Das waren die wichtigsten Entwicklerthemen 2015 - Teil 6

TYPO3 & Neos, Going Open Source, Visual Studio 2015 und jQuery – unser Jahresrückblick
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Mit großen Schritten bewegen wir uns in Richtung Jahresende. Zeit zurückzublicken und das Jahr Revue passieren zu lassen. In einer Artikelserie greifen wir die wichtigsten Themen aus 2015 auf – welche Technologien, Ereignisse und Trends haben Entwickler in diesem Jahr besonders bewegt und interessiert? Heute geht es um die Entwicklung – und die Trennung – von TYPO3 und Neos, Visual Studio 2015 und die Arbeit der jQuery Foundation. Außerdem schauen wir uns an, welche Projekte seit diesem Jahr Open Source zur Verfügung stehen.

Trennung, Weiterentwicklung und der Blick in die Zukunft: TYPO3 und Neos

Will man das Jahr 2015 für TYPO3 und Neos in einem Wort zusammenfassen, gibt es wohl nur eins: turbulent. So stand dieses Jahr nicht nur im Zeichen der Weiterentwicklung der beiden Content-Management-Systeme, es gab auch eine Meldung, die im Mai fast ohne Vorankündigung die Community überraschte. Die Rede ist natürlich von der Trennung der TYPO3 Association und des Neos-Teams, die vor allem in der unterschiedlichen Organisation beider Projekte begründet wurde.

Natürlich geschieht eine solche Trennung nicht über Nacht, die einzelnen Schritte müssen wohl überlegt sein und auch über die Konsequenzen für Agenturen und User der beliebten Content-Management-Systeme musste nachgedacht werden. Denn während sowohl die Vertreter der TYPO3 Association als auch des Neos-Teams vor allem positive Worte zur Trennung verloren – dazu sprachen wir zum Beispiel mit Robert Lemke (Neos) und Alain Veuve (TYPO3) – gab es natürlich kurz nach dem Split noch zahlreiche offene Fragen, die geklärt werden mussten.

Dazu gehörte vor allem die Frage nach dem verbleibenden Jahres-Budget für das Neos-Projekt, doch auch die Lizenzfrage gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen und wurde gleich mehrmals innerhalb der TYPO3-Community diskutiert. Insgesamt verlief die Trennung jedoch freundlich und einvernehmlich, und nun konzentriert man sich bei beiden Teams auf den Blick in die Zukunft.

Und hier darf man auf die Weiterentwicklung beider CMS gespannt sein, die natürlich trotz der Trennung auch in diesem Jahr weiterlief. So erschienen zahlreiche neue Versionen von TYPO3 CMS, darunter auch die neue Long-Term-Support-Version TYPO3 CMS 7.6.0, die viele Verbesserungen – insbesondere für das Backend – mit sich brachte. Doch es hieß auch Abschied nehmen – nämlich von der Legacy-Version TYPO3 CMS 4.5, die im April ihr offizielles End-of-Life erreichte.

Auch bei Neos gab es große Neuigkeiten. Hier erschien mit Neos 2.0 die neue Major-Version des CMS; dazu gab es auch mehrere Minor-Versionen und Maintenance-Updates. Doch vor allem erlaubt es Neos 2.0 dem Neos-Projekt, einen weiteren Schritt nach vorn und in Richtung der vollständigen Etablierung am CMS-Markt zu machen. Man darf darum also sehr gespannt sein, was im neuen Jahr von Neos, aber auch von TYPO3 erwartet werden darf.

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Going Open Source

2015 war ein erfolgreiches Jahr für die Open-Source-Bewegung: Vor allem für GitHub, das die größte Community von Softwareentwicklern und -Projekten im Web beherbergt – denn das Unternehmen konnte 250 Millionen US-Dollar in einer Finanzierungsrunde im Juli einsammeln. Um genau dieser Community etwas zurückzugeben, hat Mozilla unter dem Projektnamen Mozilla Open Source Support (MOSS) einen finanziellen Zuschuss für Open-Source- und Free-Software-Projekte in Höhe von insgesamt einer Million US-Dollar angekündigt.

Auch die altbekannten Player haben nachgezogen und einige Tools und Services Open Source gestellt: So hat beispielsweise Microsoft die gesamte Palette an Azure Mobile SDKs geöffnet, SSH für Windows Code öffentlich verfügbar gemacht und angekündigt, die JavaScript-Engine Chakra 2016 Open Source zu stellen. Auch Google hat sein Machine-Learning-System TensorFlow geöffnet, um so die Forschung und den Machine-Learning-Prozess voranzutreiben. Der dritte im Bunde, Apple, ließ sich ebenfalls nicht lumpen und verkündete, dass die hauseigene Programmiersprache Swift ab sofort quelloffen zur Verfügung steht. Angesteckt von der Open-Source-Welle veröffentlichte dann auch Pinterest zwei seiner Tools: das waren zum einen die MySQL-Tools und zum anderen PinLater, ein asynchrones Job-Execution-System.

