Softwareentwickelnde Menschen und Ihre Technikbegeisterung – und das auch noch zu Weihnachten …

Nerdism, Spielkinder und Communities
Keine Kommentare

Softwareentwickelnde Menschen sind ein komisches Volk – sie neigen bisweilen dazu, sich übermäßig für jeden denkbaren Technik- und IT-Kram zu begeistern.

Das war sie also, die besinnliche und stille Jahreszeit. Es weihnachtete sehr, die Familie ist versorgt, der jährliche Stress ob des Aufenthalts an den Weihnachtsfeiertagen ist ebenfalls überstanden – endlich Zeit für uns. Und diese Zeit wird meist sehr nerdig verbracht, wenn man mal ehrlich ist …

Das Kind in uns

Es ist schon sehr auffällig, dass gerade in der IT tätige Menschen sehr anfällig dafür zu sein scheinen, sich von Technik jeglicher Art angezogen zu fühlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nun um ein sinnfreies Gadget handelt (erinnert sich noch jemand an die USB-Raketenwerfer?), ein schon lange angedachtes Projekt, das man mit einem Raspberry Pi umsetzen wollte, oder gar um eine neue Sprache oder Technologie, die man sich schon immer einmal anschauen wollte.

Spannend ist die kindliche Begeisterung, mit der viele von uns sich auf all diese neuen Dinge stürzen; zum Teil schon lange, bevor wir sie selbst in Händen halten oder installiert haben, je nachdem. Und eigentlich ist es ja wirklich wie Weihnachten: Damals, als Opa wie jedes Jahr die Spielzeugeisenbahn aufgebaut hat und man – total überrascht, wie jedes Jahr – beim Betreten des Wohnzimmers all die tollen Loks und Wagons und Plastikhäuser in der Landschaft erblickte.

Geschenkt!

Panikartige Meldungen der IDE – ein Traum!

Und nicht zu vergessen die Geschenke; die man sich heute natürlich meist selbst macht, wenn die Familie versorgt ist. Das Aufreißen der Verpackung (oder analog dazu der Download des entsprechenden Packages), das Leuchten in den Augen, wenn man das neue Spielzeug das erste Mal genauestens inspiziert, das Leuchten und Blinken der LEDs bei der ersten Stromversorgung (oder analog dazu die Fehlermeldungen oder die panikartigen Meldungen der IDE) …

Um ehrlich zu sein, habe ich mich damals über die He-Man-Figuren kaum mehr gefreut als über die freie Zeit, die ich heute mit mir selbst und meinem Technikkram verbringe. „Liebes Ich, viel Spaß mit dem Zeug, mit dem du für viele Nächte von der Bildfläche verschwunden sein wirst. Weihnachtliche Grüße, dein vorheriges Ich.“

Es werde Licht!

Die Regeln des Spiels bestimmt erst mal die Maschine.

Dieses Jahr gilt mein besonderes Augenmerk Amazons halbwegs intelligentem Sprachassistentinnenkorpus Echo. Um genauer zu sein, den Möglichkeiten, die mir damit frei Haus serviert werden. Zumindest die Basics; um den Rest muss ich mich natürlich selbst kümmern.

Um ehrlich zu sein, überbieten sich ein Kollege und ich uns schon seit vielen Monden gegenseitig mit den hanebüchensten Überlegungen, was wir mit der heimischen Sprachsteuerung alles anstellen könnten. Vom Offensichtlichen einmal abgesehen – die Steuerung beinahe aller Lampen im Haushalt – gibt es natürlich noch eine Menge Aufgaben, die wir gerne an die körperlose Assistentin übergeben würden; nach eigenen Regeln, versteht sich.

„Alexa, dimme bitte das Licht im Flur, schalte bitte das in der Küche aus und tauche das Wohnzimmer bitte in ein beruhigendes Dunkelblau“ – man hat schließlich Erziehung genossen! Dabei muss das doch auch einfacher gehen …

Dear future me

Alexa, es ist Sofa-Zeit!

Liebes Zukunfts-ich, sorge doch bitte dafür, dass das auch einfacher geht. Beispielsweise mit einem „Alexa, es ist Sofa-Zeit!“. Das Ergebnis ist all das vorher genannte; vielleicht wird auch gleich meine Lieblingspizza vom Lieblingsitaliener bestellt, die Klingel deaktiviert und Spielekonsole angeschmissen, damit man sich in die virtuellen Realitäten flüchten kann. Nur die Brille muss man dann noch selbst aufsetzen. Das ist doof. Wobei … Klingel abstellen wäre wegen der bestellten Pizza ja auch doof.

Aber man wird ja noch träumen dürfen.

Fakt ist, dass das alles so nicht funktioniert. Noch nicht, zumindest. Besagte Alexa nämlich hat so ihre Tücken; mit dem Verständnis von Sprache, beispielsweise. Außerdem muss man für viele dieser bequemen Kleinigkeiten noch Hand anlegen; einen Raspi mit openHAB bespielen, Regeln definieren (und dabei gleich noch mehr im besten Falle als fragwürdig einzustufende Tätigkeiten automatisieren), fluchen, Bugs ausmerzen, sich am Lötkolben die Finger verbrennen …

Mehr Spieltrieb

Erwähnte ich schon, dass man selten nur die Dinge macht, die man sich für dieses eine Projekt vorgenommen hat, weil man während der Umsetzung von Plan A eine Idee für Plan B hat, mit dem man praktischerweise gleich den Grundstein für die Pläne C bis L gelegt hätte?

Und dass man natürlich neulich von dieser neuen Sprache / dem tollen Framework / der praktischen Lösung gehört hat, und man sich unweigerlich denkt, dass man das ja auch noch unterbringen könnte, weil die „Lösung“ (für ein Problem, das – seien wir ehrlich – eigentlich gar keines war) dann erst so richtig fancy ist? Nein? Ach, ihr wisst ja, wie das ist.

Das Community-Ding

Dinge tun, weil man sie tun kann. Ein guter Grund, etwas zu tun!

Nun ist es so, dass das alles nicht möglich wäre, wenn es da draußen nicht eine große, verspielte Community gäbe, die Dinge tut, einfach, weil sie es kann. Oder aber, weil sie sich selbst das Leben etwas leichter machen könnte. (Lies: „Dear future me, ich habe mir viele Nächte um die Ohren geschlagen, damit du deiner Faulheit frönen kannst. Bussi, bis bald.“)

Fakt ist, dass genau diese Communities in den meisten Bereichen die wahren Treiber sind. Das gilt für sprachgesteuerte Assistenzsysteme ebenso wie für Hardware, wie beispielsweise die Kinect oder all die Einplatinencomputer, die der Markt zu bieten hat. Oder eben Software.

Fakt ist auch, dass all diese Innovationen nicht selten in der Freizeit stattfinden. Im Urlaub. Oder eben, wenn die Familie zu Weihnachten entsprechend verarztet ist; dann hat man nicht so ein schlechtes Gewissen.

Danke … und bis bald!

Nun, was soll ich sagen? Ich denke, dass nicht wenige von uns eine diebische Freude dabei empfinden, sich in der Zeit nach dem Trubel ein wenig zurückzuziehen und sich am eigenen Nerdismus zu erfreuen.

Recht so, sage ich. Manchmal muss man auch mal etwas für sich tun. Wenn das Ergebnis dann anderen dabei hilft, Zeit zu verbrenn… will sagen, eigene Projekte zu realisieren: um so besser!

Danke, dass ihr so seid. Behaltet das auch im kommenden Jahr bei; das macht jeden einzelnen von uns so toll.

… und außerdem brauche ich noch ein paar Anregungen und Lösungen für all die Dinge, die ich selbst noch umsetzen möchte …

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -