Breakpoint Wilson: Endlich Softwareentwickler … her mit neuen Technologien!

Softwareentwickler und das Staunen
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Endlich Softwareentwickler ..! Wir haben festgestellt, dass wir ewig lernen müssen – und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, warum wir uns weiterentwickeln möchten. Jetzt überlegen wir uns, was wir lernen sollten.

Angefangen hat alles damit, dass ich immer wieder Anfragen bekomme, in deren Kern es darum geht, wie man als Softwareentwickler beruflich weiter kommt. Eine interessante Frage, die sich bei genauerer Betrachtung in mehrere Einzelfragen aufteilen lässt.

Nachdem wir festgestellt haben, dass wir uns als Softwareentwickler bewusst dafür entschieden haben, ständig lernen zu müssen, haben wir uns damit beschäftigt, was wir tun können, damit es mit der Karriere klappt.

Was bleibt, ist eine letzte Frage: Was soll man tun, um insgesamt technisch auf dem Laufenden zu bleiben? Die Kurzform der Antwort lautet: Entdeckt endlich wieder das Staunen an neuen Technologien!

Was das im Einzelnen bedeutet … damit beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe des Breakpoint Wilson. Widmen wir uns also der letzten Frage:

#2 Ich möchte mich, ohne konkretes berufliches Ziel, technisch weiterentwickeln

Menschen, die sich für Softwareentwicklung entscheiden haben, sind mehr oder minder dafür bekannt, dass berufliches und privates Interesse sehr nah beieinander liegen können. Viele haben bereits vor ihrem ersten Job in ihrer Freizeit programmiert. Viele tun dies auch immer noch.

Während das Geld und die Möglichkeit, eine gewisse Karriere zu machen, interessant sein mag, steht hier bei den meisten allerdings fachliches Interesse im Vordergrund. Neugier und insbesondere technologische Neugier ist ein Segen. Allerdings auch eine immense Herausforderung.

Breakpoint Wilson: Endlich Softwareentwickler … und jetzt?

  1. Softwareentwickler und das ewige Lernen
  2. Softwareentwickler und die Karriere im Job
  3. Softwareentwickler und das Staunen

Da gerade die IT-Welt ein riesiges Angebot an Themen und Technologien bereithält, ist es manchmal schwierig zu entscheiden, was man genau machen möchte; also was einen technisch weiterbringen könnte. Insgesamt kann man sagen: Wenn es darum geht, der Erkenntnis wegen zu lernen, gibt es keine „falsche“ Wahl. Man sollte primär das lernen, was einem persönlich Spaß bereitet.

Warum ist das die Antwort auf die Frage „Was bringt mich technisch weiter?“. In der Regel ist es so, dass man Dinge, die einem Spaß machen, motivierter lernt. Man bleibt also am Thema, setzt vielleicht auch Dinge um und sammelt Erfahrung. Erfahrung ist in der Tat das Einzige, was uns in der Softwareentwicklung wirklich weiterbringt. Das kann Erfahrung mit neuen Dingen sein oder die Verbesserung bereits bekannter Routinen. Selbst wenn man zum hundertsten Mal ein Projekt-Set-up macht, wird man sich hier im Sinne der Geschwindigkeit und der Genauigkeit verbessern können.

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Es ist beispielsweise weit verbreitete Praxis, so genannte „Kata“ zu programmieren. Dabei geht es darum, ein und dieselbe Übung an verschiedenen Tagen und in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Es ist eine Art Programmiertraining. Das Ergebnis dieses Trainings soll es sein, dass man bestimmte Abläufe oder Probleme, die einem bisher schwer gefallen sind, zu einem Teil des eigenen Unterbewusstseins macht. Deshalb trainieren alle erfolgreichen Sportler bestimmte Bewegungsabläufe immer und immer wieder.

Programmier-Katas dienen dazu, Arbeiten, die sehr bewusstseinsintensiv sind, so oft zu wiederholen, dass sie in den „schnellen“ Bereich unseres Gehirns wandern und somit intuitiv werden. Dazu gehört es selbstverständlich, langsam und 100-prozentig zu beginnen, um später nicht unterbewusst Fehler zu verursachen.

Aber einmal angenommen, man möchte sich nicht nur qualitativ, sondern auch inhaltlich fortbilden. Was kann man dann tun? Was genau soll man dann lernen?

Ich wünschte, ich könnte darauf eine konkrete Antwort geben. Es gibt in der Softwareentwicklung einfach nicht das Thema. Dazu sind vor allem Technologien und Themen viel zu unterschiedlich. Nicht umsonst heißt es, es gäbe für jede Aufgabe ein passendes Werkzeug.

Was sich allerdings als recht ertragreich erwiesen hat, sind folgende Strategien:

Basiswissen und Klassiker wieder entdecken

Ein Graph ist ein Graph. Graphen sind überall. In der Schule oder der Universität erscheint dieses Thema sehr trocken und praxisfern. Dabei sind Graphen meiner Meinung nach eines der spannendsten Basisthemen für Softwareentwickler.

Technologien kommen und gehen, Logik und Datenstrukturen bleiben.

Über die letzten dreißig Jahre sind Technologien gekommen und gegangen; Logik und Datenstrukturen sind Dinge, die so schnell nicht vergehen werden. Wer sich mit Basisthemen beschäftigt und ein wenig Geduld und Interesse mitbringt, wird bei Zeiten feststellen, dass sich neue Interessen quasi von alleine ergeben werden. Es ist die Neugier und das Staunen, welche die meisten Softwareentwickler dazu gebracht haben, sich das erste Mal mit der Programmierung zu beschäftigen. Also liegt es nahe, das Staunen wieder aufzunehmen.

Darüber hinaus ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, bisher zu wenig verstandene Themen besser zu durchblicken. Um beispielsweise zunächst beim Graph zu bleiben: Die Natur von Graphen zu verstehen, kann immens dabei helfen, Source-Control-Management-Werkzeuge wie GIT oder andere verteilte Anwendungen zu verstehen. Auch Graphdatenbanken sind ein wenig besprochenes, aber hoch interessantes Konzept.

Diagonale Themen

In der Regel verfolgt man eine oder maximal zwei Programmiersprachen gleichzeitig. Dabei ergibt es sich, dass man viel zu lange in die gleiche Richtung läuft. Oftmals ist es spannend und hilfreich zugleich, eine vollkommen neue Programmiersprache zu lernen. Am besten eine mit einem fremden Paradigma. Ganz aktuell wäre das beispielsweise funktionale Programmierung statt Objektorientierung.

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Dabei kann es darüber hinaus charmant sein, eine weitere Sprache über ein neues Framework zu lernen. Damit hat man einerseits schon mal wieder ein kleines Halbjahresprojekt aufgenommen und darüber hinaus die Möglichkeit, einen praxisrelevanten Skill für den eigenen Lebenslauf zu sammeln. Denn erfahrungsgemäß ist es nahezu unbedeutend, eine weitere Programmiersprache auf dem CV stehen zu haben, wenn dazu kein praxisrelevantes Framework existiert. Die richtige Kombination öffnet in der Regel Tür und Tor.

Fazit #2

Die Frage „Wie man ‚später‘ mal weiterkommt“ ist im Kern verhältnismäßig einfach zu beantworten: Wenn es um das rein berufliche Weiterkommen geht, orientiert man sich am Besten an Markt und Bedarf. Dabei kann ein Markt der eigene Arbeitgeber oder ein neues Unternehmen sein.

Möchte man sich selbst und seine programmiererischen Fähigkeiten weiterentwickeln, ist meiner Meinung nach vor allem eines wichtig: das Staunen, dass einen zu aller Anfang vor den Rechner getrieben hat, wiederzuentdecken. In beiden Fällen gehört eine spielerische Herangehensweise ebenso dazu wie Fleiß und regelmäßiges Üben. Damit ist vor allem gemeint, anstelle zwanghaft den Erfolg oder Sinn zu suchen, eine lockere Rundumsicht zu entwickeln, sich gedanklich viele Wege offenzuhalten. Entwickelt man einen mentalen Tunnelblick, übersieht man oftmals spannende Herausforderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.

Aufmacherbild: Surprised people (modifiziert) von Shutterstock / Urheberrecht: Ollyy

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