmen, die solche Kommunikationsservices nutzen, entfallen die Investitionen in zusätzliche Hard- und Software komplett. Alles, was Anwender brauchen, ist ein Computer mit Browser und Internetzugang sowie ein Telefon – bei Videokonferenzen natürlich auch eine Webcam.

Weitere kommunikationszentrierte Anwendungsszenarien sind Online-Veranstaltungen wie Webcasts, Vertriebspräsentationen, Schulungen für Mitarbeiter, Partner oder Kunden, aber auch webbasierte Support-Sessions. Nach entsprechender Genehmigung durch den Kunden können Service-Mitarbeiter Probleme per Ferndiagnose identifizieren und beseitigen, Patches übertragen oder neue Softwareprodukte installieren.

Ein denkbares Einsatzgebiet sind auch System-Management-Services. Unternehmen können so ihre Hard- und Software zentral via LAN, WAN und Internet administrieren und Patch-Management, Asset-Management, Online-Backups, Software- und Lizenz-Verteilung sowie Virenschutz schnell und einfach durchführen lassen. Da der System-Management-Service als On-Demand-Lösung auf Mietbasis erhältlich ist, müssen Unternehmen keine zusätzliche Software installieren und verwalten. In einem Pay-per-Use-Modell ist die Abrechnung in hohem Maße transparent. Mietsoftware bedeutet natürlich auch, dass es für Unternehmen mit einem regelmäßigen Bedarf Lizenzmodelle gibt, bei denen die Abrechnung per monatlichem Abo erfolgt.

Software als Service heißt unter anderem: Mobile Anwender und Außendienstmitarbeiter können die gerade benötigten Kommunikations- und Collaboration-Applikationen über das Web aufrufen, und dies weitgehend unabhängig vom gerade zur Verfügung stehenden Endgerät. Voraussetzungen sind lediglich Browser und Internetzugang.

Der Betrieb im Rechenzentrum des Providers bedeutet oftmals mehr Sicherheit beim Zugriff und höhere Verfügbarkeit als mit der IT-Infrastruktur des Kunden. Bei Cisco WebEx etwa werden die Informationen und Inhalte eines Online-Meetings – etwa einer Präsentation oder einer CAD-Datei – als grafische Abbilder in Echtzeit zur Verfügung gestellt; die Daten selbst bleiben im Unternehmen des Anwenders, Cisco WebEx speichert sie nicht auf seiner Serverfarm. So ist SaaS auch in Punkto Sicherheit alles andere als lästig.

Peer Stemmler ist Country Manager Deutschland bei Cisco WebEx in Düsseldorf.

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