Recruitment-Firma Starfighter veröffentlicht neues Spiel für Programmierer

Stockfighter – ein Spiel als Bewerbungsmappe für Entwickler
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Als Gamification bezeichnet man die Verwandlung von zumeist drögen Alltagstätigkeiten in spielerische Herausforderungen. Bügeln ist beispielsweise eine ziemlich monotone Tätigkeit, zu der man sich anspornen kann, indem man versucht, möglichst viel Wäsche möglichst schnell wegzubügeln. Für neue Bestzeiten kann man sich dann belohnen. Wie Gamification im Arbeitsmarkt kreativ eingesetzt werden kann, zeigt jetzt ein Spiel, mit dem Entwickler potenzielle Arbeitgeber von ihren Fähigkeiten überzeugen können.

Das Unternehmen Starfighter hat sich zum Ziel gesetzt, Bewerbungsgespräche im IT-Sektor durch Gamification nicht nur zu verbessern, sondern gleich komplett abzuschaffen. „We’re here to destroy it, and replace it with something better“ heißt es vollmundig auf der Homepage des noch jungen Unternehmens. Jetzt haben die Starfighter-Gründer, Erin Ptacek, Thomas Ptacek und Patrick McKenzie, ihr erstes Projekt veröffentlicht, das sie passenderweise auf den Namen Stockfighter getauft haben. Nach kurzer Downtime, die bezeichnenderweise durch zu großen Andrang verursacht wurde, läuft das Spiel jetzt einigermaßen stabil.

Geld hackendes Geld

Quelle: https://www.stockfighter.io

Quelle: https://www.stockfighter.io

In Stockfighter „spielt“ man einen Programmierer, der für einen durch das Spiel simulierten, elektronischen Aktienhandel automatisierte Tradingsysteme entwickelt. Das Ziel: ein Vermögen an der Börse zu machen. Das Spiel teilt sich in mehrere Level auf, die wiederum Teil von übergreifenden Kapiteln sind. In Zukunft sollen noch weitere Kapitel veröffentlicht werden. Dabei werden Themen wie Software-Sicherheit, verteilte Systeme und Hochfrequenzhandel gestreift, wobei es den Entwicklern zufolge nicht notwendig ist, Kenntnisse über diese Felder zu besitzen.

Die Themen werden in zweierlei Sorten (auch hier sollen weitere folgen) von sogenannten „Tech Trees“ verhandelt: Einerseits existieren Trading Level, bei denen Code für verschiedene Handelsstrategien geschrieben werden muss. Andererseits gibt es sogenannte Jailbreak Level, bei denen man durch Manipulation des Assembly-Codes Kontrolle über ein Trading-Device erlangen muss. Dies dient freilich dem Zweck, den Aktienmarkt zum eigenen Nutzen zu beeinflussen.

Spielen kann jeder, der über grundlegende Programmierkenntnisse verfügt. Da alle APIs des Spiels auf REST basieren, können die jeweiligen Level mit jeder beliebigen Programmiersprache und jedem Tool in Angriff genommen werden – vorausgesetzt diese sprechen HTTP. Daneben gibt es auch noch eine einfachere Version des Spiels in Low Level C und AVR Assembly.

Wie Sam Atkinson auf DZone berichtet, soll es einigen Leuten sogar gelungen sein, einzelne Level auf dem iPhone zu absolvieren. Dank der offenen und klaren Struktur des APIs lädt Stockfighter zum Experimentieren und erneuten Spielen ein. Auch Versuche, das Spiel zu überlisten oder es – im engen Rahmen – zu hacken, sind ausdrücklich erwünscht. Der Kreativität kann man also freien Lauf lassen.

Aber Vorsicht: Auch das Spiel selbst arbeitet mit Desinformation und Lügen. Sogar auf die Informationen, die von Starfighter ausgegeben werden, darf man sich – was das Spiel angeht – nicht hundertprozentig verlassen.

Quelle: https://www.stockfighter.io

Quelle: https://www.stockfighter.io

Bewerbungsgespräch mal anders

Spaß am Spiel ist die eine Sache, aber wer möchte, kann Stockfighter auch als eine Art Bewerbungsmappe benutzen. Starfighter ist Im Wesentlichen eine Recruitment-Firma, die für andere Unternehmen nach IT-Talenten Ausschau hält und ihnen diese weiterempfiehlt. Entwickler, die auf der Suche nach einer neuen Anstellung sind, können den Machern von Stockfighter Einsicht in ihre Spielstatistiken erlauben, um passende Jobangebote zugeschickt zu bekommen. Dahinter steht eine Kritik am Prinzip des Bewerbungsgesprächs.

Solche Gespräche werden von vielen Arbeitssuchenden im IT-Bereich, aber nicht nur dort, als stressige, bisweilen angsteinflößende und regelrecht feindliche Situation empfunden, was sich naturgemäß auf Qualität der Performance auswirkt. Ein Jobinterview ist immer eine Ausnahmesituation, in der auf den Bewerbern besonders viel Druck lastet. Deswegen bleiben sie beim Coden sowie beim Sprechen über ihren Code oft unter ihren Möglichkeiten. Dass das für beide Seiten schlecht ist, liegt auf der Hand: Entwickler finden keinen Job, obwohl sie über die entsprechenden Fähigkeiten verfügen. Unternehmen entgeht andererseits das Potential guter Leute.

Indem beim gamifizierten Bewerbungsverfahren die nervenaufreibende Interviewsituation wegfällt, können Entwickler ihre Fähigkeiten wesentlich objektiver demonstrieren und so Unternehmen die tatsächliche Dimension ihres Könnens vorführen. Starfighter arbeitet dazu mit 15 Unternehmen zusammen, darunter der Musikstreamingdienst Spotify und der Smartwatch-Hersteller Pebble.

Einfach loslegen

Natürlich gilt gleichzeitig: Wer nur spielen will, schaltet die Bewerbungsoption einfach aus und legt unbeschwert los. Bei etwaigen Fragen kann man auf die ausführliche Dokumentation zurückgreifen oder nach Tipps und Tricks in der rasant wachsenden Community Ausschau halten. Wer also ein wenig Zeit hat – für die ersten Level braucht es nur wenige Minuten – der kann Stockfighter kostenlos anspielen.

 

Aufmacherbild: Sign for Wall Street in New York City von Shutterstock / Urheberrecht: Robert Crum

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