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Spannende Sessions auf der iJS/IPC 2019 in München

Performance, Web Payment API & Zend Framework: 4 Take-aways vom ersten Hauptkonferenztag der iJS/IPC 2019
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Die International PHP Conference und die International JavaScript Conference 2019 finden diese Woche in München statt. Wir sind vor Ort und berichten über den ersten Tag der Schwesterkonferenzen. Zu den Highlights des ersten Hauptkonferenzstags am Dienstag gehörten der Rückblick in die Geschichte des Zend Frameworks bis zum aktuellen Projekt Laminas, eine Session zu Visualisierungsmethoden sowie ein Vergleich von JavaScript, WebAssembly und C++ in Hinblick auf ihre Performance.

Take-away #1: Die Angst vor Google Pay und Co

In seiner IPC-Session „Web Payment API a new way of paying online“ stellte Antonio Perić-Mažar (CEO locastic) das Payment Request API vor. Es soll den Kaufprozess für Kunden vereinfachen. Nur ein Klick führt dank gespeicherter Kreditkartendaten oder Bezahlsystemen wie Google Pay direkt zu einem erfolgreichen Kaufabschluss. So weit so gut, doch recht schnell machte sich Unruhe im Publikum breit: Wollen wir das überhaupt?

Auf die Frage, wer derartige Bezahlsysteme nutzt, meldeten sich wenige. Auch wollte nur eine geringe Anzahl der Teilnehmer*innen ihre sensiblen Kreditkartendaten fest im Browser hinterlegen. Die Ergebnisse der kleinen Umfrage sorgten bei Antonio Perić-Mažar und bei wiederum anderen einzelnen Teilnehmern für Verwunderung. Bei der Frage nach dem Warum, gaben Stimmen aus dem Publikum an, dass sie schlicht und ergreifend den Unternehmen hinsichtlich des Datenschutzes nicht trauen. Andere stellten eine Gegenfrage und wollten wissen, wozu man Google Pay und Co. beispielsweise in einem Restaurant nutzen solle, wenn man doch auch Bargeld oder die EC-Karte nutzen kann. Zudem sei Paypal für derartige Bezahlprozesse zumindest hierzulade eher verbreitet.

In erster Linie scheint das Konzept des Web Payment API zwar komfortabler für den Nutzer*in, da nur ein Klick bzw. ein Fingertipp auf den Bildschirm des eigenen Smartphones getätigt werden muss. Doch letztlich wird der Mangel an Vertrauen in Unternehmen hinsichtlich des Datenschutzes doch deutlich.

Wir nehmen mit: Die Angst vor neuen Bezahlmethoden und somit dem Abweichen vom Standard sowie einer eventuell auftretenden Datenpanne scheint nach wie vor groß zu sein.

Take-away #2: Visualisiere dein Softwareprojekt

Mit den Worten „ es wird keine technische Code-Session“ geben, kündigte Stefan Priebsch (thePHP.cc) seinen Vortrag „Beyond clean Code: Building the right Software“ an. Und in der Tat: Statt Code, gab es einen spannenden Exkurs, wie man gute und funktionierende Software auch bei großen Projekten erstellt. So wird Software leider immer noch oftmals nur für den Moment gebaut. Dabei ändert sich ständig etwas, denn manche Ereignisse wie SEPA, GDPR, die Euro-Einführung oder aktuell der Brexit, waren Jahre zuvor noch nicht absehbar.

Unter dem Strich gesehen, muss also Code nicht nur gut sein, sondern auch lange halten und flexibel genug sein, um unvorhersehbare Ereignisse aufzufangen. Software muss zudem immer den Nutzer im Auge haben. Bestes Beispiel: Fahrkartenautomaten, die weder intuitiv noch verständlich sind. Doch wie kommt man in großen Teams ans Ziel, um eine gute und haltbare Software zu schaffen?

isualisierungsmethoden wie Event Storming, Domain Storytelling oder Story Mapping Example sind keine Modeerscheinung, sondern können einen wirklich guten Beitrag dazu leisten, ein komplexes Softwareprojekt mit großen Teams zum Erfolg zu führen.

Take-away #3: Die Linux Foundation sorgt für klare Verhältnisse

Die Geschichte des Zend Frameworks ist lang. Sie begann im Frühjahr 2006 mit der Alpha Version von Zend Framework 0.0.1. Die erste Major-Version folgte im Juni 2007. Im Jahr 2015 wurde Zend Technologies von Rogue Wave Software gekauft, die wiederum im Januar 2019 von Perforce übernommen wurde. Davor, im Oktober 2018, hatte Rogue Wave angekündigt, dass das Zend Framework nicht weiter unterstützt werden sollte – erste Mitglieder des Entwicklerkernteams gaben an, Rogue Wave zu verlassen.

Im April 2019 dann der große Paukenschlag: Zend Framework wird unter dem Dach der Linux Foundation unter dem Namen „Laminas“ als Open-Source-Projekt weitergeführt. Doch wieso ausgerechnet die Linux Foundation? Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des PHP-Frameworks stellt Ralf Eggert, Geschäftsführer der Travello GmbH, in seiner Session auf der IPC 2019 die Vorzüge einer Foundation klar heraus.

Die Vorteile bei einer Foundation als Partner liegen eindeutig darin, dass sie sich um die Finanzierung kümmert und technische und organisatorische Ressourcen zur Verfügung stellt. Außerdem kann sie auf ein großes Netzwerk zurückgreifen, was auch im Bereich Marketing sehr nützlich sein kann. Zudem ist die Basis, die das Projekt trägt, deutlich größer. Entscheidungen werden gemeinsam gefällt und von mehreren Leuten hinterfragt – was dafür sorgt, dass die technischen und geschäftlichen Entscheidungen transparenter werden. So können auftretende Fehler früher erkannt werden. Gleichzeitig sorgt eine Foundation für mehr Beständigkeit, weil ein Wechsel einer einzelnen Person in einer Gruppe von Verantwortlichen nicht mehr so große Auswirkungen hat.

Die Voraussetzungen sind also geschaffen und eins steht nach der Session fest: Alle warten gespannt auf November 2019 – denn da soll das Laminas-Projekt laut Projektleiter Matthew Weier O’Phinney veröffentlicht werden.

Take-away #4: Erst messen, dann optimieren: Es geht nicht nur um Speed, Speed, Speed

JavaScript ist keine langsame Sprache mehr. Mit modernen Engines kann man einiges an Leistung herausholen! Wenn das noch nicht reicht, stehen außerdem C++, das von Node unterstützt wird, und WebAssembly zur Verfügung. Aber langsam: Franziska Hinkelmann (Google) stellte in ihrer Keynote zu “Speed, Speed, Speed” auf der iJS alle drei Optionen gegenüber. Natürlich gewinnt WebAssembly in Sachen Performance, wenn es man es darauf anlegt, und auch mit C++ kann man noch was rausholen. Allerdings sind die Unterschiede hier gar nicht mehr so groß wie man denken könnte. C++ ist heute nur noch um Faktor 2 schneller als JavaScript, nicht mehr um Faktor 80. Außerdem habe es Vorteile, nur eine Sprache zu nutzen, weil man damit nur eine Syntax und ein Tooling braucht, einen Linter, eine Build Pipeline. Insofern lautet das wichtigste Takeaway der Keynote von Franziska Hinkelmann nicht, dass WebAssembly unfassbar schnell ist, sondern dass man zuerst den Bedarf testen sollte: Braucht meine Anwendung mehr Leistung? Und wenn ja, wo liegen die Bottlenecks? Erst messen, dann verbessern!

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