Analyse zeigt, in welchen Entwicklungsbereichen am meisten Umsatz generiert werden kann

Old-School-Sprachen, Autodidakten und potenzielle Umsätze in der Entwicklernation
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Das erste Halbjahr 2015 ist bereits rum und viele nehmen das zum Anlass, schon mal erste Statistiken zu erstellen. Auch wenn es um die Softwareentwicklung geht, bleiben solche Statistiken nicht aus – und bieten interessante Einblicke in den aktuellen Stand der „Entwicklungsnation“. Zu den Themen zählt dabei nicht nur die Demografie der Entwickler-Community, sondern auch die Frage, in welchem Gebiet sich am meisten Umsatz erzielen lässt.

Einer der umfangreichsten Berichte ist der kürzlich veröffentlichte Ergebnisreport zum neunten Developer Economics Survey, in dem insgesamt 13.000 Software-Entwickler aus 149 Ländern Fragen zu Trends bei Plattformen, Sprachen sowie den aktuellen Veränderungen in der Industrie und der Art und Weise wie das Einfluss auf den Umsatz und die Einkünfte von Entwicklern nimmt, beantwortet haben.

Entwicklung – eine Männerdomäne

Die Entwickler-Community ist nach wie vor auffällig männerlastig. Gerade einmal sechs Prozent aller Teilnehmer gaben an, weiblich zu sein. Das größte Ungleichgewicht gibt es dabei in Südamerika: Hier liegt der Frauenanteil in der Entwicklung bei gerade einmal drei Prozent. Auch Europa (vier Prozent) hat deutlichen Nachholbedarf, was die Anzahl von Frauen in der Software-Entwicklung angeht. Ein wenig besser – wenngleich noch lange nicht rosig – sieht es dagegen in Nordamerika aus. Hier schaffen es die Frauen immerhin auf einen Anteil von zehn Prozent. Für viele überraschend liegt Afrika mit einem Frauenanteil von neun Prozent dicht hinter Nordamerika.

Die Software-Industrie ist grundsätzlich eine sehr junge, dafür aber umso schneller wachsende Industrie, bei der das Durchschnittsalter bei gerade einmal knapp über 30 Jahren liegt. Wenig verwunderlich ist es also, dass das für einige Probleme sorgen kann – insbesondere, weil es oft an der Erfahrung fehlt. Dazu kommt, dass die Technologie sich pausenlos weiterentwickelt und ein konstanter Wechsel zu beobachten ist:

Desktop computing just seemed to be starting to mature when focus rapidly shifted to the cloud and mobile. Mobile is still fairly new and developers are still figuring out the best ways to build software in that environment but already we have massive interest in the Internet of Things (IoT).

Cloud, Mobile und IoT: neue Chancen für Entwickler

Sowohl Cloud- als auch IoT-Entwicklung spielt eine immer größere Rolle – nicht nur, was ihre Verbreitung, sondern auch was ihren Umsatz angeht. So ist die Cloud nicht nur immer wichtiger für Entwickler, sie bietet ihnen auch eine gute Plattform, um Umsätze zu generieren. So schaffen es immerhin bereits 67 Prozent der Cloud-Entwickler auf mindestens 500 US-Dollar pro Monat – also über die von VisionMobile definierte „Entwicklerarmutsgrenze“ hinaus. Interessant ist daran allerdings, dass 44 Prozent der Cloud-Entwickler hauptsächlich privat Apps erstellen, um sie in privaten Clouds nutzen zu können; große Anbieter wie Amazon Web Services sind dabei nur für 16 Prozent der Teilnehmer die primäre Plattform.

Immer mehr Aufmerksamkeit zieht auch der IoT-Bereich auf sich. Dabei nennen 32 Prozent der Teilnehmer Endkonsumenten als ihre Target Audience; 26 Prozent wissen dagegen noch nicht so recht, wer ihre Kunden sein sollen. Überhaupt konzentrieren sich IoT-Entwickler vor allem auf das Erstellen von Applikationen und nicht auf das Erstellen von Hard- oder Firmware. Smart Homes ist dabei mit Abstand der beliebteste Markt.

Wenige Überraschungen gibt es im Mobile-Bereich. Hier dominieren weiterhin iOS und Android, die von 37 Prozent aller Mobile-Entwickler bedient werden. Dagegen ist das Interesse an der Entwicklung von Windows-Phone-Apps zurückgegangen und liegt bei nur noch 27 Prozent. Angesichts des gerade veröffentlichten neuen Windows-Betriebssystems und dem Runterschrauben von Microsofts Mobile-Ambitionen dürften auch in Zukunft viele Entwickler die Windows-Phone-App-Entwicklung aufgegeben und sich auf eine der anderen Plattformen konzentrieren.

Die Sprachenfrage – mit regionalen Unterschieden

Screenshot Sprachverbreitung

Sprachverbreitung, Quelle: Developer Economics

Die Wahl der Entwicklungssprache ist bei vielen Entwicklern nach wie vor meist von ihrer Target-Plattform abhängig. Dabei fallen vor allem einige regionale Unterschiede ins Auge. So ist zum Beispiel in Nordamerika vor allem die Kombination aus HTML5 und JavaScript beliebt, während sich im asiatischen Raum weiterhin eher Old-School-Sprachen wie Java und C großer Beliebtheit erfreuen (siehe Screenshot). Viele Entwickler sind dabei allerdings auch multilingual unterwegs.

Die Entscheidung für eine Sprache wird zudem oft von den Möglichkeiten und Ansprüchen der Entwickler in ihre Weiterbildung getrieben. Insbesondere die rasant zunehmende Verbreitung von Apples Swift ist ein Zeichen dafür. So geben 27 Prozent der Entwickler an, sich Swift selbst beigebracht zu haben; ebenso als selbst beigebrachte Sprachen verbreitet sind zum Beispiel Ruby, Lua und Python. Im Gegensatz scheinen Sprachen wie Java, C# und Objective-C vor allem von Entwicklern genutzt zu werden, die auch über einen Universitätsabschluss verfügen.

Screenshot: Sprachverbreitung Cloud-Anbieter

Sprachverbreitung Cloud-Anbieter, Quelle: Developer Economics

Während sich so vor allem im Mobile-Bereich deutliche Trends erkennen lassen, sieht es im Cloud-Bereich ein wenig anders aus. Während zwar alle beliebten Services eine Vielzahl von Sprachen unterstützen, unterscheiden sich oft die dadurch zur Verfügung gestellten APIs je nach Provider, sodass die Features einer Cloud vor allem Nutzer einer bestimmten Sprache ansprechen (siehe Screenshot).

Womit lässt sich am meisten Umsatz generieren?

Die Frage, womit sich denn nun am meisten Geld verdienen lässt, dürfte viele Entwickler interessieren. Dabei kommt es nicht nur auf die Programmiersprache der Wahl an, sondern auch auf die Plattform, für die man entwickelt. Dabei werden Entwickler immer kreativer, wenn es um das Generieren von Umsätzen geht und entscheiden sich für Sprachen, die ihnen eine große Auswahl lassen. Nur wer weniger an großen Umsätzen interessiert ist, lernt eine Nischen-Sprache.

Interessant ist der Blick auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Plattformen. So scheint es bei Mobile-Entwicklern nur wenig Zusammenhang zwischen der Sprache der Wahl und dem Umsatz zu geben, denn der Umsatz ist generell sehr ausgeglichen zwischen den Sprachen verteilt. Zudem macht man im Mobile-Bereich sein Geld vor allem mit dem Verkauf von Produkten und Dienstleistungen und eher weniger mit den typischen bezahlten Downloads und In-App-Werbeanzeigen.

Insgesamt zeigt der Bericht, dass gerade einmal die Hälfte der Mobile-Entwickler es über die App-Armutsgrenze schafft. Ähnlich schlecht sieht es auch in der Desktop-Entwicklung aus; hier generieren vor allem Tantiemen und Lizenzen den Umsatz.

Während Cloud-Entwickler derzeit die besten Chancen haben, Umsätze mit ihren Entwicklungsprodukten einzufahren, lässt sich für den IoT-Markt noch keine konkreten Aussagen dazu treffen, da der Markt noch zu klein ist. Man darf aber durchaus davon ausgehen, dass sich der Trend zu Cloud- und IoT-Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen wird.

 

Aufmacherbild: Finding solutions algorithm of programming languages von Shutterstock / Urheberrecht: Shaiith

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