Visual Studio 2015, Visual Studio Team Services und Visual Studio Code

Eines der Jahreshighlights rund um Visual Studio war sicherlich der 20. Juli, als Microsoft die heißersehnte neue Version der Entwicklungsumgebung offiziell verfügbar gemacht hat. Entwickler sollen die damit einhergehenden neuen Funktionen vor allem für eine offenere Integration und die Cross-Plattform-Entwicklung nutzen können. Visual Studio 2015 kommt mit Verbesserungen in C++, einem neuen Debugger- und Diagnostics-Bereich, Office-365-API-Tools, Blend für Visual Studio 2015, Node.js Tools und einigem mehr. Besonders spannend ist, dass es die IDE Out-of-the-Box ermöglicht, Web-Technologien für die Entwicklung von Mobile-Apps für iOS, Android und Windows zu nutzen. Hierfür lassen sich Apache Cordova, C++ und Xamarin verwenden. Werden die Items während des Setups ausgewählt, installiert Visual Studio 2015 alle benötigten Tools, einschließlich dem Android Developer Kit, dem Java Developer Kit, und dem Native Developer Kit sowie dem Visual Studio Emulator für Android. Mittlerweile sind außerdem die Windows 10 Entwicklertools offiziell freigegeben und ein erstes Update für die IDE wurde ebenfalls ausgerollt.

Aber nicht nur die On-Premise-Version von Visual Studio hat in diesem Jahr Verbesserungen erfahren; auch die Online-Variante kann einige Neuerungen aufweisen, allem voran die Namensänderung in Visual Studio Team Services. Laut Microsoft wurde der Dienst aber nicht nur umbenannt, sondern auch weiterentwickelt. Extensions für Visual Studio Team Services sind seit neuestem über den Visual Studio Marketplace verfügbar. Bei Cloud-basierten Load-Tests werden jetzt außerdem Goal-basierte Load-Patterns unterstützt. Im Support enthalten sind sowohl Agent- Counters als auch Load-Test-Counters.

Auf der Build-Konferenz im April wurde zudem eine neue Visual-Studio-Edition unter dem Namen Visual Studio Code (VS Code) vorgestellt. Microsoft wagt damit im Bereich der Softwareentwicklung den Sprung auf andere OS-Plattformen jenseits der Windows-Welt. Der Code-Editor läuft unter Linux, OS X und Windows und bringt alle Standard-Tools mit, die man von einem modernen Code-Editor erwarten kann, einschließlich Syntax-Highlighting, anpassbare Keyboard-Befehle, Bracket-Matching, IntelliSense und Snippets; allesamt sollen sie das Bearbeiten von komplexem Code erleichtern. Noch befindet sich der Editor in der Betaphase, aktuell in der Version  v0.10.1. Das Release bringt Erweiterungen für das Implementieren zusätzlicher Funktionen oder Sprachunterstützungen mit und steht Open Source als GitHub Repository bereit.

jQuery Foundation – und was wurde eigentlich aus jQuery 3.0?

Vor allem Anfang des Jahres gab es immer wieder etwas Neues von der jQuery Foundation zu berichten – sei es, dass selbige auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2014 zurückblicken konnte, dass ein weiteres Mitglied in die Foundation aufgenommen wurde oder dass sie die Maintenance eines weiteren Tools übernommen hat. Denn gerade davon gingen einige in die Hand der jQuery Foundation über: so übernahm sie im Januar die Maintenance und Weiterentwicklung des Esprima-Projekts – einem JavaScript-Parser, mit dem beispielsweise ein Abstract-Syntax-Tree generiert werden kann. Bereits zuvor war auch das Pointer-Events-Polyfill in die Hand der jQuery Foundation übergegangen und erhielt im April mit PEP 0.3.0 das erste Release seit der Übernahme; im November erschien dann PEP 0.4.0.

Für einige Aufregung sorgte im März vor allem auch der Umzug der jQuery-Plugin-Registry. So wurden Entwickler dazu ermutigt, ihre Plugins auf npm zu veröffentlichen, während die jQuery-Plugin-Registry in einen Read-only-Modus versetzt wurde. Zwar bietet dieser Wechsel auch einige Vorteile, trotzdem stellten sich natürlich viele die Frage, wie es mit der Plugin-Registry weitergehen sollte.

Doch seither ist es ruhig um die jQuery Foundation geworden. Seit dem Release von jQuery 3.0 Alpha 1 und jQuery 3.0 Compat Alpha 1 gab es nur wenig Neuerungen, ein Release-Datum für die neue Major-Version der JavaScript-Library gibt es nicht – dabei war sie schon vor einem Jahr angekündigt worden. Man darf also gespannt sein, wie es mit der jQuery Foundation und der beliebten JavaScript-Library weitergehen wird – und vor allem auch, ob und wann jQuery 3.0 erscheinen wird.

Aufmacherbild: conflict in business concept with broken chain von Shutterstock / Urheberrecht: Morrowind

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