Breakpoint Wilson: Endlich Softwareentwickler … im Kampf gegen die Prokrastination

Softwareentwickler und der Kampf gegen die Prokrastination
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Man ist nun endlich Softwareentwickler und weiß, dass das Lernen zu den täglichen Aufgaben genauso dazugehört, wie die Arbeit am Code. Blöd nur, wenn man gar nicht genau weiß, wie man sich zur eigentlichen Arbeit aufraffen soll und sich lieber mit allem anderen beschäftigt. Es ist darum an der Zeit, der Prokrastination den Kampf anzusagen.

Gelangweilt durchstreife ich das Internet wie ein Straßenhund, der nichts Besseres mit sich anzufangen weiß, aber gerade auch nicht viel Besseres zu tun hat. Ich durchschnüffle das, was andere so geschrieben haben, hebe hier und da das Beinchen, um einen niveauvollen Kommentar los zu werden und bleibe gelegentlich an ein paar zappelnden Animationen hängen. Natürlich nicht an diesen niedlichen, süßen Katzenbilder – Hunde können Katzen nicht ausstehen! Die bellt man allerhöchstens mal an.

Nein, ich meine diese animierten Bilder mit den typischen Office Reaktionen: Hand HandVorGesicht.gif, MeinChefUeberStunden.webm, opaFaelltVomTischLol.gif. Manchmal halte ich auch einen Moment länger inne und frage mich, ob die Miniclips selbst vielleicht in Wahrheit Gucklöcher in ein paralleles Universum sind. Ein Paralleluniversum, in dem man sich animierte GIFs gelangweilter, das Leben verschwendender Menschen anschaut. Menschen, an denen die Kamera vertikal vorbeiscrollt, während sie einem hängenden Kopfes entgegenstarren. Gelegentlich huscht ein Daumen durchs Bild. Sonst passiert nicht viel.

Den Rest der Zeit verplempern Sie damit, Ihre Bekannten und Kollegen zu stalken oder sich gelegentlich einen Kaffee zu holen. Als der Gedanke beginnt, noch absurd zu werden, schließe ich flott die Karnevalszug-lange Reihe der Browser-Tabs und versuche, meinen Tagtraum schnell wieder abzuschütteln. Zurück an die Arbeit? Da gehe ich mir lieber erstmal noch einen Kaffee holen.

Der Prokrastination den Kampf ansagen

So wie mir geht es vermutlich mehreren Millionen Menschen am Tag. Medizinisch betrachtet könnte man behaupten, Prokrastination sei der unerwünschte geistige Zustand, der sich im physikalischen Symptom einer chronisch aufgeräumten Wohnung niederschlägt. Was zwar die Lebenspartner freuen mag, ist für Arbeitgeber jedoch ein furchtbares Ärgernis. Aber was sollen die schon machen? Denen geht es nämlich in der Regel ganz genauso. Prokrastination ist menschlich, und es wäre gelogen, wenn jemand behauptet, sie oder er prokrastiniere nie! Der wichtigere Punkt ist allerdings, wie man damit umgeht.

Breakpoint Wilson: Endlich Softwareentwickler … und jetzt?

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Was zunächst nach einer „schwarzen Messe“ klingt, ist eigentlich ganz anders und harmlos gemeint: Menschen sind ziemlich simpel gestrickt und stehen total auf Strukturen und Regelmäßigkeit. Richtig, tief in uns drin sind wir alle ein bisschen wie Adrian Monk – einige mehr, die anderen weniger.

Wenn es um Code geht, gilt in der Regel: eher mehr. Strukturen bestimmen, wer wir sind und wie wir handeln. Der Volksmund spricht auch gerne mal von „Angewohnheiten”. Das können sowohl gute, aber auch schlechte Angewohnheiten sein. Schon mal mit dem Rauchen aufgehört, aber die Kippe zum Bier muss irgendwie immer noch sein? Ohne Popcorn oder Nachos im Kino geht nicht? Das sind zwei sehr alltägliche Beispiele für eine (negative?) Selbst-Konditionierung.

Schaffe dir Rituale

Diese Tatsache kann man aber auch zu seinem Vorteil nutzen lernen. Viele Profisportler, zum Beispiel Fußballer, haben feste Rituale oder Dinge, die sie als Einstimmung kurz vor dem Spiel durchführen – beispielsweise, einen Kaugummi ins Tor zu schießen. Das soll eine Art inneren Schalter bei ihnen umlegen, aber vor allem den Kopf mental auf die kommende Aufgabe vorbereiten.

Während Profi-Sportlern zum Antrainieren solcher Strukturen eigene Coaches zur Verfügung stehen, müssen wir einfache Entwickler etwas bescheidener vorgehen. Wer es also als extrem schwer empfindet, in die Arbeit reinzukommen, kann versuchen, sich selbst ein Ritual zu schaffen. Das soll dazu führen sich durch wiederkehrende Aktionen auf die anstehende Arbeit vorzubereiten.

Dabei gibt es aber leider kein Patent-Rezept, sondern es lässt sich zwischen einer Vielzahl von Techniken und Methoden wählen. Wirklich herausfinden, was für einen selbst sinnvoll ist und hilft, muss allerdings jeder selbst. So ist für die einen ein persönliches Kanban-Board, für die anderen regelmäßige Pomodoros, was die Dämme im Kopf bricht und den Produktivitätsfluss lostritt.

Ein empfehlenswertes Buch zu diesem Thema ist Twyla Tharps „The Creative Habit“. Tharp bezieht sich zwar insbesondere auf Berufe aus dem künstlerisch/musischen Bereich, das ändert an der Methodik selbst aber nicht viel. Und mal Hand aufs Herz, meine Damen und Herren: So logisch und rational die Informatik im Kern doch sein mag, so sind sowohl das Entwickeln von Softwaresystemen, als auch der Problemlösungsprozess im Allgemeinen unheimlich kreative Tätigkeiten! Wer sich also bezüglich des Mozart-Mythos eines Besseren belehren lassen möchte oder selbst nach Möglichkeiten sucht, Arbeitsrituale zu kultivieren, wird mit diesem Buch seine Freude haben.

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Divide & Conquer

Auch Kleinvieh macht Mist. Oftmals prokrastiniert man, weil man sich einem viel zu großen Berg Arbeit gegenüber sieht. Das demotiviert selbstverständlich.

Deswegen ist es ratsam, kleine Pakete zu schnüren und jedes Mal auch nur ein kleines Paket anzugehen. Das ist im Übrigen einer der Gründe, warum einem in Scrum- oder Kanban-Projekten dazu geraten wird, kleinteilige Aufgaben zu definieren: Man sieht wesentlich schneller, was man erledigt hat; außerdem wird bei erledigten Aufgaben, die weggeräumt werden können, unser innerer Belohnungsmechanismus aktiv. Dinge kommen uns einfacher und lohnender vor. Wie Dominos fallen die Aufgaben dann der Reihe nach – wenn auch leider immer noch nicht wie von selbst.

Kleine Pakete, eine Sache auf einmal, kein Multitasking: Das könnte ebenfalls die Essenz aus Gary Kellers und Jay Papasans Buch „The One Thing” sein. Es ergänzt sich außerdem prima mit Twyla Tharps „Creative Habit”, da die Ansätze prinzipiell sehr ähnlich sind, auch wenn „The One Thing“ sich wesentlich mehr auf die Bürobevölkerung bezieht.

So, jetzt ist der Kaffee leer. Ich geh dann nochmal. Später. Vielleicht …

Aufmacherbild: young man entrepreneur relaxing at his desk in his office (modifiziert) von Shutterstock / Urheberrecht: PathDoc

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