Bare Metal oder virtuell?

Top-5-Faktoren bei der Wahl des Server-Typs: virtuell oder Bare Metal?
Kommentare

Wo ist eine Anwendung besser aufgehoben: Auf einem Bare-Metal-Server oder einem virtuellen Server? Verschiedene Faktoren können bei der Auswahl des richtigen Server-Typs helfen, wenn eine Anwendung endlich in die Produktion geht. So sind Latenzzeiten und Performance beispielsweise vom Server-Typ abhängig.

Bare Metal oder virtuelle Server? Vor dem Deployen einer Anwendung muss eine Entscheidung über die zu verwendende Infrastruktur getroffen werden. Microservice-basierte Anwendungen eröffnen die Möglichkeit, Prozesse über verschiedene Server-Typen zu verteilen. Spätere Wechsel sind dabei ebenfalls möglich – oft aber mit einem erhöhten Aufwand verbunden, sodass es sich lohnt, vor dem Schritt in die Produktion genau über die eigenen Anforderungen nachzudenken.

Faktor 1: Server-Performance & Latenz

Durch die Virtualisierung von Servern muss das Gerät an sich erst einmal einen Teil seiner Kapazitäten auf genau diesen Prozess verwenden. Dadurch steigt die Auslastung des Geräts. Physische Server sind also grundsätzlich leistungsfähiger – virtuelle Server nutzen ihre Ressourcen jedoch besser aus, wie Blessen Cherian sagt. Statt einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit für besondere Auslastungen vorzuhalten, kann hier die gesamte Performance genutzt werden. Ins Gewicht fällt das vor allem bei Anwendungen, die auf eine hohe Leistung angewiesen sind. Bei sehr spezifischen Anforderungen stellt hingegen die individuelle Konfigurierbarkeit von Bare-Metal-Servern einen großen Vorteil gegenüber virtuellen Servern dar.

Bei der Latenzzeit schneiden microservice-basierte Anwendungen auf virtuellen Servern außerdem ein wenig schlechter ab als auf physischen Servern. Die Zahl der internen Verbindungen, die zum Abruf der vollständigen Anwendung notwendig sind, ist einfach viel höher, sodass auch geringfügig erhöhte Ladezeiten ins Gewicht fallen können. Wenn es also auf Millisekunden ankommt, sollte hier eine Entscheidung für den Bare-Metal-Server getroffen werden.

Erfahren Sie mehr zu den Themen Microservices und Architektur auf der WJAX 2016 in München!

Faktor 2: Skalierbarkeit & Kosten

In Sachen Skalierbarkeit haben virtuelle Server häufig die Nase vorn. Um die Kapazität physischer Server hochzuskalieren, muss neue Hardware aufgesetzt werden. Das entfällt bei virtuellen Servern, sodass eine Erweiterung der vorhandenen Leistungsfähigkeit hier häufig kurzfristig günstiger ist als bei physischen Servern. Langfristig muss das jedoch nicht der Fall sein. Die Lizenzkosten, die virtuelle Server kontinuierlich produzieren, sind oft höher als die eines entsprechenden Bare-Metal-Servers. Kurzfristige Skalierungs-Entscheidungen können in einer virtuellen Umgebung außerdem häufig leichter getroffen werden. Wer nur für einen begrenzten Zeitraum Bedarf an einer höheren Serverkapazität hat, muss in einer virtuellen Umgebung meist weniger Aufwand betreiben.

DevOps Docker Camp

Das neue DevOps Docker Camp mit Erkan Yanar

Lernen Sie die Konzepte von Docker und die darauf aufbauenden Infrastrukturen umfassend kennen. Bauen Sie Schritt für Schritt eine eigene Infrastruktur für und mit Docker auf!

Faktor 3: Technische Anforderungen

Mike Coleman listet gleich eine ganze Liste von Anforderungen microservice-basierter Anwendungen auf, bei denen virtuelle Server den Bare-Metal-Servern überlegen sind. So seien virtuelle Server beispielsweise einfacher in der Handhabung, wenn es um den API-Zugriff geht und somit besser zur Automatisierung von Prozessen geeignet. Auch dann, wenn mehrere Betriebssysteme nötig sind, sollte laut Coleman zu virtuellen Servern gegriffen werden, da die OS-Instanzen auf einem virtuellen Server parallel betrieben werden können. Als Technical Evangelist von Docker ist Mike Colemans Tendenz zu virtuellen Servern beim Container Deployment allerdings keine Überraschung.

Faktor 4: Datenrettung & Sicherheit

Eine weitere Stärke virtueller Server zeigt sich dann, wenn der Albtraum eines jeden Webmasters eintritt: Der Server hat einen Defekt, und keiner kann mehr auf die Daten zugreifen. Auf virtuellen Servern stehen Webmastern mehr Optionen zum regelmäßigen Backup zur Verfügung; die besseren Automatisierungs-Optionen spielen hier eine zentrale Rolle. In einer Microservice-Architektur können mithilfe virtueller Server oft auch Ausfälle einzelner Teile der Infrastruktur ausgeglichen werden.

Die Sicherheit ist gerade in cloudbasierten Systemen jedoch ein zweischneidiges Schwert. Die höchste Kontrolle über jede Art von Zugriff auf einen Server haben Webmaster dann, wenn sie direkten Zugang zum Gerät haben. Cloud-Hosting erlaubt grundsätzlich keine so detaillierte Vergabe von Zugangsrechten wie ein hauseigener Server. Dennoch gelten Bare-Metal-Server in der Cloud als sicherer im Vergleich zu virtuellen Servern, weil der Platz auf ihnen nicht mit anderen Kunden geteilt wird.

Faktor 5: Vorhandene Ressourcen nutzen

Nicht jede Anwendung macht es erforderlich, nur einen Servertyp zu verwenden. Vorhandene Ressourcen und Verträge sollten in jedem Fall mit einbezogen werden, wenn die Entscheidung für oder gegen einen Servertyp getroffen werden muss. So ist es in manchen Fällen durchaus möglich, Teile einer Microservice-Architektur auf einem Bare-Metal-Server zu betreiben, während andere Teile gleichzeitig auf einem virtuellen Server laufen. Auch eine kontinuierliche Umstellung der Infrastruktur kann sinnvoll sein, wenn diese von Anfang an eingeplant wird. Wichtig ist allerdings, immer zu wissen, warum die eigene Anwendung auf welcher Art von Server läuft.

Aufmacherbild: Server hallway in the blue sky via Shutterstock / Urheberrecht: wavebreakmedia

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -